Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 54 (11.7.1901)
- Date
- 1901-07-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1208 3u11; flrofcen Glücke fiir dieselben lute für die Gesammtjudenheit wurde in die Untersnchungskoknrnission ein gelehrter, uorurtfieifsfreter Theologe berufen, der unsere Gebete nicht blos in Schutz nahm, sondern sie so oerherrlichte, tute es kein Jude schöner und begeisterter hatte thnn können. war dies der Licentiat Rudolf Martin Meelsührer aus Schwabach, der seine Bewunderung für unsere Gebete in folgenden Worten zum Ausdrucke brachte: „Insgemein ist ben den Christen, die der Rabbinischen utiD Talmudischen Sachen nicht hauptsächlich kundig, die leere Meynung ob bestünden, an und vor sich, die Jüdische Gebethe ein absnden und gotteslästerlichen Worten: sie sind aber im gegentheile aus den herrlichsten und kräftigsten Sprüchen heiliger göttlicher Schrift znsammengesezzet, und würden sie von einem rechtgläubigen Christenherzen gebethet, so ist keine andere spräche im Orient und Occident so wortreich und durchdringend, daß sie die tiefe fülle der anmuth und die gewaltige Macht dieser gebethworte genugsam ausdrücken könnte." So hatte die Verleumdung des genannten Apostaten die entgegengesetzte Wirkung und seine schwere Anschuldigung führte zur glänzenden Rechtfertigung und Chrenrettung des Iudenthums. Wir sind Herrn Dr. Z. dankbar für die Veröffentlichung dieser interessanten, dem Andenken des allzufrüh Heimgegangenen Professors David Kaufmann gewidmeten Schrift. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Prag, im Juli. (Die Neuwahlen in der Prager Cultusgemeinde-Repräs e n t a n z.) Seit einer Reihe von Monaten wurde in der zionistischen Presse ein Sturm gegen die bisherigen Vertreter der Prager Kultusgemeinde angekündigt. Die Parteiorgane kündigten an, der allgemeine Unwille werde bei den nächsten, anläßlich des neuen Gemeindestatutes vorzunehmenden Neuwahlen die alte, unfähige Repräsentanz wegfegen. Derselben lvurde zur Last gelegt: Die Umwandlung der ehemaligen jüdischen Volksschule in eine allgemeine Gemeindeschule (erfolgte im Jahre 1860!), die Umwandlung des Judenspitales in ein allgemeines konfessionsloses Krankenhaus (erfolgte im Jahre 1869, die rituelle Verpflegung und die Verloaltung durch die Kultusgemeinde blieb bestehen, und die Umwandlung hat die Folge, daß das Land Böhmen 19,000 fl. jährlich an Verpslegsgebühren zahlt!), der ruinenhafte Zustand der Altneusynagoge (dieselbe wurde im Jahre 1880 zum größten Theile auf Gemeindekosten derart hergestellk, daß ihr Bestand bei vollkommener Erhaltung des altehrwürdigen Charakters auf Jahrhunderte hinaus gesichert ist), die erfolgte Demolirung der Judenstadt zum Zwecke der Afsanirung, die Expropriation ' eines Theiles des alten Friedhofes, die Provocirung der Judcnepceste im Jahre 1897 etc. Mittelst eines Circulars, lvorin der bisherigen Vertretung „ein an Verbrechen grenzendes Vorgehen" zur Last gelegt lvurde, wurde eine Wählerversammlung einberrrfen, bei der die erschienenen Zionisten selbst er klärten, sich dieses nach antisemitischem Muster abgefaßten Schrifrllückes zu schämen. Die Angegriffenen haben nicht mit einem Worte geantwortet, aber die Wähler haben gesprochen.- Sämmtliche Mitglieder der alten Repräsentanz sind bei den am 16., 20. und 30. Juni vorgenommenen Neuwahlen wiedergewählt worden. England. London. Am 30. Juni fand die Generalversammlung der „Anglo Jewish Association" in den Amtsräumen des „Board of guardians" hier statt. Vorsitzender, Mr. Claude Montefiore, beklagt die geringe Theilnahme des englischen Judenthums für die Bestrebungen der Gesellschaft, in Folge dessen die Einnahmen zurückgegangen sind. „Es kommt mir oft sonderbar vor, daß 60 Männer unseres Vorstandes Monat für Monat znsammenkommen, um über die Verwendung einer Jahreseinnahme von höchstens 66,000 Mk. zu berathen." Redner bedauert es umsomehr, als das geringe Einkommen der Gesellschaft nicht gestattet, „sich von der Pariser Alliance noch mehr zu separiren." Dieses kann nicht eher geschehen, als bis sich einige englischjüdische Millionäre entschlossen haben, für die „Anglo Jewish Association" dasselbe zu thun, was 2—3 französische Juden für die „Alliance" gethan haben. Für Schulen in Städten der Türkei mit ca. 200,000 Juden hat die Gesellschaft 1040 Pfd. (34 pCt. der Gesammtausgaben) verwendet. Hier ist noch ein weites Feld für eine von der „Alliance" unabhängige Thätigkeit, allein unsere reichen Juden und Jüdinnen interessiren sich eben für unser Erziehungswerk nicht. Nebst der Unterhaltung von Schulen hat die Gesellschaft noch die Aufgabe, für die Juden überall da einzutreten, wo sie schwer bedroht werden. In dieser Beziehung bat aber die Gesellschaft jetzt lveit weniger zu thun, als in früheren Jahren, da einerseits in vielen kleinen Ländern Judenverfolgungen heutzutage weniger häufig geworden find. Andererseits aber gibt es Länder, wo eine Einwirkung von Seiten der Gesellschaft absolut zweck- und lvirkungslos wäre. Demonstrationen und Deputationen sind aber, wenn man damit nicht durchdringt, stets überaus schädlich. Redner geht zur Besprechung der Lage der Juden in der ganzen Welt über und bemerkt, daß die russischen Juden sich in status quo befinden. Sie sind im Gegensatz zu den rumänischen Juden wenigstens keine Fremdlinge im eigenen Vaterlande. Außerdem gibt es unter den ruffischen Christen, wie auch unter den russischen Juden selbst eine große Anzahl gesunder und thatkräftiger Ele-