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Der Israelit · 1901-07-11 · Heft 54 (11.7.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 54 (11.7.1901)
Date
1901-07-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1201 Kgl. Kommerzienrath Louis Aronsohn, Herrn Rabbiner Dr. Walter, Herrn Fabrikbesitzer Aron, Herrn Justizrath Dr. Wolffen, Herrn Gutsbesitzer Cohnfeld, und hielt Herr Dr. Walter eine herzliche Begrüßung, verbunden mit einem Segensspruch über das Jubelpaar. Während der Anwesenheit genannter Herren erschien der erste Bürgermeister der Stadt, Herr Knobloch, um dem würdigen Paar im Allerhöchsten Aufträge die Ehejublläums-Medaille mit der Zahl 60 zu überreichen. In einer wahrhaft ergreifenden und liebenswürdigen Ansprache betonte der Herr erste Bürgermeister, daß dieses die höchste Auszeichnung ist, welche einem Sterblichen zu Theil werden kann. Diese Ehrung ist während der Regierung unseres Kaisers zum ersten Male erfolgt und ist dieses das erste Exemplar der Ehejubiläumsmedaille mit der Zahl 60, welches verliehen wurde. Die Herren verweilten noch längere Zeit in der angeregtesten Unterhaltung bei den Angehörigen und Fcsttheilnehmern, welche von Nah und Fern zu dieser seltenen Feier herbeigeeilt waren. Dresden, 8. Juli. Wie der Zusammenbruch in der Leipziger Bank in einzelnen Fällen gewirkt hat, zeigt folgendes Vorkommnis;: Der Gründer des Bankhauses M. Schie in Dresden, so berichtet die „Dr. Ztg.", machte für >en Fall seines Todes ein Testament, nach welchem sein bedeutendes Vermögen in Aktien der Leipziger Baut angelegt werden sollte. Die Leipziger Bank galt damals als mündelsicher. Das Vermögen tollte immer in diesen Papieren liegen bleiben und die Zinsen sollten allein den Erben des Testators übermittelt werden. Als der Erblasser starb, zählte seine Familie 32 Kopte. Das Vermögen sollte sicher gestellt bleiben, so daß kein Familienglied je in schlechte Verhältnisse kommen konnte. Für den Fall, daß einmal kein Mitglied der Familie mehr am Leben war, sollte die hiesige jüdische Gemeinde das Kapital erhalten und verpflichtet sein, die Zinsen alljährlich an Arme zu vertheilen. Der Vorsteher der Gemeinde, Herr Salzburg, wurde, nachdem die Notenprivilegien der Leipziger Bank aufgehoben waren, beim Ministerium vorstellig, mit dem Ersuchen, die Bestimmung des Testaments, das Vermögen in Aktien der Leipziger Bank liegen zu lasten, aufzuheben. Dieses Ersuchen wurde aber abschlägig bcschiedeu, mit der Motivirung, an dem 'Wunsche des Erblassers könne nichts geändert werden. — Herr Vorsteher Salzburg hat dann noch einmal dasselbe Ersuchen an das Ministerium gerichtet, jedoch mit demselben negativen Erfolge. Nach dem Zusammenbruch der Leipziger Bank ist jetzt das große Kapital, das — nachdem tragischer Weise alle Familienglieder des Herrn Schie gestorben waren — an die hiesige israelitische Gemeinde übergegangen war, verloren. E n g l a n d. London. tD i e Juden als Soldaten.) Kapitän G. King Hall, Chef des Stabes der englischen Mittelmeerflotte, hat an den „Jewish Chronicle" nachstehendes Schreiben gerichtet: „Als einer, der sich stets eifrig mit der jüdischen Frage befaßt, und welcher weder die Vergangenheit des jüdischen Volkes vergessen, noch dessen ihm noch bevorstehende glänzende Zukunft jemals außer Acht gelassen hat, hatte ich kiirzlich mit einigen Offizieren eine Diskussion über „die Juden als Soldaten" gehabt. Ich behauptete, daß die englischen Juden ihren reichlichen Antheil an dem Kriege in Südafrika genommen hätten. Da wurde ich von meinen Gegnern aufgefordert, auch nur einen einzigen jüdischen Offizier namhaft zu machen, der in Südafrika aktiven Dienst mit der Waffe in der Hand geleistet hat. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir einige darauf bezüglichen Informationen geben würden." Dieser Brief wurde dem jüdischen Feldprediger, Rabbiner F. L. Cohen, zugestellt, welcher Capitän King Hall ein Verzeichniß von nicht weniger als achtzig jüdischen Offizieren übersandte, welche in der regulären Armee sowohl, wie in der Miliz, in der Aeomanry und unter den Freiwilligen wie unter den Hilfstruppen der Kolonien in Südafrika für England die Waffen ergriffen haben. Dazu fügte Rabbiner Cohen noch ergänzend hinzu: „Bereits im Oktober 1899 zählte die englische Armee in Südafrika 70 jüdische Soldaten in ihrer Mitte. Diese Zahl, welche nur auf privatem Wege ermittelt werden konnte, war bei weitem nicht erschöpfend, denn fortwährend wurden neue Namen als die von jüdischen Soldaten eruirt und nach einem Verlaufe von neun Monaten wies die Liste schon nicht weniger als 600 jüdische Namen auf. Jetzt sind in der englischen Armee in Südafrika 1200 Mann als Juden identifieirt und es ist außer Zweifel, daß nicht weniger als 1500 Juden daselbst auf Seiten der Engländer fechten. Da die Zahl der Juden in allen Theilen des britischen Reiches, Indien, Canada und Australien mit eingeschkosseu, 220,000 nicht übersteigt und in England selbst Höchstens 140,000 beträgt, so werden selbst Ihre wenig judenfreundliche Kameraden zugeben müssen, daß der Antheil der Juden am südafrikanischen Kriege unverhältnißmäßig groß ist." Der größte Theil der jüdischen Soldaten im englischen Dienst ist übrigens, wie jedem Eingeweihten bekannt ist, nicht in England geboren. Ihre Wiege stand nicht an den IIfern der Themse, sondern in Lublin. Minsk und andern nichts weniger als englischen Plätzen. Dieses hindert aber die Herren Dewar, Vincent und Consorten nicht, fortwährend gegen die fremden Einwanderer zu hetzen. Sie haben es bereits soweit gebracht, daß, wie englische Blätter berichten, Lord Salisbury sich bereit erklärt hat, eine Anzahl konservativ-antisemitischer Unterhausmitglieder zu empfangen, um mit ihnen die Fremdenfrage zu besprechen. Auf Wunsch Sr. Lordschaft soll der Empfang als privatim gelten. Das ist der Dank vom Hause England!

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