Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 57 (22.7.1901)
- Date
- 1901-07-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1262 Gott haßt Grausamkeit und zu ihm schreit das vergoffene Blut. Hör auf!"- Mit einem Schrei erwachte die Herzogin, und so lebhaft war die Wirkung des Traumes, daß. nachdem sie schon erwacht war, sie noch immer die drohenden Augen des Sohnes zu sehen glaubte. Das Erste war, daß sie schnell den Befehl zurücknahm und dann den Entflohenen erlaubte, zurückzukehren und ruhig im Ghetto weiter zu wohnen, wie vordem. Rabbi Jsak, der wie ein treuer Feldherr sich nicht entfernen wollte, bis Alles sich gerettet hatte, empfing vom Kanzler selbst die glückliche Nachricht ihrer Rettung, der sich nicht nehmen laßen wollte, sie selbst, als der Erste in's Ghetto zu bringen. Rabbi Jsak veranstaltete einen Festtag für dieses wunderbare Ereigniß, der Jahrhunderte lang in Tyrnau fortbestand zur Erinnerung der spätesten Enkel. Seit dieser Zeit genossen die Juden in Tyrnau immer mehr Freiheiten. Der Sinn der Herzogin hatte sich völlig verändert. Sie wurde milde und duldsam gegen ihre jüdischen Unterthanen. Sie erlaubte ihnen nach und nach außer dem Ghetto zu wohnen und frei und unbehelligt ihrem Gewerbe nachzugehen. Zehn Jahre regierte sie noch und bevor sie starb, schickte sie um den Rabbi Jsak und bat ihn um Verzeihung wegen all' der Unbilden, die sie ihm und seiner Gemeinde zugefügt. Der nun neunzigjährige Greis verzieh ihr alles. Sie hatte es ja theilweise gut gemacht und er hatte sich doch auch gegen sie vergangen. „Ist Euer Schwiegersohn bei Euch?" fragte sie ihn, und als er bejahte, bat sie ihn inständig, den jungen Mann zu ihr zu bringen. „Ich will ihn doch noch ein- Der „Israelit" erscheint wöchentlich z w e i in » I , Montags nnd Donnerstags, jedesmal t» mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 5 Mart ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Ma» abonnirr ganzjährlich, halbjährlich od,r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch V. Iss. Steinacker, Leipzig, Notzplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reicks-iKart oder 16 Kronen österr.. für'S Ausland iS Mark, an die Expedition franco einscnden. Postzeitungsliste 5702 Telephon 515. Sine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuscripte findet nicht statt, man dittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Gtellensuchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen laug gratis und fraueo zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionSbetrags an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Eicho?! Zeitungsnachrichten uns Korrespondenzen: Demscliland: Berlin. Köln. Rostock i. W. Straßburg Desterr.cklng. Monarchie: Plag. Haliez. Frankreich: Paris. Rußand: Ddena. — Mittheilungen aas den jüdtschen Armenveretnen^und für dieselben: Pfeddcroheim. — Feuilleton: Der Prinz von Tyrnau. (Schluß.) Inhalt der Beilage: iAedicht: Ter neunte Aw. — Zeitungsnachrichten and Eorrefpondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Benthen i. O.-Schl. England: London. Argentinien: Buenos AireS. Ehina: Shangai. Extra-Beilage: Svenden-Verzeickintsfe Verantwortliche Redaction Cccar Lehmann in Mainz — Expedition des „Israelit", Schottstraße '.Kr. 2, Mainz. Druck nnd Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei Actien Gesellschaft in Mainz. mal sehen, der die Züge meines Sohnes trägt," sagte sie, „daß ich mich an seinem Anblick erfreue." Ties erschüttert brachte der Rabbi den Sohn zur Müller, und der junge Mann saß zu Häupten der Sterbenden, und erleichterte ihr die letzte Stunde durch zärtliche, tröstende Worte, durch Worte, wie sie ein erschüttertes Kindesherz einer sterbenden Mutter bringt. „Er gleicht ihm ganz," war ihr letztes Wort. In dem Vermächtniß, das der Nachfolger empfing, stand unter Anderem, die Juden milde nnd menschlich zu behandeln, und nie ihre Rechte und Freiheiten anzu tasten. — Prinz Emrich, der Jude, lebte noch lange Jahre in Tornau, verehrt wegen seiner Herzensgute, seines Edelmnthes, geachtet Ivegen seiner Frömmigkeit und seines segensreichen Wirkens in der Gemeinde. Die Liebe zu Hanna war und blieb die einzige Leidenschaft seines Lebens; sie erfüllte eben so tief nnd innig sein Inneres am Abend, wie am Morgen seines Lebens. Wochkn-Unlcnöer. Donnerstag, 25. Juli. 9. Ab., zng 'ü. Fasttag-Augang tu Mainz tt Frankfurt n. M. 9 Uhr 20 Min. Freitag, 20. Juli. 10. Alv, Sabbat-Anfang in Mainz u- Frankfurt a. M. 7 Uhr 40 Min. Samstag, 27. Juli, 11. Aw, iiin: 'üt ,i:nnNi, SabbabAusgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr l.r> Min. — Berlin s Uhr 5<» Min — München s Uhr 45 Min. Hannover 9 Uhr I I Min. — Stuttgart 9 Uhr >>:; Min. — Prag Uhr 45 Pi in. — Straßburg 9 Uhr 05 Pi in. Posen S Uhr 51 Pi in. Hierzu zwei Beilagen