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Der Israelit · 1901-07-11 · Heft 54 (11.7.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 54 (11.7.1901)
Date
1901-07-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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% 11 SS „Hohe Herrin, die Tochter des Rabbiners heirathet heute und es soll ein solches schönes Paar sein, wie es Tyrnau. vielleicht die Welt nicht gesehen hat." „Wer hat Euch das erzählt?" „Wer? Ganz Tyrnau ist ja voll davon und man erzählt Wunder von der Schönheit der Brautleute." „Mein Emrich war auch schön und wilde Thiere haben ihn zerriffen," klagte die Herzogin. „Gnädige Fürstin!" sagte der Kanzler, um bei der Regentin diese unglückliche Erinnerung zu verscheuchen, „ich will Euch einen Vorschlag machen. Wohnt mit Euren Hofleuten der Trauung im Ghetto bei. Es wird ein neuer Einblick für Euch sein. Die fremden Sitten und Gebräuche werden Euch zerstreuen. Ihr werdet das so bewunderte Paar sehen und zugleich die Belustigung haben, den Schrecken und das Entsetzen zu bemerken, den Euer Eintritt in den Tempel unter den Juden hervorbringen wird. „Ist es aber keine Sünde, in den Tempel der Juden zu treten," frug sie, von einer unerklärlichen Macht getrieben, den Vorschlag ihres Ministers anzunehmen. „Fragt Euern Beichtiger, ich glaube nicht, daß er es verwehrt." Der Beichtiger wurde gerufen und setzte sich dem Vorhaben nicht entgegen. „Es ist gar gut, daß Ihr hingeht," sagte der Mönch, „damit Ihr Euch einmal selbst von den abscheulichen Gebräuchen und den unsere Religion beleidigenden Handlungen überzeugen könnt, die diese verfl. Juden ausüben, und damit Ihr sehen könnt, daß man sie nicht hart genug behandeln kann." Es wurde also beschlossen, in der Gesellschaft des Kanzlers, des Mönches und noch vieler Herren und Damen in's Ghetto zu gehen und der Trauung beizuwohnen. Während sich so ein unheilschwangeres Gewitter über die Häupter der nichtsahnenden Juden zusammenzog, herrschte im Ghetto ein reges Leben, wie seit langem nicht. Heute sollte Hanna, die einzige Tochter des geliebten und verehrten Rabbi Jsak in den Ehestand treten und Alles freute sich und pries die Schönheit des Brautpaares. Der Bräutigam sah wie ein Königssohn aus, so edel, so voll Majestät, wie ein aus David's Königshaus Entsprossener, und Hanna wie eine liebliche Rose aus Saron. Bon dem Bräutigam wußte man nur soviel, daß er aus der hohen Schule zu Wien studirt, von wo er einige Mal im Jahre zu Rabbi Jsak auf Besuch gekommen war. Der junge Mann hatte die Geschichte von Hanna's Rettung dem Rabbi erzählt, aber erst, als er in's Judenthum ausgenommen war. Obwohl der edle Greis schon früher für den Prinzen eine große Zuneigung gefaßt hatte und jetzt eine tiefe Dankbarkeit fühlte, so kränkte ihn doch der Gedanke, daß nicht allein reine Liebe, wirkliche Ueberzeugung für die Religion der Grund des Uebertrittes war, daß eine Leidenschaft für ein Mädchen, für seine Tochter ihn dazu bewogen hatte. „Wenn ich gewußt hätte, daß die Religion nicht die wahre Geliebte für Euch war, daß sie die Strahlen und noch dazu den Nachschimmer von einem irdischen Mädchen entlehnte, ich hätte Euch wahrlich nimmer willfahrt!" sagte er zu ihm, „denn groß war die Gefahr, der ich meine Gemeinde aussetzte und ein treuloser Hirte wäre ich, wenn ich es gethan hätte, um mir einen Schwiegersohn zu verschaffen. Doch jetzt ist es vorbei und Gott wende Alles zum Guten!" (Fortsetzung folgt.) Der „giioelit“ erscheint wöchentlich zweimal, Montag» nnd Donnerstag», jebdaul iz mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Ma» abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. A Kteinacker, Neip?lg, Noßplatz jb. — Inserate 25 Pfennig die vierAespaltene Petitzeile »der deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'i Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702 Telephon 315. Cfoe Rücksendung der an die Redaktion eingesandten Manuskripte findet nicht statt, »an bittet deshald, fich von alle« Einsendungen eine Copie zurückzubehalte«. Stelleusncheude erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und fraue» hngefandt» Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des JnserttonSbettagS an anher Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solche«. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Jüdische Rache — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Aurich. Oesterr. Ung. Monarchie: Wien. Rußland: Petersburg. Türkei: Anatolien. — Feuilleton: Der Prinz von Tyrnau. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Jroiü? IT DJ — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M Hamburg. Wandsbeck. Bromberg. Dresden. England: London. Rußland: Kischiutew. Afrika: Algier. — Mittheilungen aus den jüd. Armenvereinen und für dieselben: Hall. Inhalt der zweite« Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Fürth. Oester.- Ung. Monarchie: Prag. England: London. Extra Beilage: „Sprüche der Väter." Verantwortliche Redaction OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit*, Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der 3oh. Wtrth'scheu Hofbuchdruckerei Actien-Sefellfchaft in Mainz. Hierr« drei Beilage».

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