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Der Israelit · 1901-07-15 · Heft 55 (15.7.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 55 (15.7.1901)
Date
1901-07-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4*. Jahrgang. Aeikage zu M 55 des „Israelit". Literarisches. In Nr. 50 des „Israelit" veröffentlicht Herr Dr. A. Berliner eine Erklärung von Rabb. Benamozegh zu der Horaz-Phrase tricesima sabbata. Darnach hatten zum Judenthum hinneigende Römer „w a h r s ch e i n l i ch" die Sabbate gezählt, die sie „bereits" (?) beobachteten. Für diese Annahme sind dem gelehrten Herrn llebermittler der Erklärung wahrscheinlich Belege bekannt, falls diese nicht blos Hypothese sein sollte. Als letztere würde sie wohl kaum mehr befriedigen, wie die längst bekannte Ansicht: Horaz habe das tricesima nur exemplifikatorisch und aus metrischen Gründen gebraucht, mit welcher Ansicht man das Schwierige der Stelle zu umgehen sucht. I st aber die in Nr. 50 angegebene Datierung oer Sabbate erwiesen, so sei es mir, ohne polemische Absicht, zur Erwägung zu stellen gestattet, ob nicht verschiedene Nüancen des Wortlautes im Horaz darauf hindeuten dürften, daß mit tricesima sabata ein bestimmter Sabbat, auf dem eine odiöse Bedeutung lastet, gemeint ist. Es handelt sich ja kaum am das Sabbatverbot einer geschäftlichen Besprechung, sondern — »iiiid secreto veile bxiui — um einen Sabbat, an dem man überhaupt etwas Wichtiges nicht gerne bespricht oder entriert. Horaz meint, ein solches Bedenken habe er nicht. „Aber ich," antwortet Aristius, „ich bin — so erklärt G. Krüger — „ich bin nicht ein so starker Geist wie Du, der sich darüber hinwegsetzen könnte, ich bin nur einer von Vielen," das heißt, von der großen Menge, welche am Volksglauben festhält. Auch das m e 1 i o r e tempor dicam — „zu besserer Stunde" — läßt darauf schließen, daß mit tric. sab. ein zu jeglicher — nicht nur geschäftlicher — Unternehmung nicht glückverheißender, ungünstiger Tag gemeint ist. Dies veranlaßte mich zu dem Versuch, die von einem Bekannten zu mir geäußerte Vermuthung, daß es snn rrts» sei, durch meine Ausführung in Nr. 38 zu stützen sc. zu begründen. Es dürfte somit nicht entschieden sein, ob diese Interpretation unmöglich ist. 2. Juli 1891. Ernst G r e b e r. Hierzu schreibt uns Herr Dr. Berliner: „Ich hätte nicht geglaubt, daß eine so einfache Erklärung jener Stelle im Horaz, wie ich sie mitgetheilt habe, wenn auch keine besonderen Belege dafür zu geben sind, noch eine Erörterung Hervorrufen würde. Was nun der Hinweis auf einen Sabbat, wie den traurigen pin jise« betrifft, so habe ich in meiner „Geschichte der Juden in Rom" an verschiedenen Stellen das innere religiöse Leben derselben unter den Römern in Rom so eingehend nachgewiesen, daß ich die Behauptung wagen darf, zur Zeit des Horaz haben die jüdischen Römer (ich sage nicht die römischen Juden) von der Tendenz des ptn rep nach rabbinischer Anschauung kaum etwas gewußt. Am Schlüsse des ersten Bandes (S. 104) habe ich gezeigt, wie erst mit dem Verschwinden der helenistisch-jüdischen Bevölkerung Roms (von ihr zeugen uns noch heute die Katakomben mit ihren Inschriften) das palästinische, d. h. das rabbinische Judenthum wieder in die Erscheinung tritt und sich geltend macht. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Frankfurt a. M, 14. Juli. Frau Lazarus Pose n W w e., die Begründerin der gleichnamigen renommirten Silberwaarenfirma, Gattin des sei. Rabbi Lazarus Posen, hat das Zeitliche gesegnet. Köln. In Hörde in Westfalen fand jüngst eine seltene Feier statt. Das Ehepaar Simon M ö l l r i ch feierte am 9. Juni das Fest seiner goldenen Hochzeit, woran die ganze jüdische Bevölkerung und auch viele andersgläubige Freunde sich lebhaft btheiligten. Herr Möllrich, ein eifriger Leser des „Israelit," war langjähriges Mitglied der Vorstandschaft und verzichtete auf dieses Ehrenamt, als beim Neubau der Synagoge eine Orgel eingeführt wurde. Er betete seit dieser Zeit nrnra und genießt auch wegen dieser charakterfesten Gesinnung umsomehr die Achtung und Verehrung der Gemeindemitglieder. Frau Möllrich ist seit langem Vorsteherin des Frauenvereins und versieht in Rüstigkeit die daraus erwachsenden Liebespflichten. Möge den Jubilaren in Gesundheit ein ungetrübtes Alter beschieden sein. Aus dem Rheinland, py izz cy Kört w rrr. Stöckers Organ „Das Volk," das vor ungefähr zwei Jahren von Berlin nach Siegen — dem Hauptort des Stöcker'schen Wahlkreises Siegen-Wittgenstein-Biedenkopf — verlegt worden ist, hat auch dort keinen günstigen Boden gefunden. Das abgelaufene Geschäftsjahr hat mit einem Zuschuß von Mk. 7418.04 abgeschlossen. Weiter ist nach dem „Sieg. Volksbl." der Bilanz zu entnehmen, daß die Zahl der „Volks"-Genossen am 31. Dezember 1900 auf 95 herabgesunken ist; diese haben 36,000 Mk. zugesetzt.

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