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Der Israelit · 1901-07-08 · Heft 53 (8.7.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 53 (8.7.1901)
Date
1901-07-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1180 ler" Mann, die Arbeit den Rumänen zu einem Preise von nur IO pCt. unter dem Kostenvoranschlage. Ein Herr Popper, ein reicher Holzhändler, wollte ein Haus bauen, und da er Jude ist, jüdische Arbeiter beim Baue beschäftigen. Da kam er aber schlecht bei den antisemitischen Hetzern an. Der berüchtigte Trunkenbold und Agent der konservativen Partei. Janlo Brateskn, kam an der Spitze mehrerer hundert Arbeiter zu Herrn Popper und wollte ihn durch Terrorismus zwingen, sein Haus in dieser schweren Zeit durch Nichtjuden bauen zu lassen. Herr Popver ließ sich zwar nicht einschüchtern, um sich aber Scherereien zu ersparen, beschloß er, den Bau zu unterlassen, obzwar er die Vorarbeiten schon gemacht hatte. Wie benehmen sich nun demgegenüber die Führer der rumänischen Judenschaft? Diejenigen, welche das vom Auslände geschielte Geld verwalten und vertheilen, als ob ße es aus ihren eigenen, gut verschlossenen Taschen hergeben würden? Was nun folgt, wird gewiß Vielen unglaublich scheinen, es ist aber doch die heiligste Wahrheit. Die „I. C. A.", oder die Pariser „Alliance", oder beide zusammen haben das n'öthige Geld zum Baue einer Gewerbeschule für Mädchen gespendet. Nachdem der Bürgermeister seine Volksgenossen bei Vergebung der SubmissionsarbeiLen unterstützt hat, was wäre natürlicher, als daß die ungebetenen und falschen Führer der Juden auch ihre unglücklichen, doppelt verfolgten Glaubensgenossen unterstützten . . . So wäre es natürlich, aber was natürlich ist, das ihnen einmal die Mitglieder der hiesigen jüdischen „Aristokratie" nicht. Der Bau der Schule wurde an einen — Italiener vergeben, welcher nunmehr keine jüdischen Arbeiter anstellen will. Aus den Protest der jüdischen Arbeiter wurde erwiedert, der Italiener sei billiger, anderen Protesten gegenüber wurde ertlärt, jeder jüdische Arbeiter werde angeftellt, es kämen aber keine. Als aber dennoch eine Versammlung von hundert protestirenden Arbeitern zu Stande kam, da riefen die Herren nach der Polizei, und die heilige Hermandad Bukarest's beeilte sich, jüdische Arbeiter, auf das Verlangen jüdischer „Fruntaschi" (hervorragender (!!) Juden) zu verhaften. Dieses Vorgehen richtet diejenigen, welche noch über zwanzig Jahre nach 1878 das Vertrauen der „Alliance" genießen Er geschieht aber nicht zum ersten Male, daß sie so Vorgehen, denn wir wissen es ganz genau und aus guter Quelle, daß diese „Notablen" den früheren Polizeivräfekten Alpin direkt aufgefordert haben, gegen rebellierende Juden, welche die Herrschaft der Focschaneau, Beck, Stern u. s. w. nicht ertragen wollen, das Ausweisungsgcsetz zur Anwendung zu bringen, jenes Gesetz, welches das infamste unter all' den vielen gegen uns gerichteten ist. Diese Angelegenheit bedarf der eingehendsten Untersuchung. Vermischtes. Schwabach. Infolge der schweren Erkrankung des Herrn Rabbiners i1. Witzmann ist Herr Dr. Manes aus Posen mit der Verwaltung des hiesigen Rabbinats betraut worden Herr Tr. Manes hat seine Ausbildung am Rabbiner-Seminar zu Berlin erhalten. Feuilleton. Der Erbprinz von Tizrnau Kistovifche Wovelte von Karolirre Deutsch. Während dieier Worte, die stockend und zitternd vor innerer Erregung zu ihr drangen, sammelte sich Hanna mit jener Willenstraft und Selbstverleugnung, die große Herzen kennzeichnet. „Gnädiger Herr!" sagte sie, und ihre Stimme klang sanft, aber fest und ruhig. „Ich habe Euch nicht sehen wollen, weil es zu nichts führen kann, und weil es nicht sein darf. Ich kann nur in meinen Gebeten, in meinen Gedanken an Euch denken und anders nicht." „Hanna, Hanna! so sprechen Deine Lippen, aber Dein Herz weiß nichts davon. Sieh', ich kann nicht ohne Dich leben. Der Strahl Deiner Augen ist mein Sonnenlicht geworden und seitdem es mir fehlt, bin ich elend unk unglücklich. Sage mir. ob Du mich liebst, ob Dn an mich gedacht hast und ich 'will mich entfernen." — „Gnädiger Herr, Ihr habt mir das Leben gerettet, es gehört Euch, und zu jeder Stunde bin ich bereit, es Euch zum Qpfer zu bringen. Mehr verlangt nicht von nur!" —■ „Dn liebst mich also nicht? Dein Herz fühlt nichts für mich?" „Dankbarkeit, tiefe, unendliche Dankbarkeit." „Mehr nichts?" „Mehr nichts," sagte Hanna und ihr Herz drohte still zu stehen. „Das Zittern Deiner Stimme straft Deine Worte Lügen," versetzte der junge Mann. „Q, Hanna, bei dem Haupte Deines Vaters beschwöre ich Dich, sage mir, daß Dein Herz nichts davon weiß, was Deine Lippen sprechen, rekte mich!" „Gnädiger Herr!" sagte Hanna, „Ihr seid ein edler Mann und tragt in Euch ein Herz voll Liebe und Erbarmen. Warum wollt Ihr die, die Ihr so liebevoll gerettet, in grenzenloses Elend stürzen? Warum über Menschen, die seit einigen Jahren erstRuhe genießen, ihr altes Weh bringen? Was kann, was darf ich Euch sein? Ich frage Euch selbst. Ich bin eine Jüdin. Euer Weib kann ich nicht werden, — oder soll ich mich taufen lassen und das greise Haupt meiner Eltern der Schmach, der

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