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Der Israelit · 1901-07-22 · Heft 57 (22.7.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 57 (22.7.1901)
Date
1901-07-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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.... 42. Jahrgang. Aeilage zu Jfs 57 Der neunte Aw. „Willst Du noch immer fasten Am Tag des neunten Aw? Laß' doch den Tempel liegen, Der schläft den Todesschlaf; Der wurde ja zertrümmert, C5*ott bat es selbst gewollt; Hast lang' genug gejammert, Ihm' manche Thrän' gezollt. Glaubst wohl das alte Märchen, Daß er einst neu ersteht? — Was soll Dein Fasten, Klagen, Dein Trauern, Dein Gebet?!" So spricht zu einem Greise, Der wohl schon achtzig Jahr', Mit milden, treuen Augen lind langem Silberhaar — Gin Jüngling, lebensfreudig, Von Kraft und Muth beseelt. — Der Alte hob den Finger — „Halt' ein, bis ich erzählt!" Gin Gleichniß will berichten Ich Dir aus alter Zeit, Vielleicht wirst Du begreifen Sodann mein Herzeleid: „Es war ein großer König, Gin Schmuck sein höchstes Gut, Den schätzt er hoch und heilig, Hält ihn in treuer Hut. llnd als sein Sohn erwachsen, Da rief er ihn zum Thron, Reicht ihm den Schmuck und warnt ihn: Behüte ihn, mein Sohn! Er spendet Heil und Segen Und Frohsinn, Frieden, Glück, Bleibt treu aus jedem Pfade, In jeglichem Geschick. Sein lichter Glanz ein Spiegel Stets Deiner Tugend sei, Sein Schein sei Deines Herzens Getreustes Konterfei. des „Israelit". D'rum wahre Dir Dein Herze, Daß nicht der Schmuck erzählt: Du seift vom Weg gewichen. Den ich für Dich erwählt!" „Dein Wort, es sei mir heilig, Glaub', Vater, Deinem Sohn, Stets mög' das Kleinod leuchten, Das sei mein schönster Lohn!" Der Sohn, ein Schatzbaus bauet, Das nimmt das Kleinod aus, Und Jahre zieb'n vorüber Iw steten Zeitenlauf. Doch was er auch versprochen, Gr hat es nicht erfüllt, Der Schmuck ward bald beflecket, Dem Segensfüll' entquillt. Der König hat's vernommen — Und aus dem Vaterhaus In unbekannte Ferne Weist er den Sohn hinaus. „Du hast Dein Wort gebrochen, Das Du mir zugesagt. Du kehrest nimmer wieder, - Bis jener Morgen tagt — Da fleckenlos erscheinet Der Schmuck in Deiner Hand, Der Dich begleiten möge Beim Zug in's fremde Land. Wenn Du Dich selbst bezwungen Auf mühevoller Bahn — Und Frieden Dir errungen, Dann sieh den Schmuck Dir an. Und glänzt auf's Neu' er wieder Gleich gold'nem Sonnenschein, So komme zu der Heimath, — Du sollst willkommen sein!" Das Schatzhaus riß man nieder, Und in die Welt hinaus Zog nun der Sohn, doch nimmer Kehrt er zum Vaterhaus." — Hier hielt der Alte inne, Den Jüngling schaut er an — „Kennst Du dies alte Märchen, Vorschneller, junger Mann?

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