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Der Israelit · 1901-07-22 · Heft 57 (22.7.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 57 (22.7.1901)
Date
1901-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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WWWW 1257' Zeituttgsnachrichterr und Correfporrdenzen. Deutschland. Berlin, 17. Juli. Die „Kreuzzeitung" schreibt: „In einigen Blättern antisemitischer und auch konservativer Richtung sind mehrfach Andeutungen gemacht worden, als handle es sich bei dem ganzen Krach von Dresden und Leipzig um einen planmäßigen Feldzug der Berliner Haute Banque gegen eine antisemitische Konkurrenz. Belveise hierfür sind nicht erbracht worden lind UNS selbst sind keine Thatsachen bekannt, die einen solchen Zusammenhang wahrscheinlich machen. Auch den anderen, milderen Vorwurf halten wir für unangebracht, daß die Berliner jüdische Hochfinanz nichts zur Rettung der durch Mißwirthfchaft und Verbrechen in Verfall gerätsenen Gesellschaften gethan habe. Genau genommen trifft diese Behauptung nur bei der Kasseler Trebertrocknungs-Gesellschaft zu, während die anderen Institute thatsächlich durch das Eingreifen der Haute Banque vor dem Konkurs gerettet worden sind. Die Kasseler Gesellschaft aber war unter keinen Umständen zu retten, und damit war auch der Verfall der Leipziger Bank bewiesen, die fast das Doppelte ihres eigenen Aktienkapitals in jenem Winkelunternehmen festgelegt hatte. Wenn man eine politische Rußanwendung ziehen will, so kann es nur die sein, daß auch eine zur Schau getragene politische Färbung keine Gewähr bietet für gänzliche Zuverläßlichkeit. Wir bedauern, daß hier Männer in autoritativen Stellen, daß in Sachsen Regierungskreise, wohlthätige Stiftungen und viele hochangesehene Personen sich in weitgehender Gutgläubigkeit haben täuschen lassen. Wir müssen aber wiederholt darauf Hinweisen, daß es sich dabei nur um die geschäftlichen Verfehlungen Einzelner handelt, gegen die es keinen wirksameren Schutz gibt, als das gesunde Mißtrauen in allen Geldangelegenheiten." Die Redaktion der „Frankfurter Zeitung" bemerkt hierzu: „Es ist bemerkenswerth, daß ein Blatt, wie die „Kreuzzeitung," in so entschiedener Weise andere konservative und antisemitische Blätter abschüttelt, die es fertig gebracht haben, aus den finanziellen Katastrophen der letzten Zeit Angriffe gegen die sog. „jüdische Hochfinanz" herzuleiten, obgleich die letztere, oder was darunter verstanden wird, mit keiner der betroffenen Anstalten in Zusammenhang zu bringen war. Noch lächerlicher war natürlich die Idee einer förmlichen Verschwörung dieser Finanz, und diese Lächerlichkeit ist wohl mit ein Beweggrund für die entschiedene Abfertigung, welche die „Kreuzztg." hier den ihr politisch nahestehenden Blättern wie „Reichsbote" und ähnlichen zu Theil werden läßt." Köln, 16. Juni.*) Heute beging der Schochet der hies. Religionsgesellschaft Adaß Jeschurun sein 25jähriges Amtsjubiläum. Ohne Gepränge und Geklänge, wie es sonst bei derartigen Gelegenheiten besonders in der neuesten Zeit verdienter und unverdienter Weife üblich ist, wurde der Ehrentag des Herrn I. Schönb a ch in Stille gefeiert. So aber entsprach es auch dem ganzen Fühlen und Denken des bescheidenen Mannes, dem in ungekünstelter Achtung und Werthschätzung die Herzen der Gemeinde-Mitglieder zugethan sind. Das ehrwürdige geistige Oberhaupt der Adaß Jeschurun, Herr Rabb. Dr. Plato, verlieh dem Jubilar den Chower-Titel und der Gemeinde-Vorstand überreichte dem Gefeierten ein bescheidenes Ehrengeschenk mit einer Adresse. Es verschlvand so das kleine Fest des kleinen Kreises der Gesetzestreuen hinter einem geräuschvolleren, das der größere Theil der jüdischen Bürger unserer Stadt beging. Aber gerade dieser Kontrast weist den bewußten Jehudi wieder auf die Erscheinung in der Weltgeschichte hin, daß die Wahrheit sich ruhig in das Gewand der Bescheidenheit hüllen darf; sie weiß, daß ihr der Sieg gehört und auf sie die Zukunft sich gründet. Rur „dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze." Er muß darum die Gegenwart sich zu erhaschen suchen. Und wenn „sie nicht willig, dann braucht er Gewalt." Nebenbei ein geeignetes Motto für das Programm vieler Jubiläumsfeierlichkeiten der Gegenwart. Die Vertreter des Wahren aber finden ihr Genüge in ihrem Wirken, von dessen Hoheit sie erfüllt sind und können ruhig auf jede Aeußerlichkeit verzichten. Der von der Adaß Jeschurun verkörperte Gedanke der Wahrheit hat seinen entsprechendsten Ausdruck in der Form dieser Feier gefunden. Möge es der Religionsgesellschaft vergönnt sein, durch beharrliche Konsequenz langsam und sicher die Läuterung der Begriffe zu erzielen, und die Verwirrung derselben, die Vernichtung von Wahrheit und ihrem Gegensatz als eine Täuschung begreifen zu lassen, welche nur von einer Welt erzeugt ist, in der Geld, Macht und Ehre dominiren. Unserem Jubilar aber rufen wir zu nte ncs “i2" bv daß er weiter ein unerschrockener Vorkämpfer der Wahrheit in dem Kreise seiner Wirksamkeit bleiben und sich noch recht lange Jahre der Kraft zur Ausübung seines heiligen Berufes erfreuen möge! Rostock i. W., 17. Juli. Auf dem deutschen Fleischerverbandstag fanden, wie schon kurz berichtet, lebhafte Auseinandersetzungen über die Schächtfrage statt. Nietschmann-Leipzig befürwortete folgenden Antrag des Bezirksvereins Königreich Sachsen: „Der Deutsche Fleischerverband möge durch Petition an die Reichsregierung, oder in sonst geeigneter Weise, Schritte unternehmen, daß das bisher nur im Königreich Sachsen erlassene Verbot des Schächtens auch auf die *) Durch Versehen der Red. dss. Bl. leider verspätet.

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