Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 56 (18.7.1901)
- Date
- 1901-07-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1237 Dürftige war. Galt es, Chesed schel Emes zu üben, so '. Itmr er stets zur Stelle, wie er auch bis zu seinem Tode; Verwalter des Vereins „Gemilus chesed schel Emes - unserer Gemeinde war.! Möge der Allgütigc der trauernden Familie Trost spenden ob des schmerzlichen Verlustes. R.! Lissa i. Pos., 16. Juli. Vor einigen Tagen oer! schied Hierselbst im Greisenalter von 81 Jahren der! frühere Großkausmann und jetzige Rentier Herr Abraj ham Wolf Goldschmidt, Begründer der seit , mehr als 60 Jahren hier bestehenden Manufaktur j und Eonsektions Engros Firma A. W. Goldschlnidt. j Die jetzigen Inhaber derselben sind die zwei Söhne des «Entschlafenen, die Herren Siegnnlnd und Alexander j Otoldschmidt. Dem rastlosen, unermüdlichen Arbeiteil des Entschlafenen, in Oieineinschast mit den beiden Söhnen ist cs gelungen, das Etablissement auf solche .Höbe zu bringen und auf derselben zu erhalten. Der Verblichene, aus alter, hiesiger Talmud Ge lehrten Familie stammend, leistete auch mtf diesem Ge biete Ausgezeichnetes. Er gehörte lange Jahre hindurch dem Repräsentanten-Kollegium hier als eifriges und thätiges Mitglied an. Leicht sei ihm die Erde. Feuilleton. Der Erbprinz von Tyrnau Kistorischc Wovekte von Karoline Deutsch. 81 Wir werden so oft hingeschlachtet und hingemordet. daß wir schon milde sind, nach der Ursache zu fragen," erlviederte der Greis ruhig, aber mit ergreifendem Ausdruck. „Wir sind in Gottes Hand, und wie cs Ihm gefällt, also sei es." „Mir ist in Eurem verfl. . . . Tempel schlecht gelvordcn und das soll Euch Verderben bringen!" „Gnädige Regentin! Dieser Vorfall hat uns Alle tief betrübt. Doch können wir dafür? Seid Ihr mit unfern, Wissen hingekommen? Hätten wir überhaupt je gewagt zu denken, daß Ihr, so hohe Frau, das Ghetto betreten werdet? Können wir den Naturkräftcn gebieten, die Eure Nerven zwangen, schlaff zu werden und Euch mit Nacht zu umbüllen? Herzogin Tprnau's, wenn Ihr hunderte von Menschen vernichten lvollt, lvählt Euch andere Ausflüchte!" Der Rabbi hatte sich in seiner ganzen Höhe aufgerichtet und Muth und hohes Vertrauen auf seine gerechte Sache leuchteten aus seinem edlen Gesichte. „Du bist sehr kühn, Jude!" rief die Fürstin und ein Blitz schoß aus ihren Augen. Nach einer Weile fragte sie plötzlich: „Wer ist der junge Mann, dem Du Deine Tochter angetraut hast?" „Es ist ein Pole," erwiederte der Rabbi und strengte sich an, den Blick der Fürstin ruhig auszuhalten. „Er hat lange Jahre in der hohen Schule zu Wien Talmud ftudirt." „Kennst Du ihn schon lange?" „Schon seit Jahren. Er kam als kleiner Knabe mit seinen, Vater nach Ungarn, dem Alten gefiel es hier; er machte sich ansässig, doch starb er bald darauf und der Sohn lernte theils bei mir, theils in Wien. „Kanntest Du ihn, als der Erbprinz noch lebte?" „Ich sage es ja, ich kannte ihn schon als kleinen Knaben." „Hast Du je meinen Sohn gesehen?" „Nie, Fürstin! Ihr tvißt es ja, daß eS uns verboten ist, durch die Stadt zu gehen, und daß es für uns gefährlich ist, den Fuß aus dem Ghetto zu setzen." Das Herz des Rabbi hatte gezittert, als er diese Lügen einer Mutter in's Gesicht sprach, einer Mutter, die durch ihn, tvenn auch ohne seinen Willen, einen Sohn verloren hatte. Als er aber diese Frau mit den wilden, harten Gesichtszügen betrachtete, als er bedachte, wie viel jüdische Mütter durch sie ihre Söhne verloren, wie viele Kinder sie mit Gewalt getauft, wie viele durch sie getödtet, tvie viel Vaterherzen durch sie gebrochen wurden, da Unirbe sein Herz ruhig und alle Gewifsensbiffe schwanden. „Warum hat Dein Eidam eine solche Aehnlichkeit mit meinem Sohne?" fragte sie düster. „Ihr fragt mich wieder, was Euch nur Gott beantworten kann," versetzte Rabbi Jsak. „Hat mein Eidam wirklich Aehnlichkeit mit Eurem Sohne, so kann es nur Der wissen, der Herz und Nieren prüft, und dem wir unser Dasein schuldig sind. Hohe Fürstin, wenn wir mit solchem übernatürlichen Misten begabt wären, wir müßten wahrlich nicht in dieser elenden Lage leben. Wir hätten es schon längst angewendet, uns aus Schmach und Bedrückung zu befreien." „Ich Handke noch zu milde gegen Euch," schrie die Herzogin, „und aus Strafe dafür habe ich meinen Sohn verloren. Doch zittert, es soll anders werden!" „Wenn Ihr Euren Sohn so tief betrauert, ihn nicht vergessen könnt, o, so bedenkt, daß auch jüdische Mütter Söhne verloren haben, daß sie Töchter betrauern, die die Wonne ihres Lebens waren. Erbarmt Euch und laßt genug sein der grausamen Verfolgung! Oder glaubt Ihr, jüdische Mütter bringen ihre Kinder ohne Schmerzen zur Welt? Glaubt Ihr, ihre Herzen zuckten nicht, wenn der Mordstahl ihre Kinder, das Blut ihres Herzens trifft? D, habt Erbarmen! Schon genug ist des Blutes seit Jahrhunderten geflossen, hört auf, Eurer Religion Opfer zu bringen, die diese nicht verlangt, der sie ein Gräuel sind. Eine jüdische Mutter hat den geboren, der Eure Religion gestiftet, und Liebe und Menschlichkeit kannte sein Herz und hat sie geboten als erste Pflicht. Bei dem Schmerze, der Euer Herz bewegt, beschwöre ich Euch, uns ruhig und unangefoch-