Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1901)
- Date
- 1901-07-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1376 Wesenheit der Singer'schen Familie, zahlreicher Freunde des Verblichenen und des Vorstandes der Gemeinde. In ergreifender Rede wies Herr Dr. Plaut nochmals auf das tragische Geschick seines Freundes hin, der im blühendsten Alter den Seinen und der Gemeinde entrissen wurde, und pries zugleich das göttliche Walten, das der verwaisten Familie einen zweiten Vater und Versorger in der Person eines hochherzigen Frankfurter Herrn gegeben. Die kleine, aber ergreifende Feier hat in Aller Herzen einen tiefen Nachklang gefunden. Herrn Rabbiner Dr. Plaut selbst gebührt für seine rührende freundschaftliche Intention der Dank Aller, die dem Verstorbenen nahe gestanden. Fürth. Die israel. Realschule wurde bei Beginn des Schuljahres von 44 Elementar- und 63 Realschülern besucht. Im Laufe des Jahres traten aus der Realschule 6 Schüler aus, ein Schüler trat in die Realschule, 4 in die Vorschule ein, so daß sich am Schluß des Schuljahres eine Frequenz von 106 Schülern, 58 Real- und 48 Vorschülern ergibt. Die am 11. Juli v. I. unter dem Vorsitz des Kgl. Ministerialkommissä-rs Herrn Kgl. Professor Ludwig Keck aus Nürnberg abgehaltene mündliche Absolutorialprüfung ergab das Resultat, daß sämmtliche vier Absolventen das Examen bestanden. Bei Beginn des Schuljahres, am 6. September 1900, übernahm Herr Dr. A. F e i l ch e n f e l d die Leitung der Israelitischen Realschule und wurde dem Lehrerkollegium durch 2 Mitglieder des Kuratoriums vorgestellt. Herr Kommerzienrath Fraenkel begrüßte im Aufträge des Kuratoriums den neuen Direktor und wünschte ihm eine recht gedeihliche Thätigkeit an der Anstalt. Sodann legte der neue Direktor die Grundsätze dar, nach denen er sein Amt zu führen gedenke. Hoppstättcn. 23. Juli. Mit Beginn des Monats Juli hat der neuernannte Landrabbiner, Herr Rabbiner Dr. Julius L e w i t aus Berlin, sein Amt im Fürstenthum Birkenfeld angetreten. Am Freitag, den 6. Juli, fand auf der Großherzoglichen Regierung zu Birkenfeld seine Vereidigung durch den Herrn Regierungspräsidenten Ahlhorn statt. Hierauf war beim Freitag-Abendgottesdienst seine feierliche Einführung in der Synagoge zu Hoppstätten. Begleitet von dem Landesgemeinderathe, dessen Mitglieder auch von den auswärtigen Gemeinden des Fürstenthums sich eingefunden hatten, begrüßte der Synagogen-Chor den in's Gotteshaus eintretenden Landrabbiner mit den hebräischen Worten des Psalmisten: „Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!" Sodann richtete Herr Synagogen-Vorsteher Elias Weil herzliche Worte der Begrüßung und der Segenswünsche an Herrn Dr. Lewit, indem er in längerer, wohlgeformter Rede der Hoffnung Ausdruck gab, daß es unter Gottes Beistand Herrn Dr. Lewit gelingen möge, in seiner staatlichen Stellung als Landrabbiner, Regierungsmitglied, Schulinspektor und Lehrer der Jugend allezeit segensreich zu wirken. P a l ä st i n a. Jerusalem. Man berichtet uns aus katholischer Quelle: Die drohende Gefahr der Dürre ist abgeloenbet; Regengüsse, welche mehrere Tage hindurch andauerten, haben die Erde getränkt. Im verlaufenen Winter war sehr wenig Regen gefallen, wie auch im vorhergehenden Jahre, und die Befürchtungen mußten umso größer sein, weil im heißen Palästina vom Monat Mai ab bis zum November kein Regen mehr zu fallen pflegt. Darum größte Verlegenheit im Sommer, wenn zur Winterzeit der Boden nicht gründlich durchgetränkt und in Stadt und Land die Cisternen nicht mit ausreichendem Vorrathe versehen sind. Die drohende Dürre dieses Jahres ist zum guten Theile abgewendet, ganz gewiß auch in Folge der vielen Gebete, welche die Christen, Juden und Türken zum Himmel emporgesendet haben. Sehr alte Leute wissen sich nicht zu erinnern, daß über die Mitte Mai hinaus noch Regen gefallen wäre. Dieses Jahr ist es geschehen und das Volk in Stadt und Land, sowie das Wild des Feldes, in Schluchten und Wald, athmet erleichtert auf, weil die Noth gehoben ist. Feuilleton. glitcbt! Bon M. Dornbusch. Schon in der ersten Hälfte des eben abgelaufenen Jahrunderts gab es in Galizien zwei Kategorien von „Melamdim",*) solche, die ihren Schülern die Bibel im Jargon zu übersetzen pflegten, und andere, die sich dabei der Mendelsohmschen deutschen Uebersetzung zu bedienen pflegten. Letztere wurden „moderne Melam dim" genannt nnd von den „Ehaßidim" verfolgt, dafür hatten sie jedoch die Genugtuung, sich der Kundschaft reicher, vornehmer Familien zu erfreuen, die ihnen ihre Kinder anvertrauien und sie für den Unterricht ziemlich gut entlohnten. Einem solchen „mordernen Melamed" hatte sein Weib in der ersten Nacht des jüdischen Wochenfestes, gerade zur Mitternachsstunde, ein Knäblein geboren. Mit halbgeschlossenen Augen lag die junge Mutter va, an deren Seite der neue Weltbürger gar laute Zeichen seines Daseins gab. Jetzt schien die Mutter völlig zu erwachen. Schwer aufseufzend richtete sie mit leiser Stimme, als würde sie selbst den Ton derselben fürchten, an die Hebamme die Frage, warum denn das Kind „so ungewöhnlich" weine. „Ich finde in diesem Weinen nichts Ungewöhnliches," versicherte die Gefragte, „und ich müßte es doch herausfinden, nachdem ich schon bei so vielen Geburten assistirt habe, während Ihr, gute Frau Sarah, jetzt zum ersten Mal geboren habt." *) Lehrer des Hebräischen.