Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1901)
- Date
- 1901-07-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1272 Wachsen unseres Volkes überhaupt zu gewinnen und damit zugleich würdige Trostesgedanken zum na» * rv aufzufinden. Wie der erwachsene Mann in der Vollkraft seiner Jahre, umwogt vom Ernst des Lebens, sich freudig in seligem Träumen der Erinnerung zurückrettet in die frohen Tage seiner Kindheit, da das Leben noch heiteres Spiel war, so schaut auch der Volksgeist mit mächtigem Sehnen zurück in das goldene Zeitalter seiner Jugend. Mit zitterndem Herzen vernimmt er den Werdegang seiner Entwickelung durch die Weltgeschichte hindurch, wie sie ihm Sage. Dichtung u. Ueberlieferung darthun. Alle Lust und aller Schmerz der Vergangenheit klingen mit vielfachem Widerhall im Herzen des Volkes wieder. Denn dies Herz ist ewig von Natur aus auf die gleichen Seiten gestimmt, und der Griff des Schicksals weckt ewig die nämlichen, freudigen oder klagenden Akkorde in dem Gemütbe des Menschen. Glücklich das Volk, dessen geschichtliche Spuren in die weite Vorzeit zurückreichen. Wenn es die Lebensschicksale seiner Väter zugleich mit warmer Tbeilnahme nachfühlt und mit ernstem Sinne bedenkt, wenn es sich eins weist mit allem Grasten und Erhabenen seiner Ahnen, dann kann es dem Augenblick Dauer gebieten, der beständigen Flucht des Daseins trösten und ein Stück Ewigkeit erleben. Und doppelt glücklich unser Volk, dessen Geschichte früher und unmittelbarer vom erhabenen Glanze göttlicher Majestät widerstrahlt und vom beseligenden Hauchender Gottesnäbe durchweht und durchgeistigt wird. Gottverbürgt ist sein Adel als Diener und Lehrer der reinen Gottesidee, wie es der Vrovhet Moses aussprach in den schlichten schönen Morten: 'x 'Nr i'bx v-VN x -*“x *r* : "Sx ..Denn wo iss ein grosses Volk, dem Gott so nabe war. wie der Ewige. Gott, uns es war. so oft wir Jbn angerusen haben." Aber es genügt nicht, dass ein einzelner Geissesbeld allein, und sei es der grösste aller Menschen, die göttlichen Wahrheiten vrovbetisch erschaut und für lein Volk Ideale erkämpft. Das Volt selbst muss ssch seiner eigenartigen Kräfte, die geheimnissvoll in seinem Innern schlummern, bewusst werden und in allen seinen Gliedern von dem unvermeidlichen Streben nach den seinem Vermögen am dessen entsvrechenden vielen beseelt sein, dann erst bat es ein Recht, ssch Volk. Nation zu nennen. Diese Gedanken drückt Moses aus. wenn er feinem Volke zurust: ‘,*vrv» Gott Zürnte mir Euretwegen. Die Geschichte schritt über mich hinweg um des Volkes willen. Der Vorgang beim Hgderwasser. auf den bier Moses verweist, iss nicht nur bedeutsam um dessen Verschuldung willen, sondern will aufgefgsst sein als ein grosser schövserischer Augenblick, da das Volk angesschts der menschlichen Schwäche seines Rührers m seiner eigenen Selbstständigkeit angeregt wird, die es alsbald im Brunnenlied beweist. Die Versündigung Mosches heim Haderwasser und das Brunnenlied des Volkes haben einen viel innigeren Zusammenhang, als den Lutzerlichen, dast ste uns in einem Thoraabschnitt verlesen wurden. Wir wollen versuchen, ob die geschichtliche Ueberlieferung jenes erhabenen Momentes, das treue und dauernde Echo des historischen Ereignisses für jedes willige Ohr, auch zu uns nicht die Sprache des Buchstaben, sondern des Geistes redet, auf dast die solch' ernster Betrachtung geweihten Augenblicke, Kinder der nämlichen unendlichen Zeit, es besonders verdienen. Geschwister der damaligen genannt zu werden. Der Schriftvers, in dem die Thora über das Brunnenlied berichtet, lautet: ns ^x-L>- -ec" 7X ."6 w '^v rxrn-orrm Damals sang Israel dieses Lied: ..Herauf Brunnen! Singet ihm entgegen!" Wer fühlt hier nicht die schmerzliche Entsagung des grossen Propheten. Moses, der unsterbliche Sänger des Meeresliedes, verstummt und weist der bescheiden sliestenden Quelle nicht zuzuiubeln das nd ".39 Jiirwahr, sein Schweigen redet lauter, als jede Klage. Dem feinfühlenden Midrasch ist dieses Schweigen nicht entgangen. Es bemerkt v-x "v T-IEX’’» NL'2 xS D\“ bv dx*!L" HlCVt» XWZ xmis»r 3pww 1VV 1V1X a-ix bv w cvz xdx fvLvd dx-,L" oni *W> TX 18XÄ> 2Nvy MtWÖ ->vx -sv bv *a vnxb ^nx rtso*! :iöx i'S" tx ivx3S» *ix:n a^eix 'n ii2X3t^ rrw ->vxtr ö'b: tj*» toi» nvnd ybv ♦'UT?J33 TITJ'W Zur Zeit, als Israel ssch anschickte, das Meereslied zu ssngen, liest Moses nicht zu, dass es dies allein that, sondern, wie der Lehrer seinem Schüler einen Abschnitt vorspricht, so that Moses: denn es heisst: ..Damals sang Moses und die Kinder Israel." diese, wie der Schüler in die Worte des Lehrers einssimmt. Nach 40 Jahren aber, da waren sse selbstständig geworden, da begannen sse aus eigenem Antriebe das Brunnenlied; sse sagten: ...Herr der Welt. Dir obliegt es, Wunder für uns zu wirken, uns aber. Dir im Liede zu danken." wie es heisst: ..Der Ewige ist da zu meiner Hilfe, wir aber wollen Lieder ssngen all' unsere Lebenslage im Hause des Ewigen." Nicht umsonst sollte die vierzigjährige Wanderung der Israeliten durch die unselige, unheilvolle Müsse gewesen sein. Vierzig Jahre hat das Volk die Erziehung des göttlichen Vrovheten. die barte Schule der von Gott gesandten Gefahren und Leiden genossen. Bisher war Moses die Verkörperung des Volksgeisses gewesen, die Seele und das Gewissen der Nation. Aber mit jedem Schritt in der Müsse abnen die Israeliten mebr das Wunderbare ibres Daseins inmitten der feindlichen Naturaewalten, das Göttliche ihrer Sendung im Siege über die heidnischen Völker. Immer mebr fühlen sse es. lernen es einsehen: Die Gewalt der Elemente bricht ssch ohnmächtig an dem ehernen Millen des Schicksals, und aus ihrem Aluch must Segen