Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 53 (8.7.1901)
- Date
- 1901-07-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1178 Berechtigung der Israeliten daselbst auf unentgeltliche Friedhofbenutzung außer Zweifel, wetzhalb der Anspruch gegen Sarah Schmalgrund auf Bezahlung von 37 Mk. mit Recht zurückgewiesen wurde. Fürth. im Juli. Am 6. v. Mts. versammelten sich dahier ungefähr 46 Herren aus allen Gauen des rechtsrheinischen Bayern, um unter der bewährten Leitung des Herrn Jusiizrathes Gunzenhäuser die siebente Generalversammlung des „Landesvereins für israelitische Kultusgeweinden in Bayern" dahier in der freundlichst zur Verfügung gestellten und sinnig dekorirten Aula der israelitischen Realschule abzuhalten. Nachdem die Begrlltzungsworte geboten und erwiedert waren, begann die Sitzung mit einer begeisterten Huldigung für unsern allverehrten Prinzregenten Luüpold. Sodann berichtete der Vorsitzende über das oerfloffene Vereinsiahr, wobei er seinem Bedauern über das Ausscheiden des Herrn Dr. Bamberger-Hanau Ausdruck verlieh und dessen Nachfolger, Herr Dr. Cohn-Burgvrevpach, herzlich begrüßte. Ueber den Stand der Kaffe referirte sodann unter Worten der Anerkennung für die Kaffaführung der Revisor, Herr Kommerzienrath Gallinger-Nürnberg. Für das Jahr 1901 wurde im dritten Punkt der Tagesordnung an Unterstützungen für kleinere Gemeinden Mk. 7430 bewilligt, von welcher Summe fast die HäUte für Erhöhung der Gehalte gering besoldeter Lehrer, sowie für Pensionen an emeritierte Kultusbeamte oder deren Relikten bestimmt ist. Daran schloß sich eine sehr eingehende Diskuffion über die weitere Verwendung der im vorigen Jahre von dem eingesetzten Komitee für die rumänischen und osteuropäischen Juden gesammelten Summe. Im Anschluß hieran wurde in ausgedehnter Debatte über die Stellungnahme zu dem in Berlin neugegründeten Hilfsoerein gesprochen. Als Resultat dieser Diskuffion ist der Beschluß zu erachten, welcher lautet: „Der Landesverein nimmt von der durch Herrn Rabbiner Werner berichteten Gründung des Hilfsvereins Kenntniß." Nachdem noch der Beitrag des Landesvereins für den ..Centralverein der Staatsb. jüd. Glaubens" auf das Vierfache auf Antrag Neubürger-Werner erhöht worden war, schritt man zu den Wahlen, aus denen sowohl der Vorstand, als auch die Commissionen in ihrer alten Zusammensetzung als neugewählt hervorgingen. Mil herzlichen Worten des Abschiedes schloß der Vorsitzende Abends halb 6 Uhr die Sitzung, welche mit zweistündiger Bause acht Stunden gewährt hatte und auf's Neue Zeugniß dafür ablegte, wie segensvoll die vom Landesverein glücklich zum Ausdruck gehrachte Vereinigung zu wirken berufen ist. Ans Baden, im Tamus. Die Gemeinde Neidenstein, Rabbinatsbez. Heidelberg, sucht in Folge Ablebens d-s seitherigen Lehrers einen solchen, der auch Vorbeter und Schochet sein muß. Es muß jeden echten Jehudi wohlthuend berühren, wenn er hört, daß ein Bewerber, der auf der Hinreise nach Neidenstein erfuhr, daß man in dieser kleinen Gemeinde ein Harmonium beim Gottesdienste benütze, kurzer Hand umkehrte. Ein anderer, der zum Probevortrag in Neidenstein war, äußerte sich, daß er nur dann die Stelle annehmen könne, wenn das Harmonium nicht mehr benützt würde. Auch bezüglich der Schechita betonte dieser Herr seinen Standpunkt, was ihm allerdings sofort die Metzger zu grimmigen Gegnern machte, so daß seine Wahl nicht mehr in Betracht kommt. Wir freuen uns, von dieser echt jüd. Denkungsart hier Kenntniß geben zu können. — Man fragt sich, wieviele Herren sich noch vorstellen müssen, bis der „richtige" herausgesunden sein wird. Gemmingen. im Juli. Ein Akt von Undankbarkeit bildet gegenwärtig das Tagesgespräch Hierselbst und in der Umgegend. Ein armer, lediger Mann des badsschen Oberlandes, welcher alljährlich mehrmals mit wenigen Maaren, wie rimb, Koscher-Seife etc., die israelitischen Gemeinden des Landes besucht, kam vor einiger Zeit auch nach Gemmingen, wo er von dem hiesigen Kaufmanne, Herrn Gustav Oppenheimer, zum Mittagstisch eingeladen wurde. Der Gast mochte wohl mit den Kindern gespielt haben, was ein Hündchen nicht leiden wollte und dem Fremden in einen Finger biß. Die Familie Oppenheimer wusch sofort die kleine Wunde aus und verband dieselbe. Was that nun dieser Gast? Er nahm einen Rechtsanwalt und verklagte im Armenwege seinen Wohlthäter beim Großh. Amtsgerichte Eppingen wegen einer Forderung von h u n - der: Mark als Schmerzensgeld. Was sagen Sie dazu? B. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 4. Juli. (Die Wahlniederlage der Wiener Antisemiten.) Das Landtagsmandat des zehnten Wahlbezirkes von Wien (Favoriten) ist der christlich-sozialen Partei entrissen worden. Es war ein heißer Zweikampf zwischen den Cristlichsozialen und den Sozialdemokraten, der im Arbeiterviertel von Wien ausgefochten wurde. Das Mandat von Favoriten hatte früher der antisemitische Hochschulprofessor Schlesinger inne, ein schwatzhafter, alter Herr, der sein Lebtag von „Volksgeld" träumte und unter den antisemitischen „Barrierestöcken" die „Intelligenz" zu vertreten berufen war. Sein Mandat stammte noch aus der Zeit der alten Wahlordnung; die Ersatzwahl mußte bereits mU der neuen, breiteren Wahlrechtsgrundlage vorgenommen werden, durch welche die Zahl der Wähler in Favoriten von .3000 auf 12 000 erhöht wurde. Die sozialdemokratische Partei nominirte für das Mandat ihren Führer Dr. Viktor Adler, die bürgerlichen Fortschrittsparteien reservirten sich. Man konnte an diesem Erempel die hilflose Zerklüftung des Wiener Parteiwesens studire«; deutsche Fortschrittspartei, deutsche Vollspartei und deutsch-nationale