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Der Israelit · 1901-07-11 · Heft 54 (11.7.1901) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 54 (11.7.1901)
Date
1901-07-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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4L. Jahrgang. Zweite Anlage zu M 54 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspon-enzen. Deutschland. Berlin, im Juli. Das „Statistische Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes," ein stattlicher Band von 260 Seiten, gut und praktisch ausgestattet, ist soeben erschienen und erweist sich bei genauerer Prüsung als eine eminente Leistung des Bureaus des „D. I. G.-B " Den Hanptbestandtheil bildet das sorgfältig ausgearbeitete Verzeichniß der Gemeinden, mit Seelenzahl, Rabbinern, Vorstehern, Beamten, Vereinen und sonstigen Daten. Dann folgen statistische Tabellen, betreffend die Betheiligung der Juden am höheren Schulwesen Preußens und die Veihülfe aus öffentlichen Fonds zu den Schultosten der jüdischen Gemeinden. Der zweite Theil umfaßt die Behörden, Verbände, öffentlichen Schulen mit Religionsunterricht (höhere und niedere) Vereine für Volksbildung, Stipendienstiftungen, Bibliotheken, Litteraturvereine, jüdische höhere Schulen, Seminare, Vereine und Stipendien von und für Bearuten, zur Beförderung von Handlverk, Arbeitsnachweis des weiblichen Geschlechtes, für Krankenpflegerinnen, Waisen- und Erziehungshäuser, Altersversorgungs - Anstalten und Asyle, Kranken- und Sieckenhäuser, Logen, Bettelvereine, Gemeinden mit Jugendgottesdienst, Zeitungen, Penstonate, Bädersynagogen, Buchhandlungen. Der dritte Theil enthält wichtige neue Entscheidungen und Verordnungen von Behörden. Für die statistischen Daten sind zum Theil bereits die Ergebniste der lebten Volkszählung verwerthet worden. Ganz besonders verdienstlich ist die von Herrn Oberlehrer Dr. Schäfer ausgestellte Tabelle über die Betheiligung der Juden am höheren Schulwesen Preußens. Das Jahrbuch ist für Jeden, der sich irgendwie mit jüdischen Angelegenheiten zu befassen hat. ein geradezu unentbehrliches Hilfs- und Nachschlagebuch. Der Preis von zwei Mark ist bei der Höhe der Herstellungskosten und dem ilmfang des Bandes ein sehr geringer. (Wir können zu unterm Bedauern nicht so sehr in das Lob über das neue Jahrbuch miteinstimmen. Ein sehr großer Theil der darin angegebenen Adressen ist falsch und wenn man den Versuch macht, dieselben zu benutzen, so erhält nian eine große Menge der abgesandten Briese zurück, auf die die Post den Vermerk: Gestorben, Verzogen, Unbekannt, Polizeilich nicht zu ermitteln ete. gemacht hat. Bevor sich der „D.-J. G.-B." nicht entschließt, die auch bei den Adrestenbureaus übliche sogenannte Portogarantie einzuführen, d. h., daß er für jede zurückgekommene Adreffe dem Absender 3 Pfg. vergütet. wird er niemals ein einwandfreies Adressenmaterial erhalten. Auch sind öfters an die Abnehmer Nachträge zu liefern. Der Preis des Buches darf etwas theurcr sein. Für zuverlässiges Material wird auch gern ein entsprechender Preis bezahlt. Red. d. „Jsr.") München, im Juli. Herr Gottfried Merzb a ch e r, der Reife des bekannten Mäcens jüdischer Wissenschaft, Abraham Merzbacher s. A., ist durch einstimmigen Beschluß der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität zum Doktor der Philologie promovirt worden. Gottfried Merzbacher, der nach Besuch einer bayerischen Gewerbeschule bei einem kleinen Meister in Kitzingen das Kürschnergewerbe als Lehrling erlernt hatte, hat hier früher als Meister mit eisernem Fleiße und mit großem Erfolge die Kürschnerei betrieben, daneben aber eifrig als Autodidakt wifsenschaftlichen Studien obgelegen und ist als hervorragender Alpinist und alpiner Schriftsteller schon früher bekannt gewesen. Vor etwa zwölf Jahren hat er sein Handlverk ansgegeben, um ausschließlich seinen wissenschaftlichen Neigungen leben zu können. Im Jahre l891 unternahm er eine große wissenschaftliche Reise, die sich ans mehrere Jahre erstreckte, und deren Ergebnisse er nunmehr in einem bei Dnnker und Humblot in Leipzig erschienenen, großen, zweibändigen Prachtwerke „Aus den Hochregionen des Kaukasus" veröffentlicht hat. Dieses Werl, das von den Fachgelehrten in ausgezeichneter Weise beurtheilt wurde, ist der Anlaß der Merzbacher zu Theil gewordenen Ehrung. Möge der Gelehrte der ihm zu Theil gewordenen Auszeichnung noch lange sich erfreuen und, ohne den Gefahren der neuerlich von ihm beabsichtigten größeren Reise zu unterliegen, heil hierher zurückkehren! Fürth, iin Juli. (Eine Bücherkonfisc a t i o n zu Fürth im Jahre 1702.) Ein sehr interessantes, lehrreiches Schriftchen hat Herr Dr. Ziemlich-Nürnberg veröffentlicht. Interessant u. lehrreich nicht nur für den Forscher, sondern auch für den Laien. Zeigt es uns doch, wie sich in unserer Geschichte gar oft bewährte das Wort der heil. Schrift: „Ihr habet es zum Bösen ersonnen, Gott hat es zum Guten gewandt." Ein Apostat, Philipp Ernst Christfels in Fürth, erhob im Jahre 1702 gegen seine früheren Glaubensgenossen ans Rachsucht die boshafte Beschuldigung, daß ihre Gebetbücher „allerhand Lästerungen" gegen das Christenthum enthielten. Es war eine Anklage, die zu den traurigsten Folgen hätte führen können, da Gotteslästerungen mit dem Tode bestraft wurden. Zur Verantwortung gezogen auirben die Rabbiner R. Bärmann Fränkel, der Vorsänger R. Mosche und fünf Vorsteher.

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