Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-07-11 · Heft 54 (11.7.1901) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 54 (11.7.1901)
Date
1901-07-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449198--53744-2504424
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1192 Schicksalsschläge und schwingt sich mit verjüngter Kraft zu Gott empor. Durch die bösen Absichten des Antisemitismus dürfen seine heilsamen Folgen nicht verkannt werden. Das Gute, welches Pharao, Sisra und Haman erzeugt und gefördert hatten, wurde belohnt, indem ihre Nachkommen hervorragende Führer und Gesetzeslehrer waren. Israel darf nicht die Hand des Aufruhrs gegen die Geißelschwinger erbeben, und der Gedanke an ihr Verdienst soll die unedlen Gefühle der Rache und Vergeltung aus seinem Herzen tilgen. Wohlthätig ist die Macht des Angriffes, wenn er sich nur auf das Aeußere beschränkt. Doch furchtbar wird diese Kraft, wenn sie Dte Geistesschätze angreift. Diese ist um so gefährlicher, weil sie nicht abstoßend häßlich, sondern reizend schön und liebevoll erscheint. Die Leidensgeschichte Israels zeigt uns auch Gestalten, welche durch heuchlerische Liebe unter der Maske der Freundschaft und Verbrüderung ihm einen Strick winden wollten. Mit solchen Mitteln kämpfte Vileam, welcher an Verschlagenheit und Arglist alle Feinde übertraf. In der richtigen Erkenntniß, daß leibliches Elend Israel wunderbar stärkt und kräftigt, B’itfea DNare brr, was der Auszug aus Egypten bestätigt, wollte er ihm das heiligste Vermächtniß, das kostbarste Erbgut, die Thora, entreißen und dadurch seinen Lebensnerv tödten. Das Radikalmittel war nach seiner Anschauung das Schließen der Lehrhäuser, denn dadurch wäre der zarten Jugend die Muttermilch entzogen, nairrb ijx pbia' ib ne# aj^aa a^ya pcie^c nay rrb mjyjnrr o« ante rreja ’na ^y vwi '3b enf? *ia» n d:-6 ptoy an# )»b dni Dr6 ptzia' ans rr afcpa pDj»jw (Dt ba ipy m' BH'm apy* *?ipn airaa cnnsan ptp itry m' ann p« nimo tqi wa» 'naa apy ^p i^py .cnaw nnSia naa en-ra) 'm aw'n '*b am „Niemand ging so weise und planmäßig vor als Bileam. Als man ihn fragte, wodurch diese Nation zu überwältigen sei, sagte er: „Gehet in ihre Lehrhäuser und horchet, wenn die Kinder dort lernen, ist alle Mühe vergebens, wenn aber nicht, sind sie leicht zerbrechlich: denn ihr Vater gab ihnen die Versicherung: So lange Jakob's Stimme in den Lehrhäusern ertönt, sind Esau's Hände machtlos, verhallt aber der Kinderton, sind sie furchtbar stark." .brrae»' YTiuapa apy -pbaorr iats na „Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen Israel!" Aus den Segnungen sind die ursprünglich beabsichtigten Flüche Zu erkennen, da Gott letztere durch unmittelbare Einwirkung in fromme Wünsche verwandelte. Mit seltenem Scharfblick wußte dieser Seber klar und bestimmt die empfindlichste Stelle zu treffen, wo dem Judenthum mit unfehlbarer Sicherheit der Todesstoß versetzt werden konnte. Die unverwüstliche Lebenskraft und Widerstandsfähigkeit, welche die gewaltigsten Beherrscher der Erde nicht zu brechen vermochten, liegt in der ewig frischsprudelnden Quelle der Thora. Wenn diese verschüttet wird, sind seine Herz'asern zerschnitten. Drei Männer, erzählt der Midrasch, betrachteten einen tief in der Erde wurzelnden Baum, besten mäch tiger Stamm sich kühn erhob und die dichtbelaubten blätterreichen Aeste nach allen Seiten verbreitete. Voll von Bosheit beschlossen sie, den Baum zu verderben. Der Eine rieth, ibn des stolzen Wipfels und der weitverzweigten Aeste zu berauben. „Dies kann ihm nicht schaden," rief der andere. „Wohl würde er kurze Zeit kahl und schmucklos sein, aber der gesunde, kräftige Stamm wird wieder blühen und in üppigem Wuchs sieb herrlich entfalten. Der vrächtige Stamm muß gefällt werden! „Damit ist unser Ziel noch nicht erreicht," sagte der Dritte. „So lange die festen Wurzeln in der Erde stecken, können sie wieder Hervorbrechen und in verjüngter Gestalt neues Leben erwecken. Seine Wur zeln müssen der Erde entrissen werden, dann ist er ver nichtet!" Vharao, Laban und Bileam wollten Israel zermalmen. Durch Pharao's Befehl: „Alle neugeborenen Kinder werfe man in's Wasser," waren nur die Zweige geschädigt. Laban wollte den Stamm zerstören; hingcaen Bileam wollte den Lebenskeim ersticken und die Wurzeln aus der Erde reißen. Als er trotz der Schliche und Opfergaben Gott nicht für seine verderblichen Pläne gewinnen konnte, kam er auf den teuflichen Entwurf. Israel mittelst Schwelgerei und Ausschweifung zum Abfall vom Ewigen zu verleiten. Durch den mächtigen Zauber der Sinneslust unterliegt der Mensch in den meisten Fällen der Leidenschaft, wenn ihm der Verführer in den reizendsten Farben die Gelegenheit zuführt, und darauf gründete Bileam seinen verruchten Plan, (ba> arr^s nat Alles ist nutzlos, wenn Gott ihnen bei sieht. Zwischen sie muß man einen Keil schieben; der Zorn ihres mächtigen Beschützers muß gegen sie entfacht werden, damit er sie verderbe, u. dann sind sie rettungslos verloren. pa-injo. ncr xjip 'bx bv crr^s. Ihr Gott haßt die Unzucht. Durch die sittliche Verirrung werden sie ihm entfremdet, und die Fackel der Zwietracht ist entzündet. Diesem tiickischen Rathe fielen 24.000 Menschen zum Ovfer. — Bileam dachte, daß die Urheber schadenfroh und ungestraft das furchtbare Schauspiel des entladenen Grimmes des strengen Sittenrichters ansehen könnten, darin irrte aber der schlaue Bösewicht. Keine Sünde wird mit solch' unerbittlicher Strenge und Schärfe geahndet, als die der Verführung. Die Thora, welche die Nächstenliebe als den Kern ihres Inhaltes bezeichnet und selbst gegen den Feind Großmuth, Versöhnung und Vergeltung des Bösem mit Gutem, so oft und eindringlich fordert, ist rücksichtlos gegen Verführer. Gegen ihn kennt sie keine mildernde Umstände und entzieht ihm selbst das heiligste Recht der Vertheidigung. Als das erste Menschenpaar der Ueberredungs-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.