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Der Israelit · 1901-07-18 · Heft 56 (18.7.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 56 (18.7.1901)
Date
1901-07-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1240 Hettungsnachrichteu und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 17. Juli. Bezüglich des in jüngster Zeit aufgetauckten Zweifels am Kaschrus der Oelsardinen, theilt uns Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Schiffer in Karlsruhe mit, daß er sich über diese Frage bei einem Gewährsmanne in Marseille erkundigt habe. Nach dieser Information kommen wohl einige Fabriken in Frankreich vor, die verbotenes Fett mit verwenden; doch gebrauchen folgende sieben Fabriken nur reines Olivenöl: M. Amiene & Cie. in Chantenay b. Nantes, Victor Terrais in Nantes, Sauquet in Nantes, Flon in Nantes, Pellier freres in Mans, Fils de CH. Teyssonneau in Bordeaux, Rodel et Fils freres in Bordeaux. Es ist darum beim Kaufen von Oelsardinen dringend Vorsicht geboten und auf die Bezugsquelle streng zu achten. Berlin, 15. Juli. (DerKaiser undHerr B a l l i n.) In der „Zukunft" lesen wir: „Hat der Kaiser zu Herrn Ballin gesagt, es schade nicht, daß der Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie Jude sei? Herr Ballin verneint, die Tante „Voß" bejaht dieFrage. Es handelt sich, wie jeder merken muß, um keine Kleinigkeit. Damit in der Sommerstille der Streit nicht zur Staatsaktion werde, sei hier verkündet: nicht zu Herrn Ballin, sondern zum Admiral Hollmann, der ihm den Generaldirektor vorstellen wollte, hat der Kaiser die den Antisemiten so unangenehmen Worte gesagt." Rostock, 17. Juli. Der hier tagende deutsche Fleischertag lehnte mit großer Mehrheit den Leipziger Antrag ab, die Einführung eines allgemeinen Schächtverbots bei der Reichsregierung zu beantragen. HeidingÄfeld, 17. Juli. Montag, den 29. Juli, Vormittags 9 Uhr, findet im Saalbau des Hotel Goldschmidt in Würzburg die 22. Generalversammlung des „Israelit. Lehrervereins für das Königreich Bayern" statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Begrüßungen. 2. Berichterstattung des Vereinsvorstandes. 3. Festsetzung des Unterstützungtheils. (Paragraph 10 der Satzungen.) 4. Neuwahl der Verwaltung. 6. Vorträge: 1) Die Thätigkeit des Lehrers für kulturelle Bestrebungen innerhalb der Judenheit, insbesondere für Erweckung des Interesses für Handwerk und Bodenkultur; Referent N. Blatt-Obbach, Korreferent: I. Wähler-Holstein. 2) Der jüdische Schreibunterricht; Referent: S. Blumenthal-Rimpar. Die Herren Kollegen werden ersucht, die Versammlung recht zahlreich zu besuchen und auch die außerordentlichen Mitglieder und Gönner des Vereins hierzu einzuladen. Die Verwaltung: H. Goldstein, Vorst. A. Mandelbaum, Schriftführer. O e st e r r. - U n g . Monarchie. Lemberg. (Volkszählung.) Nach den jetzt bekanntgegebenen Feststellungen der vorjährigen Volkszählung leben in Galizien unter insgesammt 7,317,033 Einwohnern 810,845 Juden, d. i. 11 pCt., während es vor zehn Jahren 770,469 unter 6,607,816 =- II1pCt. waren. Während unsere Glaubensgenossen sich von 1890—1900 nur um 5(J pCt. vermehrten, hat die christliche Bevölkerung Galiziens um 10 pCt. zugenommen. Der Grund liegt vorwiegend in der Auswanderung, welche auf mindestens 40,000 Köpfe geschätzt werden kann. Rußland. Kiew. (Aufnahme in den Universitäten.) Die Hoffnung vieler russischer Juden, daß die von dem neuen Minister für Volksaufklärung, dein General Wannotvski, eingeleiteten Reformen des gesammten russischen Unterrichtswesens auch ihnen etwas Gutes bringen werde, hat sich einstweilen als trügerisch eriviesen. Aut dem schwarzen Brette der Kiewer Universität prangt auch in diesem Jahre die alte für die jüdischen Abiturienten niederschmetternde Bekanntmachung, laut welcher Juden zum Studium an der Wladimir-Universität zu Kiew zugelassen werden, wenn sie 1) ein Reisezeugniß aus einem Gymnasium des „Lehrbezirks Kiew" oder des „Kaukasus" besitzen; 2) ihre Zahl darf 10 pCt. aller Studirenden dieser Universität nicht übersteigen; 3) Dieser Prozentsatz wird nicht nach der Studentenzahl der gesammten Universität, sondern nach der der „einzelnen Facultäten" berechnet. Letztere Bestimmung ist eine Härte, welche die Juden um so schwerer trifft, als die jüdischen Studenten, denen jede andere Laufbahn in Rußland so gut wie gänzlich gesperrt ist, thatsächlich nur noch Medizin studiren. Würde die Gesammtzahl der aufzunehmenden jüdischen Abiturienten sich nach der Zahl „aller" auf der Kiewer Universität studirenden Nichtjuden, unbekümmert um die Vertheilung auf die einzelnen Fakultäten sich richten, die Zahl der jüdischen Studenten der Medicin könnte eine sehr große sein. Durch die rigorose Berechnung des Prozentsatzes nach Facultäten wird die Anzahl der dem Studium der Medicin obliegenden Juden auf nur zehn pCt. aller Mediziner beschränkt, während die übrigen Facultäten so gut wie „Judenrein" bleiben. Es muß hervorgehoben werden, daß die Berechnungsart nach Facultäten, durch welche die Zahl der zum Universitätsstudium zuzulassenden jüdischen Abiturienten noch auf weit unter 10 pCt. herabgedrückt wird, eine völlig willkürliche ist. Es ist das eine absolut ungesetzliche Interpretation des betreffenden Maigesetzes und ein Kniff, der durch

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