Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 55 (15.7.1901)
- Date
- 1901-07-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449199--53783-2504464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1332 Die letzten Worte lähmten den Muth des jungen Mannes und der Gedanke an Hanna brach seine Standhaftigkeit. Er beschloß, den Bitten des Greises nachzugeben. Als Hanna hörte, daß sie mit ihrem Gatten fliehen sollte, weigerte sie sich. Durch sie war das Unheil gekommen und sie wollte es mittragen und nicht feige fliehen. Doch, angefleht und beschworen von dem Rabbi, ergriff sie Emrich mit starken Armen, trug sie zum Wagen und fort ging es auf dem Wege nach Wien. — Die Herzogin kam erst spät zu sich. Anfangs war sie ganz verwirrt und wußte noch nicht genau die Wirklichkeit zu unterscheiden; die Höflinge schrieben diesen Norfall der Aehnlichkeit des Bräutigams mit dem verlorenen Sohne zu. Ihnen war auch diese Aehnlichkeir aufgefallen; aber es kam Keinem in den Sinn, daß es ein und dieselbe Person sein könne. Wem konnte es einfallen, daß ein Kronprinz, ein Herzog ein Jude werden würde? Prinz Emrich lag doch in den Vogesen begraben. Das war ja sicher. Die Räthe und der Beichtiger spieen Feuer und Flammen über dieses Ereigniß. Sie sagten, die Juden hätten wirklich die Luft vergiftet, um die Fürstin zu ermorden und sich so zu rächen. Nur der Kanzler schwieg und war nicht dieser Meinung. Auf ihn hatte dies Alles eine tiefe Wirkung hervorgebracht: dieser ehrwürdige Greis, diese schöne, bleiche Braut, all' die bleichen, entsetzten Gesichter, bei einem Vorfälle, an welchem sie nicht die geringste Schuld trugen, dies alles j ergriff ihn tief und zum ersten Mal dachre er, daß dies! Volk viel litt, lange litt und unschuldig litt. j Die Herzogin sprach zu Niemandem; sie schickte! Alle weg, nur den Kanzler hieß sie bei sich bleiben. \ Dann ließ sie den Rabbi Jsak holen.! Währenddessen verbrachten die Juden im Ghetto einen schrecklichen Nachmittag. Jede Minute glaubten sie, man stürme ihr Stadtviertel schon und komme, sie zu morden. Sie saßen in der Synagoge, Männer, Weiber und Kinder, und beteten zu Gott um Hülfe. Rabbi Jsak wurde aus dem Tempel zur Herzogin geholt. Er sprach Worte des Trostes und der Beruhigung zu den Leuten, bevor er sie verließ, dachte aber bei sich, daß das wohl sein letzter Gang sei. Und gern würde er's ertragen und Gott noch dafür gepriesen haben, wenn er das einzige Opfer wäre. „Nun, gütiger Gott, hilf mir!" betete er auf dem Wege. „Es ist die einzige Lüge meines Lebens, die ich jetzt werde sagen müssen. Verzeihe sie mir! Heißt es doch, Du habest sie selbst nicht verdammt, um Frieden unter Deinen Kindern zu erhalten und ich muß jetzt meine Gemeinde retten." Man brachte ihn zur Herzogin, die allein mit dem Kanzler im Zimmer war. Sie saß auf einer Ottomane, ihre Züge waren noch verstört und ein Ausdruck von Haß, Furcht und Zweifel wechselte auf ihrem Gesichte. Ruhig und voll Würde stand der greise Rabbiner vor ihr. „Jude," sagte sie zu ihm, „ich kann Euch Alle jetzt ermorden lassen — und weißt Du warum?" _(Fortsetzung folgt.)_ Wochkn-Ralender. Freitag, 10. Juli, 8. Aw, Sabbai-Anfangin Mainz u. Frankfurt a. M. 7 tlhr 45 Min. Samstag, 20. Juli, 4. Aw. p?n ‘w .ohdi, Sabbät-Ausgang Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 25 Min. — Berlin 9 Uhr 11 Min — München 8 Uhr 52 Mia. - Hannover 9 Uhr 28 Min. — Stuttgart 9 Uhr >2 Min. — Prag 8 Uhr 55 Min. — Straßburg 9 Uhr 15 Min. — Posen 8 Uhr 59 Min. Der „I Sr aeilt" erscheint vSch^utlicti zweimal, Montags Hin! Donnerstags, jedeSmal ta mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Ma» abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Vuchhandrl vcrlrrhrk durch V. Stein acker, Leipzig, Notzplatz jb. — Inserate 25 Pfennig die vierAespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pjennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder >6 Kronen österr., für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. . Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuscripte findet nicht statt, man bittet de-hnlb, sich von allen Einsendungen eine Copie zuriickzubehalteu. Stellensuchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und franco ruaefandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des Jnsertionsbetrags an anher Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Das orthodore Judenthum. t Fortsetzung) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Frankfurt. Köln. Diez. Oesterr.-Ung Monarchie: Budapest. Prag. England: i'oncon Ruß land: Kiew — Personalien: Proßnitz. — Feuilleton: Der Prinz von Dyrnau. (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Literarisches. — Zeitungsnachrituen und Correspondenzen: Deutschland Frankfurt a. M. Köln. Aus dem Rheinland. Gommern. München- Eßlingen. Frankreich: Paris. England: London. Rußland: Odessa. Palästina: Jerusalem. Extta-Beilage: Spendenverzeichnisse. Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit*, Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Ioh Wirth scheu Hokbuchdruckerei Acticn Gesellschaft in Main,. Hierzu zwei Beilagen