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Der Israelit · 1901-07-22 · Heft 57 (22.7.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 57 (22.7.1901)
Date
1901-07-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1261 tig gewesen zu sein. Außerdem habe Herr Lehmann für ihn im „Israelit" Folgendes annoncirt: Ein tüchtiger Ehasan und Schochet, mit guten Referenzen, sucht für die Saison Stellung in einem Badeorte. Offerten unter 6262 an die Geschäftsstelle diesem Blattes.^) Wir hatten also den Mann engagirt und nachdem er uns vorgab, er müsse seine Sachen in Köln holen, 20 Marl Vorschuß gegeben. Bis Dienstag, den d. Bits.. nwllte er wieder zurück sein. Er ist aber vis jehi noch nicht lviedergekommen. Wir bitten Sie deßhalb, die jüdischen Gemeinden vor diesem Jndividuuin zu voarnen und event. nach demselben zu sahn den. 6'* iü ein Mann von mittlerer Figur, hat dunkles Haar, rötblichen Boklbart, trägt ein Pincenez unb ist bekleidet mit graukarrirtem Rock und Weste, nebst sch'.narzer Hose. Derselbe ist ungefähr 27 Jahre alt. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: Leo L e v p o l d. Feuilleton. Der Erbprinz von Tyrnau ^tftovircOc Wooett'e non Caroline Deutsch. »I (Schluß.) „Laßt wenigstens diesen Greis frei aus Eurem Palaste gehen," lvagte der Kanzler noch zu bitten, „und beginnt nicht das Morden mit einem achtzigjährigen Greise. Ich bitte Euch darum, als den Lohn meiner langjährigen Dienste!" „Es sei, da Du so viel Antheik an ihm nimmst. Führe ihn heraus und übergib ihn den Heiducken, die ihn brachten." Doch der Kanzler geleitete selbst den wankenden Greis aus den gefährlichen Mauern und verließ ihn nicht bis zum Ghetto, wo er ihm noch den Vorschlag machte, steh mit seiner Familie in seinen Palast zu begeben., von loo er ihn durch treue Diener sicher aus der Stadt bringen lassen wollte. Dies gerührt und mit Thränen in den Augen dankte ihm der Rabbi für sein *) ,6u uns kommen sehr häufig Durchreisende, die um kostenlose Aufnahme eines Inserats bitten. Die Bitte wird meistens gewährt und zwar sehen die Betreffenden das Inserat selbst aut oder lassen sich solches von einem Bureaubeamten entwerfen- Wahrscheinlich hat der in Rede Stehende von dieser Einrichtung ebenfalls Gebrauch gemacht, kieineSsallö hat Re Redaction für ihn irgendwelches Inserat aufgegeben. Red. d. Jsr. edelmüthiges Handeln und — lehnte es ad; wo seine Gemeinde war, dort wollte auch er sein und Alles mit ihnen tragen. Der Befehl zur Ermordung der Juden wurde noch am selben Abend allen Behörden ausgefolgt und am Morgen sollte das blutige Spiel beginnen. Da rettete Gott durch ein wunderbares Ereigniß die Tyrnaner Judengemeinde. Am frühen Morgen erwachte die Herzogin, bleich und verstört. Das Erste, was sie that, war, daß sie Eilboten nach allen Richtungen ihres Landes sandte, um den unglücklichen Mordbefehl zurückzunehmen und unter Drohung der Todesstrafe wurde verboten, die geringste Gewaltthätigkeit gegen die Juden vorzuuehmeu. Das Gemüth der harten Frau war völlig verwandelt. Welches Wunder hatte diese ungeheure plötzliche Verwandlung herbeigeführt? Einer jener geringfügigen Vorfälle, die, wenn sie iin gewöhnlichen Leben eintrefsen, kalt und unbeachtet an uns vorübergehen, in bewegten Zeiten, bei gewichtigen Ereignissen aber tief eingreifend wirken, dem Ganzen oft einen Umschwung geben. Es war ganz einfach ein Traum, und dieser erschiitterte die Seele eines harten, grausamen, abergläubischen Weibes. Das einzige Gefühl, durch welches sie mir der Menschheit noch zusammenhing, das mütterliche Gefühl batte im Traume gewirkt! Lange konnte die Herzogin in jener Nacht nicht einschlasen. Die Erregungen des Tages jagten den Schlummer von ihren Augen. Endlich schlossen sich doch die ermüdeten Augenlider und ein wunderbarer Traum umfing sie.-— Aus einer großen Wiese flössen drei Blutströme und sie stand aus der Wiese und ließ den vierten graben, der sich ebenfalls mit Blut zu füllen anfing. Da fühlte ße sich plötzlich von einem Arme umschlungen, sie wandte sich um und sah in das Gesicht ihres Sohnes. „Wo hast Du so lange geweilt? und warum bist Du so bleich und traurig?" srug sie ihn. „Ich bin tobt," sagte er, „kann aber nicht im Himmel leben. Deine Sünden vertreiben mich von dort, Du hast zu viel Blut vergossen. Sieh'!" fuhr er fort und zog einen Vorhang weg. Da sah sie den Himmel strablend, van Millionen Sonnen durchwirkt. Auf dem Throne saß Gott, in der einen Hand hielt er gegen die Erde geneigt die Palme des Friedens, mit der anderen zeigte er zürnend ans hochragende Leichenhaufen. Und alle die Gemordeten und Hingeschlachteten trugen die Züge des Rabbi Jsak, sie sah es deutlich, überall starrte ihr das blasse, ehrwürdige Gesicht des Greises entgegen, von Wunden entstellt, lind diese Alle hatte sie gemordet. Der Geist des Sohnes aber sprach drohend und nach dem zürnenden Herrn zeigend: „Laß ab, laß ab.'

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