Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 58 (25.7.1901)
- Date
- 1901-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. M 88. Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von vr. Dehrnsmrr in Donnerstag, den 2 5. Juli 5661 (1961). Mr 3*mzi MÄvkr abonntrt man bei allen Postanstalten für die Monate August L September auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements» welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschütter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrLaer aufgegeben werden. VW" Die Briefträger sind berechtigt den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. Die Erpeüilion ües .Israelit." Leitender Artikel Israels Äki> l»> kr öntllt 11. kr Quelle 'lliitioort. Killt Vtttlllhtilllii Lttsttssabbllt. Von Nabbinatscandidat Israel Nobel—Gießen. Der Natur bestimmen eherne Gesetze im Kreislauf der Jahre unwandelbare Pfade. Zum Lobe des Weltenschöpfers ermattet die Erde nimmer, sich aus winterlicher Erstarrung und eisiger Trauer zu Lenzesjubel emporzuringen. Auch unser Gemüth feiert seine Jahreszeiten. Denn einmal sind wir Glieder der freien Natur, und ihr leises Weben und Walten, ihr trutziges Dräuen und Drängen, ihr Blühen und Welken, wie ihr Säen und Ernten weckt mit gleich sanftem oder machtvollem Wellenschlag Akkorde in der menschlichen Brust. Doch unabhängig von der Natur lebt unsere Seele ein geistiges Leben, das mit jener nur den Schöpfer gemein hat. Auch dieses ist mannigfaltigem Wechsel unterworfen. Da sind Stunden und Tage, in denen der Verstand nach Klarheit ringt, wie rüstige Wanderer, der eine schneller, der andere langsamer zum sonnenumwobenen Gipfel des Gebirges aufsteigen. Und wieder Epochen, in denen uns unser seelisches Gemüth beherrscht, das empfänglich für das Leid wie das Meer für den Sturm. Unsere heilige Lehre hat uns vorsorglich mit solchen beglückenden Sonnenstrahlen und auch — mit den aufregenden, reinigenden Stürmen versehen: Tage der Freude und solche der ernsten Selbstbesinnung, und die Geschichte hat auf diesen ebenen Pfad die Dornen zu streuen nicht unterlassen. Wir haben gerade auf unserem Pfade die Dornen überwunden. Es sind die Tage der Trauer, die die Geschichte mit dem Blute der Märtyrer in das Weltenbuch schrieb. Diese Schrift bleibt ewig frisch, solange noch die feuchte Throne der klagenden Nachwelt sie betaut. So wollen wir jetzt, da die Thränen der Trauer vom Sonnenstrahl der Hoffnung aufgesogen werden, der Morgenthau des Trostes unser seelisches Auge laben will, während die Flamme des national-religiösen Schmerzes für eine Weile zu stiller Wehmuth verglimmt, — jetzt wollen wir noch einmal das Buch der Geschichte aufschlagen, ob wir vielleicht die lebenwirkenden Keime aufspüren, die Wurzeln der Geschichte, die von der Vergangenheit in die Zukunft Hinüberwachsen, ob wir die ernste doch nicht trostversagende Sprache verstehen, die die Entwickelung unseres Volkes vernehmlich redet. Würdigen wir diesen Hang nachgeschichtlicher Vertiefung, der ja allen gebildeten Völkern eigen ist, zuvor turz im Allgemeinen. Schreiten wir dann, unserem eigenen inneren Drange nachgebend, zu einer frühen Epoche unseres Volkes, auf die der heutige Thoraabschnitt deutlich und ausdrücklich hinweist, weiter fort. Vielleicht, daß es uns gelingt, von diesem alsbald klarer hervortretenden bestimmten Ausgangspunkt aus einen ebenso liebevollen wie verständigen Einblick in das Werden und