Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 54 (11.7.1901)
- Date
- 1901-07-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1200 rcliotiöfcr öMcirfigiltigfeii iiber()aiiti(. Alle Mizwoth können und wüsten eingeprägt und ihre Wichtigkeit, Heiligkeit und ewige Verbindlichkeit dargethan werden. Doch wird es wohl rathsam erscheinen, zunächst einmal dem Gange des jüdischen Kalenders zu folgen. Natürlich wird man auch da nicht auf einmal alles, was mit einem Feste oder wichtigen Tage zusammenhängt, darbieten können, rcsb Aufklärung iiber L'pn bei Wein, Zuller ete., Vorschriften über “ircb«- die Omerzeit, das Beten, Gebete und Gebetszeiten, riiLv die c;ö rya-x und s. s., all diese, für das praktisch-jüdische Leben so eminent wichtigen Einzelheiten, die bei den beliebien, allgemein gehaltenen Festbetrachtungen meist recht kurz wegkommen oder ganz übergangen werden, wären einladende Gebiete für ^Ausarbeitung religiöser Flugschriften, die in jüdischen Kreisen zur Bertheilung kommen könnten. Denn nicht in Phrasen und Kampfesworten nach außen hin, sondern in der Kräftigung und Klärung praktisch-jüdischen Wissens und religiösen Lebens im Judenthume selbst dürft: die sveziell jüdische Schriftstellerei ihre Hauptaufgabe suchen und versuchen. Wohl könnte man einwenden, daß das lebendige und belehrende Wort, die Belehrung von Mund zu Mund, viel eindringlicher und wirksamer sein müßte. Leider ist solche aber eben, wie schon bemerkt, vielfach kaum möglich, oder doch mit großen Schwierigkeiten verknüvft, die von vornherein abschrecken. Dann herrscht aber auch einmal im Volke eine ganz besondere Hochachtung, ein gewisser ehrfürchtiger, daher wohl zu beachtender Autoritätsglaube vor dem, „was man schwarz aus weiß/ besitzt, von dem gedruckten Worte. Eigene Belehrung, Wiederholung, Uebung, Rathserholung aus Schriften des eigenen Besitzes fällt keinem schwer. Schwer aber bringt sich der Mann des Volkes dazu, eignes Nichtwissen, besonders auf religiösem Gebiete. dadurch einzugestehen, daß er von anderen Menschen Aufklärung erbittet, oft unterläßt er lieber eine Mizwoh, als daß er sich entschließt, sich über ihre genaue Ausfübrungsweise mündlichen Rath zu erholen. Und wie oft könnte es Vorkommen, daß selbst die, mit Selbstiiberwindung erlangte mündliche Belehrung derart ausfällt, daß sie bester unterblieben wäre! Ein Bedürfniß nach Belehrung liegt aber unstreitig vor. auf die voraeschlagene Weise könnte es befriedigt werden und rrya gute Früchte zeitigen. Sollten diese Anregungen auf guten Boden fallen, fnflteu sie von maßgebender Seite als ausführbar anerkannt werden, dann würde man von den Mistionsbestrebungen, die durch ihre Zusendungen die Idee Hervorriesen. auch sagen können: roiöS u a;. Zeitungsnachrichten und 15orrefponvenzen. Deutschland. Frankfurt a. M, 10. Juli. Wie bekannt, geht die hiesige Firma M. A. von Rothschild und Söhne ".in 1. Oktober in den Besitz der Diskonto-Kommandit- Aktiengesellschaft Berlin über. Dem Einflüsse des Herrn Baron Edmund v. Rothschild ist es zu danken, daß die mitübernommenen Angestellten des Hauses an Sabbat und jüdischen Feiertagen vom Geschäfte befreit sind. Unter der Leitung des seligen Baron Willy war bekanntlich das Geschäft an diesen Tagen vollkommen geschlossen, während, so lange Baron Meyer Carl die Leitung hatte, die Couponskasse an Samstagen durch einen nichtjüdischen Beamten bedient wurde. Hamburg, 8. Juli. Eine Verschmelzung der beiden in der hochdeutschen Israelitengemeinde befindlichen sog. .Klausinstitute soll bevorstehen. Zum Klausrabbiner der Sauruel'schen Stiftung wurde .Klausrabbiner S. K i b berufen. BZandsberk, 5. Juli. (Zur Wahl eines Rabbiners.) Am nächsten Samstag wird der Rabbiner Profestor Josef E n o ch aus Brüll bei Breslau als Bewerber nur die vacante Stelle eines Rabbiners in der hiesigen Synagoe eine Probepredigt halten. Bromberg. Am 1. Juli beging der hiesige Privatier Herr Moriy Saloschin mit seiner Gattin das seltene Fest der Diamanthochzeit. Herr Saloschin, lvelcher am 8. Juli sein 88. Le bensjahr vollendete, war von früher Jugend aus ein eifriger Patriot und trat 1883, in seinem 20. Lebens fahre als Freiwilliger bei der Festungsartillerie in Posen ein, zu einer Zeit, als die Juden in der Provinz Posen noch nicht militärpflichtig waren. Als ihm bei seiner Ansiedelung in Bromberg durch ein Ortsstatut Schwierigkeiten gemacht wurden, wandte er sich, kurz entschlossen, an den hochsel. König, Friedrich Wil Helm III., und dieser veranlaßte, daß sofort sämmtliche Hindernisse beseitgt wurden. Als das Ehepaar am 1. Juli 1891 in voller Rüstigkeit die goldene Hochzeit feierte, wurde ihm durch Se. Majestät den Kaiser die Ehejubiläumsmedaille verliehen. Zur Diamanthochzeit hatten sich zahlreiche Gratulanten eingefunden, um dem Jubelpaar und dem ältesten Bürger der Stadt Bromberg ihre Glückwünsche darzubringen. Schon in früher Stunde hatte sich eine Deputation des Vereins ehemaliger Artilleristen zu Bromberg eingefunden, welchem Herr Saloschin als Ehrenmitglied angehört. Im Laufe des Vormittags fand sich die Deputation der jüdischen Gemeinde ein, bestehend aus dem ersten Vorsteher, Herrn Banquier, Siadtrath und