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Der Israelit · 1901-07-18 · Heft 56 (18.7.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 56 (18.7.1901)
Date
1901-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1234 Schreiber dieses war früher ein eifriger Litteraturvcreinler und kann nach seinen gemachten Erfahrungen nur sagen, daß die ganze Jahresarbeit sämmtlicher Littcraturvereine zusammengenommen werthlos ist gegenüber den Resultaten, die ein einziger von seinem Jndenthum begeisterter Lehrer beim Studium der Urquellen des jüdischen Schriftenthums in der Originalsprache mit einem einzigen Schüler erreichen kann. Und da sollen wir auf diesem Wege fortfahren? Rein, das dürfen wir nicht! Wer es wirklich ehrlich mit unserem jüdischen Volke meint, wer die jüdische Volksruine wieder zu altem Glanze erstehen sehen will, der lehre es, seine Aufgabe aus Tenach und Talmud zu erfassen. Wir stnd erst dann auf dem Wege der Besserung, wenn erst einmal wieder die Führer unserer Jugend nicht mehr „jüdische Religion," sondern das „Judenthum" lehren. Hierauf hinzuwirken, ist die Nächstliegende Pflicht' und detzhalb gebt den Führern unserer Jugend Gelegenheit, tiefer und tiefer in den Geist des Judenthums, der einzig und allein aus Tenach und Talmud heraus erfaßt werden kann, einzudringen. Doch nur ein edler, freier und stolzer Geist kann sich zu einem lichten Verständnis des Judenthums emporschwingen, und dieser Geist muß nicht nur frei sein von Sinnlichkeit und Selbstsucht, sondern auch von knechtischer Selbstverachtung. Gegendampf der Assimilation in Welt- und Le bensanfchauung.' Wecken wir jüdisches Selbstbewußtsein: wecken wir jüdisches Nationalgefühl! Geis. Fürth, 18. Juli. (S ch l u ß f e i e r n.) Den Reigen derselben eröffnete um 6 Uhr früh in der Aula der Anstalt die israelitische Realschule. Ein ebenso reichhaltiges als gediegenes Programm in gesanglichen wie in deklamatorischen Darbietungen lag dieser Feier zu Grunde. Den Eingang bildete ein zweistimmiger Chor „Der deutsche Knabe," woran stch vier Gedichtvorträge „Das Himmelreich," „Märkische Volkssage," ..Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt" und „Der Bauer und der Zuave" reihten. In reizendem Ausdruck kamen diese Gedichte zu Gehör: ein zweiter Gesang ..Abendglöcklein" löste sie ab und führte in die zweite Abtbeilung, die zwei fremdsprachliche Vorträge ..Iw nick cko kanvocktos" (Berguin) und ..La lonp ot l'acranoan (Lafontaines und zwei deutsche Nummern ..Das Volk in Waffen" (Gerok) und „Das Lied von den deutschen Strömen" (Büchner) enthielt. Die Aussprache der französischen Piecen war absolut tadellos. Von fünf Schülern wurde hieraus die bübsche dreistimmige Volksweise „Das Blümlein auf der Heiden" in recht ansprechender Weise gesungen. Ein Gedicht „Arbeit" von Dahn, ein französisches „La Garonne" von Nadaud und ein englisches Poem ..A Psalm of Life" von Longfellow waren sehr tüchtige Leistungen. Es folgte darauf die Ansprache des Herrn Direktors Dr. A. Feilchenfeld mit einem Rückblick auf das 39. Schuljahr und mit Vertheilung der Reifezeugnisse; der zweistimmige Gesang von „Der frohe Wandersmann" bildete den Schluß der schönen Schulfeier, die ebenso den Beweis erbracht hat von gediegenem, deutschem und fremdsprachlichem, wie von methodisch richtigem Gesangunterricht. Aus Baden. Bei der am Freitag, den 12. dss. Monats, stattgefundenen Wahl von Abgeordneten zur israelitischen Synode wurden gewählt: Bezirksältester Rothschild in Konstanz, Jakob B e r n h e i m in Gailingen, I. Weil sen. in Lörrach, die Bezirksältesten D u k a s in Freiburg, E p st e i n in Eichstetten, Lang in Altdorf, L. Wertheimer in Bühl, Rechtsanwalt Dr. Bielefeld, Bernhard Fuchs in Karlsruhe, Vorsteher und Stadtrath Louis Marx in Bruchsal, Rechtsanwalt Dr. Friedb e r g in Karlsruhe, Bezirksältester Netter in Heidelberg, Vorsteher Halle in Hockenheim, Julius Ettlinger, Rechtsanwalt Dr. Hachenburg, D. K a h n und Joseph Zimmer in Mannheim, die VorsieherMaier Heinsheimer in Eppingen und M. R o t h s ch i l d in Mosbach. Rechtsanwalt Elias Spiegel in Tauberbischofsheim. Ebenso wurden in gleicher Wahlhandlung die doppelte Anzahl Ersatzmänner für obige Abgeordneten gewählt. Die Betheiligung bei der Wahl, sowie die religiöse Richtung der Abgeordneten ist so Ziemlich die gleiche, wie vor drei Jahren. Mögen die Gewählten zum Segen der israelitischen Gemeinden Badens im Ständehaus in Karlsruhe ihre Berathungen halten. O e st e r r. -11 n g a r. Monarchie. Wien, 14. Juli. Der Verein „Zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums in Wien und Niederösterreich" soll, wie es heißt, in Bälde in's Leben treten und seine Wirksamkeit beginnen. Es ist wahrscheinlich, daß dieser Verein für die Entwickelung der Orthodoxie in ganz Oesterreich von großer Bedeutung sein wird, und ist es daher angezeigt, einen Rückblick zu werfen auf das, was die strenggläubigen Juden Wiens geleistet haben und gleichzeitig zu skizziren, welche Aufgaben des Vereins in erster Linie harren. Das von der "ipn festgestellte Faktum vvz" i'Tsr, daß die Reichen in Jeruschun in der Regel nicht fromm sind, hatte zur Folge, daß die meisten Frommen in Wien vor 1848 nur Schutzjuden der Reichsten waren, und daß die ansässigen Schutzgeber jedes Bestreben nach Rallirung der Orthodoxen niederdrückten. Als gar mit Mannheimer und Sulzer ein regelrechter Tempel creirt wurde, betrachteten die Biedermann und Konsorten jede Abschließung von dem offiziellen Kultus als 6vim6N la.esae majestatis. Oft nahmen die Orthodoxen einen Anlauf zu einer gewissen Selbstständigkeit, konnten aber aus Gründen, die hier nicht näher darzulegen sind, nie reussiren.

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