Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 55 (15.7.1901)
- Date
- 1901-07-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1218 An Geschenken u. regelmäßigen Beiträgen gingen Mk. 26.839.61 ein. wovon Mk. 14.006.64 aus die Purimsvende entfallen. Auch wurden viele Nutzgegenstände der Anstalt zugewendei und unsere Pflegebefohlenen von liebevoller Seite durch Aufmerksamkeiten bedacht, welche das Kinderherz erfreuen. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Budapest, im Juli. (Zwei Testament e.) „Eghenlöseg" bringt in einer seiner jüngsten Nummern interessante Mittheilungen über die letztwilligen Verfügungen zweier jüngst verstorbener Männer, die auch zu Lebzeiten als Wohltbäter bekannt waren und eine ausgedehnte humanitäre Wirksamkeit entfalteten. Der verstorbene Dr. Philipp Kunewalder hat insgesammt 179,000 Kr. für menschenfreundliche und kulturelle Zwecke testiert, und zwar: 43,600 Kr. für nichtjüdische Zwecke (so der Akademie der Wissenschaften 16,000 Kr., den hiesigen evangelischen Schulen beider Bekenntnisse je 2000 Kr. u. s. w.), 136,400 Kr. für jüdisch-konfessionelle Zwecke (der Pester israelitischen Kultusgemeinde 39,000 Kr., dem isr. Taubstummeninstitut, dem Knaben- und dem Mädchenwaisenhause je 12,000 Kr., dem isr. Stipendienverein 8000 Kr., dem isr. Handwerks¬ und Ackerbauverein 16,000 Kr., der ung. isr. litterarischen Gesellschaft 8000 Kr. u. s. w.) Sämmtliche Legate sind binnen einem Jahre gebürenfrei ihrer Bestimmung zuzuführen. An einzelne Legate sind bemerkenswerthe Bedingungen geknüpft. So soll aus dem Legat für die Akademie jedes zweite Jahr abwechselnd auf ein Lustspiel und Volksstück ein Preis ausgeschrieben werden; „in den Concurrenzarbei ten soll der Jude als festen Charakters und edeldenkend gezeichnet werden." Wird der Preis nicht ausgegeben, oder nimmt die Akademie das Legat nicht an, so fallen die Zinsen, beziehungsweise das Kapital der hiesigen evangelischen Schule H. K., der Pester isr. Knabenschule und dem isr. Stipendienverein zu Stipendienzwecken zu. Aus dem Legat für de Pester isr. Kultusgemeinde sind 12,000 Kr. als Heirathsausstattungsfonds, 12,000 Kr. als drei Bettstiftungen im isr. Spital und 10,000 Kr. als Fonds für unverzinsliche Darlehen an Kleinhändler, Hausirer und Oebstlerinnen zu verwenden. Zu Testamentsvollstreckern sind die Herren Sigmund Kohner, Jakob Deutsch, Dr. Franz Chorin, Dr. Moriz Mezei und Berthold Herzmann designiert, als Vertrauensmänner bei den akademischen Preisausschreibungen Agai, Alexander, Keßler, Rado, Marczali, Banoczi, sowie als Beiräthe Dr. Philipp Weinmann und Dr. Franz Chorin. — Wie jetzt bekannt wird, lehnte die Akademie der Wissenschaften das von Philipp Kunewalder gestiftete Legat von 16,000 Kr. ab, mit der Motivierung, daß sie es nicht unternehme, die besonderen Interessen einzelner Klassen oder einzelner Konfessionen zu unterstützen." — Der Präsident der Chewra Kadischa, der verstorbene Moses Ehrlich, hat sein ganzes, ca. eine Million Kronen betragendes Vermögen für humanitäre und kulturelle Zwecke bestimmt, doch tritt diese Verfügung erst nach dem Ableben der Wittwe und der sonstigen Erben in Kraft. Jetzt gelangen Legate in der Höhe von 48,000 Kr. zur Auszahlung, und zwar 10,000 Kr. an den israelitischen Handwerks- und Ackerbauverein, 4000 Kr. an das israelitische Taubstummen-Jnstitut, 4000 Kr. an den Schriftsteller-Un^ terstützungsverein u. s. w. Das vornehmlich aus Grundbesitz bestehende Vermögen soll von der Wittwe und der Pester isr. Gemeinde verwaltet werden. Aus den Einkünften desselben erhält die Wittwe 16,000 Kr., einzelne Geschwister und Schwäger 6000 Kr. jährlich. Der Rest ist für eine von der Pester israelitischen Kultusgemeinde zu errichtende Stiftung bestimmt. Rach denr Ableben der Nutznießer ist das Vermögen zu kapitalisiren; 300,000 Kr. sollen als Familienstiftung bestimmt werden, 200,000 Kr. als Stipendienfonds, 40,000 Kr. als Stiftung für das Knabenwaisenhaus; über den Rest — ca. 300,000 Kr. — kann die Pester isr. Gemeinde nach eigenen, Gutdünken verfügen. Prag. (Glücklich gelandet.) Unsere Leser entsinnen sich gewiß noch der Enthüllungen über jenen „Rabbiner" Jehuda Tillinger, welcher mehrere Jahre in Berlin sein Unwesen getrieben und, nachdem er sich dort unmöglich gemacht batte, nach Prag kau,, wo er durch seine eigene Ungeschicklichkeit sehr bald entlarvt wurde. Er wollte einem Antisemitenorgan seine Dienste anbieten, gerieth aber irrthümlicherweise in die Redaktion des Masarhk'schen Blattes „Czas," wo er sich mit der Mittheilung einführte, daß er schon in Berlin „Ritualmord-Artikel" für die „Staatsbürger-Zeitung" und den „Deutschen General-Anzeiger" geschrie ben, von Berliner Antiseinitenführern Empfehlungen an Ernst Bergan, in Wien erhalten habe, daß er in Prag mit Dr. Rohling eine Zusammenkunft hatte, von dem er wieder nach Wien mit dem Hinweise darauf weiter empfohlen worden sei, daß er (Tillinger) zur katholischen Kirche übertreten wolle u. der antisemitischen Sache gute Dienste leisten könne u. s. w. Während er sich so der antisemitischen Propaganda zur Verfügung stellte, bewarb er sich gleichzeitig in hiesigen jüdischen Kreisen um Empfehlungen für Rabbinerposten und erstrebte u. a. den im benachbarten Smichow. Seit den Enthüllungen im „Czas" war von „Rabbi" Jehuda Tillinger in Prag nichts mehr zu vernehmen. Nun wird sein Name wieder in Erinnerung gebracht und zwar in der von Pater Kopal und Pater Simon redigierten christlich-sozialen Zeitschrift „Obrana." Dieses Blatt bringt in einer seiner Nummern den Beginn einer Artikelreihe, welche den Talmud zum Gegenstände und Stanislaus Tillinger zum Verfasser hat. In einer