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Der Israelit · 1901-07-18 · Heft 56 (18.7.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 56 (18.7.1901)
Date
1901-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1235 Das allgemeine Kaschrus war durch Rabbiner Horowitz möglichst gewahrt; obwohl Vorstand und Predigerei ihm, „weil er orthodox war," lange nicht die Stellung einräumten, auf die er als b'~: Anspruch gehabt hätte. Mit dem Eintreffen Jellineks, dessen herrliche Rednergabe leider der Religionslosigkeit diente, nahm die Irreligiosität von Jahr zu Jahr zu, und gewann im Kultusvorstande immer wärmere Vertreter. Die Orthodoxen mußten sich nun darauf beschränken, sich und den Ihrigen die Möglichkeit zu erkämpfen und zu erhalten, in Wien Jehudim zu bleiben. Im Jahre 1861 machten die Schönlatern- und Schiffschul vereint den Versuch, in einer Eingabe an den Kultusvorstand zu erreichen, daß von Amtswegen die Mikwah und Schechitah den strenggläubigen Jehudim in die Hand gegeben werden. Aber schon damals war beim Vorstand keine Neigung mehr vorhanden für Kaschrus zu sorgen. Vitt svbr 'n im Verein mit einer kleinen Schaar wirklicher 'n nmy gründete die Schiffschul, ließ in diesem relativ großen Gotteshause das richtige ui *:■: erschallen und erzog sich eine Kehillah. Der opferwilligen, ausdauernden Thätigkeit dieser aufrichtig frommen Männer gelang es, nach und nach für Talmud Thora, Schechitah. Kaschrus, Beaufsichtigung der Mikwah, Mazzoth-Bäckerei, Religionsschule etc. zu sorgen. Auch gingen aus derselben der „Verein zur Koscher-Veköstigung der Kranken in den Spitälern," der „Verein zur Unterstützung armer Zugereister" etc. hervor. die auf dem Gebiete der np-ix Hervorragendes leisten. Zahlreiche orthodoxe Bethausvereine wurden nach und nach gegründet (deren Zahl sich nunmehr auf ca. dreißig beläuft), die für Owon n'rw'i P-ii-j.* viel leisten, für das religiöse Leben aber nur sehr wenig. Da aber die Schiffschul (nunmehr Adaß-Jisroel) denn doch mehr oder weniger auf einen engeren Kreis beschränkt ist, auch Eifersüchteleien anderer Bethaus vereine einen Anschluß an die Schiffschul verhindern, mußten die wirklich streng jüdisch fühlenden Kreise daran denken, die auf dem weiten Territorium Wiens verstreuten orthodoxen Elemente zu vereinigen, um mit vereinter Kraft das echte und rechte Judenthum in und Kir ganz Wien zu erhalten und zu festigen. Daß da wieder die Schiffschul, resp. die leitenden Männer derselben, in Folge ihrer materiellen und int'uektuellen Bedeutung in erster Reihe mitthut, ist manchem Gernegroß gegen den Strich; doch steht zu hoffen, daß schließlich der v'vrr» LvG siegen wird und sich alle echt iiidischen Männern Wiens zusammen finden werden, um einträchtig die erhabenen Ziele einer Vereinigung lm'm 'n nna1» nach Kräften zu fördern. Diese Vereinigung wird hoffentlich für ganz West- Österreich, wo das religiöse Leben nahezu erloschen ist, ein segensreiches Beispiel sein. Wien. (Christlichsoziale Humanit ä t.) Die Debatten im Landtage beim Kapitel „Spitäler" bringen eine Errungenschaft der christlichsozialen Herrschaft und speziell des Landesausschusses Steiner in Erinnerung. Dank seinem Rufe war nämlich das Wiener Allgemeine Krankenhaus seit jeher das Ziel vieler jüdischer Kranker aus Galizien und Rußland; darunter gab es auch einen Prozentsatz von Armen, die nicht die täglichen Spitalkosten bezahlen konnten. Das Land Niederösterreich trug nun früher großmüthig die Kosten und bestand dabei. Landesausschuß Steiner veranstaltete nun förmlich eine Razzia nach solchen Kranken, und seiner unermüdlichen Thätigkeit ist es zuzuschreiben, daß sie jetzt ausnahmslos, selbst wenn ihre Spitalsbedürftigkeit außer Frage steht, von den öffentlchen Spitälern zurückgewiesen werden. Es ist Pflicht der wohlhabenderen Stammesgenossen, dem abzuhelfen; es existirt ein Verein in Wien, der sich diese Aufgabe gestellt hat, und wir richten an alle Volksgenossen die Aufforderung, diesen Verein zu unterstützen. Wien, 16. Juli. Wie die „Neue Freie Presse" meldet, haben nach einer Mittheilung der Regierung an die Krakauer Handelskammer die vom Botschafter Aehrenthal in Petersburg wegen des Grenzverkehrs unternommenen Schritte den Erfolg gehabt, daß die früher vorhanden gewesenen Erleichterungen des Grenzverkehrs an der österreichisch-russischen Grenze wiederbergestellt sind und der Uebertritt über die Grenze mit Halbpässen auch jüdischen Grenzbewohnern gestattet ist. Schweiz. Aargau (Schweiz). Es ist bekannt, daß die berühmte Schauspielerin Rachel als Tochter einer jüdischen Hausirerin zu Mumps im Aargau im Jahre 1821 geboren ist. Ein Pariser Journalist hat jetzt an dem Geburtsort nähere Nachforschungen gehalten und von dem Wirth zur „Goldenen Sonne" einige interessante Details herausinterviewt. „Mein Großvater," so erzählt der Wirth, „besaß das Wirthshaus, als die Rachel geboren wurde. Das Zimmer ist noch vorhanden. Mumps war damals ein stark passirter Ort, da die direkte Straße von Basel nach Zürich durchgeht. Dabei war es aber sprichwörtlich schmutzig und sein Pflaster derart, daß es als Probe für die Güte eines Fuhrtverks galt, wenn es ein Fahrt durch Mumpf überstanden hatte. Den jüdischen Hausirern war der Aufenthalt in Mumpf und in seinen Wirthschaften nicht gestattet, sie mußten in Endingen übernachten. In der Nacht vom 6. Februar 1821 klopfte ein junges, mageres, braunes Weib an das Thor des Wirthshauses. Sie war vollständig erschöpft und erklärte, sie sei ihrer Entbindung nahe und außer Stande, sich bis Endingen weiter zu schleppen. Ein älteres Weib, das bei ihr war, flehte gleichfalls um Aufnahme für die Schwangere. Mein Großvater wurde von Mitleid er-

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