Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1901)
- Date
- 1901-07-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1274 nachhaltiger Antrieb für uns Menschen, im Ausbau der Kultur freiwillig das Lob des Schöpfers zu verkünden, die von ihm in einem einzigen göttlichen Augenblicke geschauten Ideale auszuleben und zu verwirklichen, gleichfalls in einem einzigen göttlichen Augenblicke, der ist aber auf Erden für menschliche Auffaffung eine Ewigkeit, die Weltgeschichte! So suchen wir denn jenen zweiten Trostspruch zu vernehmen. Doch dazu stimmen wir unsere Seele zu tieferer Andacht! Denn er weht uns aus der friedlich athmenden Natur selbst entgegen. Er birgt sich unter den Fittigen des leise säuselnden Windes, und die sonst rieselnde Quelle wird nicht müde, von ihm zu erzählen. Hat uns bis jetzt das Volkslied seine Weisheit zugewendet, so vernehmen wir nun das Lied des Brunnens. Aus seinen Wassern schallt es Antwort und im Rythmus seiner Wellen klingt es wieder. Vor diesem unermüdlichen Dichter der Natur stand einst unsere Ahnmutter Rebekka, und, da sie sich zu ihm neigte, um aus seinem unsterblichen Borne zu schöpfen, da sprang er ihr willig entgegen. Eine göttliche Stimme sagte ihr, erzählt der Midrasch, wie das Master ihr willig entgegen fließe in dem Bewußtsein, mit Freuden erwartet zu werden, so würde auch ihren späten Enkeln der Brunnen entgegenfließen, wenn sie freudig bereit wären, ihn zu empfangen. 7:2b ftrc nx rrspn nb 7vx xto n:vrt vvm 7?X"! 7X77!V> 7.*: rx ,'bv cnan -j?x X-L' pr nx nxn rwr rx bxne" i'v" tx in rb'v mn •vs pix ♦*xs Hx : rx*n Wohlan, dieses herrliche Symbol einer segens vollen Wahrheit möge uns umschweben, wenn der Blick aus die Entwickelung der Völker, auf das Werden der Weltgeschichte sich mit Thränen umfloren will, da ihm jede Seite im Laufe der Weltgeschichte Vergänglichkeit und Verfall zeigt. Es ist wahr, allzuwahr, in dem Kampf unseres Daseins schwankt die Beständigkeit nationalen Glückes, auf die klassischen Zeitalter, deren eines wir vorhin im Geiste wie die sieghaste Morgenröthe über der Jugend unseres Volkes Hereinbrechen sahen, auf die klassischen Zeitalter, wo die Tugend sich nicht schämt, am ärmlichsten Webstuhl zu spinnen und am kleinsten Herd sich zu wärmen, folgen solche des Verfalles. wo sie sich zu einsamen Geistern flüchtet. Es kommen Zeiten, wo das Große ausgestorben zu sein scheint auf Erden, wo der Mensch in zaghaftem Epigonenthum am weiteren Fortschritt verzweifelt. Welcher Jrrthum! Noch ist die Natur voll von Idealen, verlange nur nach ihnen, werde reis für sie, und Du wirst sie entdecken. Sie ziehen dich selbst mit der Kraft des Magneten an. In einem Bergesgrunde mag Jahrhunderte lang das Gold verborgen ruhen. Zahlreiche Geschlechter mögen darüber, nichtsahnend, hinwegschreiten. Kommt der Entdecker, so übt es seinen wunderbaren Bann. Die ganze Umgebung, die Formation, die Erdschicht, ie wecken in ihm ein Sehnen und Ahnen, i es wird zur systematischen Gewißheit, er ruht nicht, bis er zu seinem Schatz gedrungen, zu dem es ihn wie mit Naturgewalt zog. Wahre dir den seelischen Frieden und die sittliche Kraft zum Liede. Unendliche viel neue Ideen ziehen dich mit Zauberkraft an. Israel sei stark und zage nicht. Gesunde und ermanne dich. In der Athmosphäre deines Fühlens und Denkens harren mit Sehnsucht die Ideen, die dir neue glückliche Zeitalter bauen »vollen. Wie Rebekka einst das Wasser willig in den Krug folgte, da sic ihn neigte, so sprudelte Israel der Brunnen entgegen, sobald es für ihn bereit und seiner werth war, der Brunnen der Erkenntnis;, einst und stets. Fürwahr in einem herrlichen Bilde beschrieb uns unser Aaadahweiser jenes Naturgesetz, das den Zusammenhang zwischen physischem und geistigem Leben regelt. Er führt den Leser vor das tiefste Geheimniß der Natur, versucht, das ewig junge Fortwirken der Schöpfung mit den feinsten Organen seines Geistes als etwas Wirkliches wahrzunehmen. Er vermag das Räthsel nicht zu lösen. Wenn aber nun ein Jeder aus der ganzen Atmosphäre seiner Gedanken es fühlt, daß er aus dem Vorhof menschlicher Erkenntniß in das Heiligthum der Gottesnatur selbst eingetreten ist, so ist sein Zweck erreicht. Walte Natur, weihe den Wanderer, der sich so innig gemüht hat, der sich, wie einKind an der Mutterbrust, an deinen Busen warf, weihe ihn mit dem veredelnden Hauche deiner Kraft. Verkünde es selbst die Quelle, dieser Prediger in der Wüste, dem nach Wahrheit dürstenden, nach Hoffnung lechzenden Menschensohne, daß im Schoße der Zeiten unzählige Keime zu glücklichen Epochen verborgen liegen, daß sie alle wie Dornröschen aus ihren Erlöser warten, der sie aus dem schweigenden Nichts in das Reich des Lebens trage. — Diese unendlich vielen Keime sind es auch, die die geheimnißvolle Jugend unserer heiligen Lehre begründen. Sie ist nicht das Anhängsel, sondern die Spitze der Weltenpyramide! Und mit diesem Gedanken an die Unvergänglichkeit unserer Lehre möge unsere Trostesbetrachtung ausklingen. nicht ohne daß wir zuvor das frohe Gelöbniß erneut hätten, unseren Lebensmuth zu wahren, auf daß wir würdig seien, in der Natur, diesem Reiche der Hoffnung zu leben. Ja, Volk Israel, deine Lehre ist ewig alt und ewig jung. Mit jedem Tage fließen Dir neue Quellen der Erkenntniß zu. Jeden Tag gewinnst Du ihr neue Schönheiten ab, neue Seiten der Betrachtung. Wie die Pflanze jeden Morgen mit neuer Lust den Sonnenschein trinkt und sich in neuem Reize zeigt, so will die Erkenntniß von dir aufgesogen sein; sie zeigt dir jeden Morgen ein neues, farbenprächtiges Gewand. Alles Heute lebt dem Morgen, alle Gegenwart der Zukunft in der Natur und im Liede, ihrem Dolmetsch. Willst du nicht nüchtern dieses Leben gehen, lerne vom Liede. tx iex: xS wL" tx. Weitausschauend von hoher Warte ist das Lied. Es besingt nicht den