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Der Israelit · 1901-07-04 · Heft 52 (4.7.1901) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 52 (4.7.1901)
Date
1901-07-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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‘.r~ 1166 Drei volle Stunden haben zwei große Talmudkenner vebattirt und disputirt, und schwammen vor Wonne in höheren Regionen. Da bekam die Sache eine Wendung. — Es erschienen zwei Mädchen in der Lernstube. Der Gastgeber stellte seine beiden Töchter vor, und bat den Rabbi, er möge selbe in *pn prüfen — was gern geschah. Das Erstaunen des Rabbi war um so größer, als die Töchter in unseren heiligen Schriften sehr bewandert waren; da gab's keinen Segensspruch, den die beiden Mädchen nicht auswendig wußten. Das war eine Ersch-inung, die in ganz Ungarn nicht anzutreffen war, — diese feinen Mädchen, denen man nichts „Jüdisches" ansah, mit dieser Thörakenntniß. — Der Rabbi wußte nicht, ob er wache, oder ob alles nur ein Traum sei. Er mußte Gewißheit haben und sagte endlich: „Ich habe mich bis jetzt nicht vorgestellt, ich bin Rabbiner Schreiber aus Preßburg. Mit wem habe ich die -1122? Wer seid Ihr?" „Ich bin Baron Rothschild — der sich glücklich schätzt. Sie, lieber Herr Rabbiner, als sein Gast beherbergen zu dürfen." Der Rabbi konnte vor Rührung nicht antworten. Er sprach das ^'nn^-Gebet und segnete die Kinder des Barons. Er erzählte uns mit Thränen in den Augen: „Ich habe in Deutschland Vieles gesehen, habe sehr viel -1:22 gehabt, die Erinnerung an diese Stunden, an diesen Zadik, an diesen bescheidenen, göttlichen Mann, an dieses gastsreundliche Haus, sie wird stets zu den herrlichsten und schönsten meines Lebens zählen." Die beiden Großen in Israel, sie weilen im Paradiese und laben sich im Abglanze der Herrlichkeit Gottes, gerade so, wie vor vielen Jahren, wo sie sich gegenseitig an unserer heiligen Thora ergötzten. Möge ihr war uns beistehen jdx. ZettungSttachrichle« und Correspondenzen. Deutschland. Bruchsal, 2. Juli. Dem dreizehnten Jahresbericht des „Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogthum Baden" entnehmen wir: Die sechste ordentliche Generalversammlung unseres Vereins fand am 26. August v. I. in Offenburg statt. Geleitet wurde sie von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Rawicz, dem als Schriftführer die Herren Karl Haberer von O^fenburg und B. Herzberger von Breiten zur Seite standen. Bei Beginn der Verhandlungen gedachte der Vorsitzende der großen Verdienste des Gründers und langjährigen Vorsitzenden des Vereins, des nach Berlin berufenen Herrn Rabbiners Dr. Eschelbacher von Bruchsal und stellte den Antrag., demselben den Dank der Generalversammlung für seine langjährige, uneigennützige, verdienst- und mühevolle Arbeit für den Verein in einem Telegramm auszusprechen; dieser Antrag wurde mit allgemeinem Beifall einstimmig angenommen. Der hierauf erstattete Rechenschaftsbericht wurde gut geheißen und die seitherigen Mitglieder des Vorstandes auf vier Jahre, diejenige der Prüfungskommission satzungsgemäß auf zwei Jahre wiedergewählt und zum Ort der nächsten Generalversammlung Bruchsal bestimmt. Es wurde beschlossen, der nächsten Generalversammlung vorzuschlagen, folgende Bestimmung unfern Satzungen anzufügen: £ 3 fl. Mitglieder, welche sich besondere Verdienste um den Verein erworben haben, können zu Ehrenmitgliedern durch c>en Vorstand ernannt werden;" dem Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher soll diese Ehre zuerst zu Tbeil werden. Im Laufe des verflossenen Jahres hatten wir den Verlust zweier hochherziger Mitarbeiter und Freunde unseres Vereins, der Herren Ausschußmitglieder Heinrich Hanauer in Adelsheim und Sam. E. Levi in Konstanz zu beklagen, welchen wir ein dankbares Andenken bewahren werden. Der Stand unserer Pfleglinge ist folgender: Am 1. Januar 1900 94, entlassen im Jahre 1900 18, neu ausgenommen in demselben Jahre 16, Stand am 1. Januar 1901: 91. Von den achtzehn aus unserer Fürsorge entlassenen Kindern wunderten sieben nach Amerika aus, vier haben ihre Lehrzeit (ein Knabe als Sattler, ein Knabe als Bäcker und zwei Mädchen als Näherinnen) vollendet, drei Knaben widmeten sich dem kaufmännischen Berufe und drei üben eine gewerbliche Thätigkeit bei ihren Familien aus. — Von den insgesammt zur Zeit in unserer Fürsorge sich befindlichen Kindern sind elf in Pflege bei dafür geeigneten Familien untergebracht, vier Knaben werden zu Handwerkern (je einer hiervon mit Unterstützung des „Vereins zur Förderung des Handwerts in Freiburg bezw. Karlsruhe) ausgebildet, ein Knabe ist in einer Anstalt für Cretinen untergebracht, ein Knabe ist Kaufmannslehrling und die übrigen befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbeiträgen bei Verwandten. Wenn wir auch zu unserm Bedauern feststellen müssen, daß die Mitgliederbeiträge gegenüber den Vorjahren zu rückgegangen sind, so müssen wir doch dankend anerkennen, daß sehr viele unserer seitherigen Mitglieder uns, außer mit ihren Jahresbeiträgen, auch noch mit reichlichen Spenden bedacht haben, so daß, wie unser Rechenschaftsbericht ausweist, die Jahreseinnahmen an Mitgliederbeiträgen und Spenden zusammen immerhin noch etwas größer sind, als die Aufwendungen für unsere Pfleglinge. Dankbar haben wir auch anzuführen, daß uns fünf Stiftungen im vergangenen Rechnungsjahre zuge-

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