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Der Israelit · 1901-07-08 · Heft 53 (8.7.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 53 (8.7.1901)
Date
1901-07-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1185 B. B.", die auch eine Broschüre über ihre Wirksamkeit in dieser Sache herausgegeben hat. (Hamburg 1900. M. Leßmann.) Gerade weil die judenfeindlichen Blätter aus dieser Affaire so viel Kapital schlagen, sollte diese Thatsache besonders hervorgehoben werden. Mnncbcn, 8. Juli. Durch einen schweren, innerhalb weiter Kreise der hiesigen Gemeinde miiempfundenen Verlust ist eine allgemein geschätzte hiesige Fa- -nilie in tiefste Trauer versetzt worden. Im Alter von kaum 50 Jahren ist am 1. dss. Mts. Frau Lina O f t e n b a ch e r nach langem, qualvollen Leiden, verschieden. Die Verblichene verstand es, ein jüdisches Haus zu erbauen kraft ihres acht jüdischen Sinnes, kraft ihres von verständnißvoller Glaubensinnigkeit durchgeistigten Wesens, kraft ihrer beispielgebenden Lebensführung. Sie verstand cs auch, ein jüdisches Haus zu erhalten und cs auszuschnlücken mit der Zierde jüdischer Sitten und jüdischer Tugend, es zu durchhellen mit dem Sonnenglanz jüdischer Ideale. Aus einer in hohem Ansehen stehenden Würzburger Familie hervorgegangenen, hatte sie eine vortreffliche Erziehung genossen und Gelegenheit gefunden, sich eine universelle Bildung anzueignen; nicht minder wurden ihr aber auch von frühester Jugend an warme Liebe für unsere Religion und wahre Begeisterung für unsere Glaubensziele in's Herz gepflanzt. Von diesem Geiste war ihr ganzes Leben durchweht, und mit solchen Eigenschaften ausgerüstet, ward es ihr leicht, nicht allein in den Tagen des ungetrübten Glückes ein Gott und den Menschen wohlge fälliges Leben zu fuhren, sondern auch in trüben, stürmisch belvegten Tagen das gleiche Gottvertrauen zu bethätigen und sich bei allen Wandlungen des Schicksals eine heitere, hoffnungsfreudige Lebensauffassung zu bewahren. Zum Beweis dafür braucht nur erwähnt zu werden, daß sie. die schon vor Jahren ihren lange vorher immer schwer leidend gewesenen Gatten verlor, mit schönstem Erfolg die Aufgabe löste, ihre sämmtlichen Söhne in Gottesfurcht und Glaubenstreue großzuziehen und auf solchem Fundament für jeden derselben auch eine Eristenz zu schaffen; daß es ihr nicht minder auch gelang, zwei Töchter mit gesetzestreuen, charakterfesten Jehudim den Bund für's Leben schließen zu »ehen. Die Mittel, mit welchen sie diese Ziele erreichte, bestanden in ihrer tief wurzelnden Religiosität, sowie in der herzgewinnenden Anmuth und der fesselnden Liebenswürdigkeit ihres Wesens. Auf ihrem langen, dornenvollen Schmerzenslager verließen sie niemals Geduld u. Gottergebenheit; stets bewahrte sie für ihre Umgebung die gleiche Liebe und Herzensgüte. Aus dem Hymnus, welchen der königliche Sänger dem Biederweibe widmet, ließen sich so viele Sätze mit Fug und Recht auf die Heimgegangene anwenden. Als besonders charakteristisch und für ihr Wesen zutreffend möge nur der eine Vers Erwähnung Unden; .12277inns rrö by icn mwn Klugheit und geistreiches Wesen waren in ihr ebenso ausgeprägt, wie Tugend und Frömmigkeit. Wer sie gekannt, hat sie geliebt. Jeder, der dieser herrlichen Frau im Leben einmal näher getreten, wird ihrer niemals vergessen und ihr Andenken stets in hohen Ehren halten. England. London. Ueber die Zahl der armen Juden in England liegen nunmehr in einem eben veröffentlichten unter der Redaktion oer Einwanderungskommission des Londoner „Board of Deputies" erschienene Bericht sämmtlicher jüdischer Wohlthätigkeitsvereine Englands interessante Daten vor. Danach beträgt die Zahl aller an fremde Juden in ganz England während der vierjährigen Periode 1897—1900 gewährten Unterstützungen 81,967, wovon nur 7104 an Leute vergeben wurden, welche weniger als drei Jahre in England lebten. Das Jahr 1900 weist fast überall ein plötzliches Ansteigen der Zahl der Unterstützungsbedürftigen auf, eine Thatsache, aus der allein schon der zukünftige Historiker auf eine große Katastrophe, welche in diesem Jahre das Judenthum betroffen haben mußte, schließen wird. Die meisten jüdischen Armen weist die Stadt London mit ihrem kolossalen jüdischen Ghetto auf. Die Zahl der dqsselbst gewährten Unterstützungen betrug 1897 2079 und blieb bis 1900 ziemlich konstant, ein Beweis, daß die Armuth in East-London keineswegs im Steigen begriffen ist. Dasselbe läßt sich von Birmingham, wo die jüdische Bevölkerung im steten Wachsen begriffen ist, ebenso von Eardisf und Bradford sagen. In Brighton, wo 660 Unterstützungen gewährt wurden, kamen 60 pCt. auf alte professionelle Schnorrer, welche seit vielen Jahren in England wohnen und den Wanderbettel als ihr Hauptgeschäft pflegen. In Glasgow, dessen jüdische Bevölkerung auf 6000 geschätzt wird, kamen 1174 Unterstützungfälle vor. Zahlreiche Unterstützungen mußten in Hüll, das als wichtiger Hafenplatz von den Emigranten stark in Anspruch genommen wird, sowie in Leeds, wohin zahlreiche Juden, die in London auf keinen grünen Zweig kommen können, ihre Schritte lenken. Hüll gewährte 4867 Unterstützungen (davon 2410 an eben angekommene Juden, während Leeds 4141 mal Armenunterstützung gewähren mußte. In Liverpool und Newcastle, welche 1897 resp. 1691 Fälle hatten, haben aucki 68 englische Juden die Hand ausstrecken müssen. In Liverpool ist eine starke Abnahme der armen Juden zu konstatiren; dasselbe läßt sich von Newcastle mit seiner aufblühenden Kleiderindustrie sagen, welche eine starke Einwanderung von russischen Juden aus London zur Folge hat. Im Ganzen läßt sich aus dem Bericht ersehen, daß die Lage der russischen Juden in England keineswegs so ungünstig ist, und daß namentlich diejenigen, welche schon seit längerer Zeit in England wohnen, sich eines

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