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Der Israelit · 1901-07-18 · Heft 56 (18.7.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 56 (18.7.1901)
Date
1901-07-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1338 tcn in unserem ©fyetto zu lassen. Wir verlangen ja nichts mehr, als den kleinen, gedrückten Raum, in dem vielleicht nicht einmal Thiere leben könnten." Das Herz dieses Weibes kannte kein Mitleid, je mehr der Greis durch seine Würde, durch sein edles Benehmen sich erhob, desto größeren Grimm faßte ihr Herz. „Du hast es gewagt, unserer Religion zu spotten, -Dein Leben ist verwirkt," sagte sie zu ihm. „Durch die Rettung einer Jüdin habe ich meinen Sohn verloren, denn Gott nahm ihn mir zur Strafe. Mein Alter ist öde und trostlos geworden. Euer Anblick ist unserm Gotte ein Gräuel und er straft mich, weil ich Euch dulde. Ich will Buße thun. Bis morgen Mittag darf kein Jude mehr in meinem Lande weilen, flieht oder laßt Euch taufen, denn morgen Mittag wird das Ghetto angezündet, mein Volk wird eindringen und was lebt, wird vernichtet. Jetzt entfernt Euch, es ist mein letztes Wort." Bei Anhörung dieses schrecklichen Entschlusies wankte der Greis, Todesbläste überzog sein Gesicht und er lehnte sich ohnmächtig an die Wand. Rach einiger Zeit erhob er sich wieder und richtete die Augen nach aufwärts. „Herr des Himmels, erbarme Dich unser und halte Deine Hand über uns," betete er laut in unaussprechlicher Herzensqual, „denn bei Menschen ist keine Hülfe, kein Erbarmen." Dann wandte er sich zu der Herzogin und sagte mit erhobener tiefergreifender Stimme: „Herzogin von Tyrnau! Dreimal während Deiner Regierung ist das Blut meines Volkes geflossen, dreimal hast Du Plünderung und Mord unter uns geschickt. Nach Tausenden zählte einst die hiesige Gemeinde, jetzt zählt sie kaum nach Hunderten. Kein Erbarmen kennt Dein Herz. Doch höre mich: Wenn Du ruhig in Deiner Sterbestunde auf die Gräuel zurückblicken wirst, die Du angerichtet, wenn Dein Herz nicht zittern wird, so gebe ich D i r Recht, so hast D u gewonnen!" Empört über diese unerhörte Kühnheit sprang die Fürstin, ihrer Sinne nicht mehr mächtig, vom Sitze auf: „Hund, niedriger Hund von einem Juden," keuchte sie. „Von meinen Hunden laste ich Dich zerreißen, daß sie Dein graues Haupt in dem Kothe herumzerren!" — Jetzt erhob sich der Kanzler, der ein stiller Zuschauer dieser Scene war, und stellte sich der Fürstin >n den Weg. „Das werdet Ihr nicht thun, hohe Herrin!" sagte er fest. „Kommet zu Euch und lastet Euch nicht zu weit von Eurer krankhaften Gemüthsstimmung Hinreißen! Hört auf mich!"- „Wie, Batyani, Du wagst?- „Ihr wißt, daß ich Euer treuer Diener, daß ich ein treuer Sohn der Kirche bin. Lasset ab, hohe Frau, ich bitte darum! Lastet die armen Leute in ihrem Ghetto weiter hausen. Sie leben ja so elend, daß der Tod ihrem unsicheren Leben vorzuziehen ist. Sollen Alle die unglückliche Aehnlichkeit eines von ihnen mit Eurem Sohne so schwer büßen?" „Schweig!" rief sie mit düster glühenden Blicken. „Ich ahne etwas Entsetzliches. Umsonst hat Gott diese täuschende Aehnlichkeit einem Juden nicht gegeben, umsonst hat er mich nicht in's Ghetto geführt, um mich es sehen zu lasten. Er hat mir dadurch deutlich gezeigt, daß nur den Juden, ihrem verfl. . . . Weilen in meinem Lande dieses- Unglück zuzuschreiben ist. Gott hat mich gestraft, weil ich seine Feinde in der Christengemeinde duldete. Und wer weiß, was mir noch beschieden ist, wenn ich nicht Buße thue. Darum schweige! Nichts wird mich in meinem Entschlüsse hindern. Gleich werde ich den Behörden den Befehl geben lasten. Bis morgen Mittag darf kein Jude mehr in Tyrnau sein." (Schluß folgt.) Der „J-raelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag« and Donnerstag«, jtbeftm«! te mindestens zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährllch. halbjährlich od.r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V Zf. Stein arker, Leipzig, Notzplatz jb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reelametheil 75 Pfennig. — Directe Francozrstendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'S ÄuSlarw IS Marl, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 315. Line Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuscripte findet nicht statt, «an bittet deshalb» fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalte«. Stellensnchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und franeo »«gesandt. Ebenso stunde« wir auf Wunsch die Zahlung des Jnsertionsbetrags an anher Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: sHauptblatt): Leitender Artikel: Rabbiner Dr. Münz und die „Korrespondenz des Bundes der Landwirihe". Zeitungsnachrstbten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M- Fürth. Aus Baden. Oesterr. Ung. Monarchie: Wien. Schweiz: Argau. Rutzand: Jekaterinoelaw- Türkei: Constantinopel. Personalien: Gerolzhofen. Neckarbitchossheim. Lissa i. Pos. — Feuilleton: Der Prinz von Tyrnau. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Eine Bemerkung zur ersten nrp. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Rostock. Heidingsfeld. Oesterr-Ung. Monarchie: Lemberg. Rußland: Kiew. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Tie jüdischen Ackerbaukolonien in Argentinien. - Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Leipzig. Extta-Beilage: „Sprüche der Väter." Verantwortliche Redaction üscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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