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Der Israelit · 1901-07-25 · Heft 58 (25.7.1901) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 58 (25.7.1901)
Date
1901-07-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1375 Augenblick, es eilt auf den Schwingen der Hoffnung der Zukunft entgegen. Auch du, mein Volk, vertraue, vertraue! Zeitungsnachrichte» und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 22. Juli. Man schreibt uns: Seit Prof. Oppenheim in Frankfurt a. M. seine in zahlreichen Reproduktionen verbreiteten „Bilder aus dem jüdischen Familienleben" schuf, ist ein halbes Jahrhundert verflossen. Seitdem haben selten Künstler dieses interessante Milieu auch nur vorübergehend gestreift Erst seit 15 Jahren hat ein Schüler Geromes in Paris sich diesen Stoffen mit großem Eifer und bedeutendem Können in seinen Lithographien zugewandt, es ist der in Mauresmünster bei Straßburg geborene Maler Alphons L e v y , der gegenwärtig im Kunstsalon bei .Keller und Reiner in Berlin eine interessante Ausstellung seiner „Scenen aus dem Leben der elsäffischen Juden" veranstaltet. Ursprünglich zeichnete A. Levy zumeist mit Andre Jill zusammen in Paris Carricaturen und politische Federzeichnungen für „La Lune" und auch für das bekannte „Journal amüsant." Als seine Zeichnungen für das mit einer Vorrede des Großrabbiners Zadoc Kahn erschienene Werk „La vie juive" und für die gemeinsam init Sacher-Masoch herausgegebenen jüdischen Erzählungen Aufsehen erregten, stellte Levy sein großes künstlerisches Können, verbunden mit einer bedeutenden Schärfe der Charakteristik, ganz in den Dienst der Aufgabe, Scenen aus dem ländlich-naiven Leben der elsässischen Juden darzustellen, wie er sie in seiner Kindheit gesehen. Levy, der heute wohl ein Sechziger ist und sich mannigfacher Auszeichnungen erfreut (er ist u. a. Offizier de l'Jnstitut) schrieb der Pariser Zeitschrift „La Plume," die im August 1895 seine Hauptbilder „Die Schaaloh," „Jom Kippur," „Parschah" (die hebräische Lehrstunde), „Schechita," „Sukkoth," „Kewonoh" (Andacht), in guten Reproduktionen wiedergab. Uber sein Lebenswerk Folgendes: „Ich wähle meine Modelle unter den armen Dorfbewohnern des Elsaß und Lothringens, die noch naiv fromm sind; es sind die Großväter derjenigen, die Drumont heute so heftig angreift. Aber ich fürchte, daß auch diese Ahnen mit ihren Enkeln nicht zufrieden sein werden." Der geniale Zeichner hebt dann ausdrücklich hervor, daß er den Kultus, dem er angehöre, pietätvoll habe künstlerisch verherrlichen wollen, während ihm die modernen Juden nicht „pittoresk" genug erscheinen. Denn oft genug hat man den Maler, der uns in seinem hervorragendsten Kabinetsstück ein altes Männchen vorführt, das beim Hallelgebet mit dem Lulaw die vorgeschriebenen Schwingungen vollführt, aufgefordert, doch lieber für den „Salon" und die Ausstellung der Champs-Elysees „schöne Jüdinnen der guten Gesellschaft" zu malen. Levy ist ein Charakter und man kann die Empfehlung des Großrabbiners Zadoc Cahn, durch welche die hiesige Ausstellung zu Stande gekommen ist, wohl verstehen. Man ist auch in Paris nicht so empfindlich, wie bei uns, wo Manche in der Zeichnung des Alten, der die Größe des Sabbattisches abtaxirt, oder in der Darstellung der dampfenden Knödel bei der häuslichen Abendfeier des Passahfestes etwas Satyrisches finden wollen. Die meisten von Levy dargestellten Scenen sind ungemein ernst. Aber Jeder, der unser gemüthvolles, jüdisches Leben kennt, wird es richtig finden, daß der Maler den Humor nicht ganz vergaß. Ein Meisterwerk von durchaus strengem Charakter ist die 1886 zuerst im Pariser Salon ausgestellte Zeichnung „Der Gebetriemen-Fabrikant." die heute Herrn Periovies vom „Figaro" gehört. Etwas in Rembrandtschem Helldunkel gehalten ist das Bild „Schiwoh Jörn im." Der alte auf einem niedrigen Schemel sitzende Mann init dem Käppchen „lernt," neben ihm sitzt die Frau in stummer Trauer. Rührend ist auch der Greis auf dem Bilde „Jahrzeit." Der von Jugend stets im orthodox-jüdischen Leben stehende Künstler brauchte keine direkten Synagogenstudien zu machen, und doch rvird man ihm keinen Schnitzer Nachweisen in seinen Bildern „Die Mesusa," „Misrach" (ein ganz in den Talis eingehüttter Beter steht am Oraun hakaudesch und betet vor), „Lehadlik ner schel Chanuka" u. s. w. Wie köstlich sind die beiden würdigen Greise, die sich in einer Pause während des Gottesdienstes mit einer Prise erquicken. Ehrwürdige Greise in Gebetkitteln — das erscheint Levy mit Recht als ein erhebenderer, würdigerer Vorwurf der Kunst, als die Pikanterien unserer modernen Ausstellungen. — Vieles muß dem Nichtjuden natürlich in diesen Bildern unverständlich sein, so die Zeichnung „Kapporoh" oder der Greis, der nachsieht, ob der ihm angebotene Eßrog koscher ist. Echt religiöse Stimmung athmet auch die von Levy in einem figurenreichen Bilde gebotene Darstellung einer Pause im Nachmittagsgottesdienste des Jom Kippur. Auf dem Schulhof erkundigen sich würdige Greise in weißen Kitteln bei einander nach ihrem Befinden, von drastischem Humor getragen ist die Scene an der Seite, wo junge Leute einander wegen des Fastens befragen, ein Knabe zeigt die Zunge, zum Zeichen, daß er noch nicht gegessen hat. A. Levy hat unser jüdisches Leben mit der Kunst eines Teniers und van Ostade dargestellt. Koblenz, 22. Juli. Eine eindrucksvolle Gedenkfeier am Grabe seines verstorbenen Kollegen und Freundes, Dr. M. Singer, veranstaltete heute Herr Rabbiner Dr. Plaut aus Frankfurt a. M. in An-

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