Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 56 (18.7.1901)
- Date
- 1901-07-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1236 griffen und wies ihre eine Kammer an. Gleichzeitig meldete er, um seine Verantwortlichkeit zu decken, den Vorfall auf dem Amt und ließ die Hebamme kommen. Erft eine Woche darauf brachte die junge Jüdin ein Töchterchen zur Welt, das Mademoiselle Rachel werden sollte. Acht Tage später machte sie sich wieder auf den Weg; sie konnte, da sie gänzlich mittellos war, ihre Zeche nicht bezahlen und überschüttete meinen Großvater mit Dankesversicherungen." Die nachträgliche Begleichung der Rechnung zwischen dem armen Kinde der Straße und dem menschenfreundlichen Gastwirth ist durch das Eintreten der „Goldenen Sonne" in die Theatergeschichte reichlich erfolgt. Rußland. Jekaterirwslalv. (Eine neue Hungersn o t h i n S i ch t.) Roch haben die ruffischen Juden die Hungersnoth im Südwesten von Rußland mit allen ihren Schrecken nicht überstanden, noch hungern Tausende von Familien in den Gouvernements Cherson und Beffarabien und werden vom Hunger, dem Typhus und der Cinga zu Dutzenden hinwegrasft, und schon droht ein neues weites Nothstandsgebiet im südöstlichen Rußland zu entstehen. Während nämlich die Ernteaussichten in den in diesem Jahre von der Mißernte heimgesuchten Gouvernements als geradezu glänzend geschildert werden, tauchen im Südosten des weiten, seit Jahren stets von partiellen Mißernten heimgesuchten russischen Reiches neue Wolken auf, die einen erheblichen Theil des russischen Himmels zu überziehen drohen. Schon gegen Mitte Mai wurde aus den südöstlichen, wie den nordwestlichen Gouvernements Regenmangel signalisirt, welcher im Vereine mit großer Hitze und trocknen Winden Winterwie Sommersaaten bedrohte. Einige Wochen später wurde offiziell mitgetheilt, daß für die genannten Gebiete direkt die Gefahr einer Mißernte besteht. Von den Ländern des jüdischen Ansiedelungsrayons werden bedroht: Ein Theil des Weichselgebietes, die größere Hälfte des Gouvernements Taurien, sowie das ganze Gouvernement Jekaterinoslaw. Die russischen Blätter fordern die Regierung sehrdringend auf, rechtzeitig energische Maßregeln zur Abwendung einer großen Katastrophe zu ergreifen. Wer soll aber für die im neuen Rothstandsgebiete lebende Million Juden sorgen, die nicht minder als die Bauern von der kommenden Hungersnoth bedroht werden?! Türkei. Constantinopel. (Patriarch und Rabbiner.) In der Türkei leben Christen und Juden in bester Freundschaft mit einander. Das beweist neuerdings das Glückwunsch-Telegramm, das der Groß- Rabbiner Moses H a l e v i an den neugewählten öcumenischen Patriarchen Joachim 111. richtete, und die höchst bezeichnende Antwort desselben. Das Glückwunsch-Telegramm des Groß-Rabbiners hatte folgenden Wortlaut: „Ich erachte es für eine angenehme Pflicht, Euerer Heiligkeit zu Ihrer zweiten Erhebung auf den Patriarchatsstuhl zu gratuliren und wünsche, daß das Ver trauen, welches S. k. Ni. der Sultan Ihnen entgegen gebracht hat, für Sie und Ihr Volk unter dem Schutze unseres großherzigen Souverains von den glücklichsten Folgen begleitet sei." Seine Heiligkeit der Patriarch beantwortete diesen Glückwunsch wie folgt: „An Monsignore den Groß-Rabbiner. Wir danken Ihnen sowohl für Ihre Güte als für Ihre Glückwünsche und wünschen Ihnen und Ihrer Nation alles Gedeihen." Personalien. Gerolshofen. Am 16. Thamus wurde dahier Herr Hirsch Haas s. A. zur letzten Ruhe bestattet. Das Schriftwort in Jjob: riibvv “i-p Hx nP22 xi2n :riV2 : „Du kommst im Alter in's Grab, wie der Garbenhaufen eingefahren tvird zu seiner Zeit", hat sich hier bewährt, denn der sel. Verblichene hat 84 Lebensjahre zurückgelegt. Wenn auch der Dahingeschiedene das biblische Alter erreicht hat, so ist sein Verlust doch schmerzlich für seine Familie und für die Gemeinde. Seinen Kin dern und Enkeln war er ein treubesorgter Vater, deren Wohl und Wehe stets sein Herz bewegte und fein Denken beschäftigte. Aber seine Liebe war nicht von so engen Grenzen, sie war wie die eines wahrhaft edlen Menschen, umfassender Art. Aus dieser Gesinnung der Liebe gingen auch die Tugenden hervor, welche den Verstorbenen zierten, die Tugenden der Wohlthätigkeit und der Gastfreundschaft, die in seineni Hause von ihm selbst sowie von all den Seinen in edelster Weise geübt wurden. So lange es seine körperlichen und geistigen Kräfte zuließen, war er der Erste im Gotteshause. Viele Jahre hindurch versah er an den Jomim hanoroim und anderen Festtagen die Stelle eines Chasan und Bal Kore. Stets wird uns darum das Andenken des sel. Verstorbenen in Erinnerung bleiben. '"22:.-. L. G. Neckarbischofsheim, 16. Juli. Am Eres Schabbos Paraschat Matos u. Massoh starb hier plötzlich ein religiöses und geachtetes Mitglied unserer Gemeinde, Herr Baruch Oppenheimer, im 68. Lebensjahre. Vor der überaus zahlreichen Trauerversammlung, bei welcher alle Confessionen von hier und Umgegend vertreten waren, hielt unser verehrter Bezirksrabbiner Dr. P i n k u ß , Heidelberg, eine schöne, eindrucksvolle Trauerrede, in welcher er u. a. in sinniger Weise ausführte, daß der Verstorbene nicht nur ein Boruch, an Glücksgütern Gesegneter, sondern auch in vorbildlicher Weise ein Segen für seine Familie, für Arme und