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Der Israelit · 1901-07-22 · Heft 57 (22.7.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 57 (22.7.1901)
Date
1901-07-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1265 dacht gegen Jsraelski trotz dessen Freisprechung durch die gewiss nicht judenfreundlichen Geschworenen. Daß eine so unehrlich vorgehende Presse ihre Hetzarbeit immer noch mit einigem Erfolg sortsetzen kann, ist nicht gerade schmeichelhaft für die Leute, die sich von ihr leiten lassen. F-ranbfnrt a. M. Dem Beschluss der Stadtverordneten, die dortige Stadthalle allen politischen Parteien zu Versammlungen bereit zu stellen, ist der Magistrat nicht beigetreten und hat seine ablehnende Haltung wie folgt begründet: „Der Magistrat betrachtet es fortgesetzt als den obersten und unbedingt festzuhaltenden Grundsatz für unsere Gemeindeverwaltung, dass dieselbe thunlichst und jedenfalls, soweit es von ihr selbst abhängt, von dem politischen Parteigetriebe frei gehalten wird. Unser Parteiwesen hat Gegensätze von solcher Schärfe hervorgerusen, dass die Bekämpfung politischer Gegner vielfach äußerst unliebsame Formen angenommen hat. Dazu kommt, dass einzelne Parteien sowohl nach ihrem Programm als durch ihr thatsächliches Vorgehen das friedliche Zusammenwirken und die Gleichberechtigung aller Gesellschaftsklassen und Konfessionen ebenso wie wesentliche Grundlagen der staatlichen Ordnung mit schroffster Rücksichtslosigkeit gegen Andersdenkende angreifen. Für die Versammlungen dieser Parteien Säle bereit zu stellen, ist sicherlich nicht die Aufgabe der Gemeindeverwaltung. Es kann nicht ausbleiben, daß — wenn der Magistrat diesen Parteien einen Saal für ihre Versammlungen einräumte — weite Kreise der Bürgerschaft hierin eine Unterstützung jener Bestrebungen erblicken und an die Behörden mit dem Verlangen herantreten würden, in der Stadthalle keine Versammlungen zu dulden, welche eine feindselige und gehässige Bekämpfung einzelner Klassen oder Konfessionen zum Zweck haben. Die Hergabe der Stadthalle würde sonach nicht zum Frieden führen, sondern die ständige Gefahr seiner Störung und der, im Interesse der kommunalen Arbeit höchst unerwünschten Hereinziehung politischer Debatten in die Verhandlungen der Gemeindebehörden Hervorrufen." Beutherr i. O.-Schl., 13. Juli. Gestern Nachmittag 3 Uhr fand unter überaus zahlreicher Betheiligung von hier und auswärts die Beerdigung des am 10. dss. Mts., im Alter von 60 Jahren, verstorbenen Kaufnianns, Stadtrath und stellvertretenden Oberbürgermeister, Königl. Lotterie-Einnehmer Ignatz Lomnitz, Inhaber der hiesigen altrenommirten Firma A. Lomnitz Wttw., statt. Es betheiligten sich u. a. der Gesammt-Vorstand und das Repräsentanten-Kollegium der jüdischen Gemeinde (der Entschlafene bekleidete durch 17 Jahre ununterbrochen mit eifrigem, warmen Interesse das Ehrenamt eines Mitgliedes des letzteren Kollegiums), Deputationen sämmtlicher hiesiger Mildthätigkeitsu. Unterstützungsvereine, beide städtischen Körperschaften vollzählig, an ihrer Spitze der Herr Oberbürgermeister Dr. Brüning, die Schlltzengilde mit umflorter Fahne, die hiesige städtische Freiwillige Feuerwehr, sowie alle diejenigen, welche dem Dahingeschiedenen nahestanden, ausserdem fast sämmtliche Bürger hiesiger Stadt. Am Grabe schilderte Herr Rabbiner Dr. Kopfstein in bewegten und tiefempfundenen, wohldurchdachten, inhaltsreichen Worten das Wesen, Leben und so überaus segensreiche Wirken und rastlose Arbeiten dieses so allgemein be- und geliebten, hochgeachteten Edelmannes in des Wortes vollster und ganzer Bedeutung vom Scheitel bis zur Sohle. Die Rede machte auf alle Anwesenden einen tiefen, schmerzerfüllten Eindruck. Nach den ceremoniellen Gebeten wurde der Verblichene der Erde übergeben, wobei manche Thräne floß. Das Andenken des Gerechten gereiche uns zum Segen. Story. England. London. „Amerika für die Amerikaner" scheint auch der Wahlspruch der „United Hebrew" von Newyork geworden zu sein, welche vor einiger Zeit an den Vorsitzenden des Londoner „Board of Guardians" ein Schreiben gerichtet haben des Inhalts, das „Board" möge dock die „Herübersendung jüdischer Emigranten nach den Vereinigten Staaten einstellen." Der Brief wurde in der Monatssitzung des „Board" vom 8. Juli verlesen und hatte da die Wirkung eines Blitzes aus heiterem Himmel. Wie weit muß es schon gekommen sein, wenn selbst die vereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsvereine von Newyork keine jüdischen Emigranten mehr haben wollen! Wohin sollen die Zehntausende von armen Glaubensgenossen, die jahrein jahraus gezwungen sind, sich eine neue Heimath zu suchen, denn hin, wenn ihnen selbst das gastfreie Amerika seine Thore verschließt? Trotzdem schlug der Vorsitzende des „Boards," Mr. Leonhard Cohen, vor, den vereinigten Newvorker Vereinen die Erfüllung ihres seltsamen Wunsches ohne Weiteres zu versprechen. Der Vorschlag wurde jedoch allseitig bekämpft. Parlamentsmitglied Stuart M. Samuel schlug vor, die vereinigten Vereine um die Namhaftmachung derjenigen mittellosen Emigranten zu ersuchen, die das „Board" im letzten Jahre nach Amerika hinübergeschickt habe. Die Debatte wurde schliesslich vertagt, um dem Emigrationskomitee des „Board" Gelegenheit zu geben, sich mit der sensationellen Angelegenheit eingehender zu befassen. T. A r g e n t i n i e n. Buenos Aires«. Die kopflose Auswanderung russischer Juden nach Argentinien , welche trotz wiederholter Warnung von Seiten der „I. K. A." immer noch fortdauert, hat in Buenos Aires geradezu unhaltbare Zustände gezeitigt, welche das ganze argentinische Kolonisationswerk zu gefährden drohen. Seit zwölf Mo-

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