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Der Israelit · 1901-07-04 · Heft 52 (4.7.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 52 (4.7.1901)
Date
1901-07-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1161 wendet wurden. Wir werden den edlen Stiftern ein treues Andenken bewahren und hoffen, daß das Beispiel dieser echt jiidischen Bethätigung humanen und edlen Wirkens, auch andere Glaubensgenossen zur Nacheiferung anspornen mögen. Wir danken allen unseren Mitgliedern und Freunden für ihre treue und liebevolle Unterstützung, die sie uns durch ihre persönliche Mitwirkung und Arbeit sowohl wie durch Zuwendung von Mitteln zu Theil werden ließen, und bitten, uns auch fernerhin ihr Wohlwollen zu bewahren. An die verehelichen Synagogenräthe erlauben wir uns noch das freundliche Ersuchen zu richten, unsere Humanitären, für die jüdische Bevölkerung von Baden gewiß segensreichen Bestrebungen gütigst dahin zu unterstützen, daß sse die bisher unserm Vereine fernstehenden Angehörigen ihrer Gemeinden — besonders die jüngeren Gemeindemitglieder — für ihn zu gewinnen bemüht sein mögen. Der Vorstand besteht aus den Herren- Stadtrath und Vorsteher Louis Marx, Vorsitzender: Bezirksältester Moritz Marx, Stellvertreter des Vorsitzenden; Synagogenrath Alex Dreifuß, Schriftführer und Synagogenrath Emil Marx, Rechner; ferner aus den Herren Rabbiner Dr. M. Doktor, Vorstand der Handelsgenossenschaft L. Groß, Stadtrath u. Synagogenrath N. Katz, Synagogenrath Dr. I. Kusel, Rabbiner Dr. M. Appel in Karlsruhe, Bezirksältester B. Herzberger in Breiten, Rabbiner Dr. A. Lewin in Freiburg, Rabbiner Dr. L. Löwenstein in Mosbach, Rabbiner Dr. B. Mayer in Bühl, Bezirksältester I. Nordmann in Lörrach, Rabbiner Dr. M. Rawicz in Offenburg, Rabbiner Dr. I. Spitz in Gailingen.. Die Vervfleaunqskosten der Waisen erforderten ca. 14,000 Mk. England. London, im Juli. (Die Fremdenfrage im ll n t e r h a u s e.) Mr. Dewar, von jüdischen Gnaden antisemitischer Abgeordneter für Tower Hamlets, St. Georgs, hat sein bei der Gründung der famosen antisemitischen „Gesellschaft der britischen Brüder" abgegebenes Versprechen, die Frage der Einwanderung fremder Juden, im Unterhause so lange anzuschneiden, bis dieselbe im antisemitischen Sinne gelöst werden wird, am 17. Juni eingelöst. In der Sitzung des Unterhauses von diesem Tage richtete er an die Regierung die Frage, ob es ihr bekannt sei. daß im Laufe des vergangenen Jahres zahlreiche Fremde aus Rußland, Polen und Rumänien in der Erwartung nach London herübergekommen sind, daselbst eine wohlorganifrrte Körperschaft zu finden, welche sie entweder nach Kanada herüberschicken, oder ihnen den dauernden Aufenthalt in England ermöglichen wird. Hält es ferner die Negierung in Anbetracht dessen, daß die Zahl der fremden Paupers aus den erwähnten Ländern in East End Londons im letzten Jahre erheblich zugenommen hat, nicht für angebracht, die englischen Konsuln i in den genannten Ländern anzuweisen, die geeigneten > Schritte zu thun, um die falschen Ansichten über die : günstigen Aussichten der Einwanderer in London, welche in jenen Ländern verbreitet sind, zu korrigiren? Unterstaatssekretär des Aeußeren, Viscount Cranborne: Die von Mr. Dewar angeführten Zahlen rühren vom jüdischen Board of Guardians her, das für dieselben verantwortlich ist. Solange die Resultate der jüngsten Volkszählung nicht vorliegen, kann Niemand wissen, ob die Zahl der Fremden in East London gewachsen ist. Warnungen vor einer Auswanderung nach London wurden von den englischen Konsuln schon 1891 und 1893 erlassen. Mr. I. Lowther: Sind Aussichten auf die Einbringung eines die Einwanderung fremder Paupers verbietenden Gesetzes vorhanden? Viscount Cranborne: Diese Frage müssen Sie an den Sprecher des Hauses richten. Die beiden „sehr ehrenwerthen" Herren, Mr. Dewar und Mr. Lowther, haben einstweilen sehr wenig Grund, sich vor einer Ueberschwemmung Englands mit Paupers aus Rußland, Polen und Rumänien zu fürchten. Gerade in derselben Woche, wo die beiden Herren sich im Unterhause so ängstlich zeigten, ist ein Bericht der Trades Union über den Verkehr der Schiffspassagiere nach und aus England für die ersten fünf Monate des laufenden Jahres erschienen. Danach betrug der Ueberschuß der Zugereisten über die Abgereisten 20,667, gegen 22,161 im korrespondirenden Zeiträume des Vorjahres. ES hat sich also die Zahl der „Einwanderer" um 1494 vermindert, wobei es noch dahingestellt bleiben muß, ob diese Leute alle „Paupers," ob sie Juden sind, ja selbst, ob sie überhaupt Einwanderer sind, welche sich in England dauernd niederlassen möchten. T. Rußland. Kiew. (Ausweisungen.) Seit Erscheinen der unseligen Maigesetze herrscht zwischen dem Tschinownikthum hier und zwischen den hiesigen Juden ein stiller, aber überaus erbitterter Krieg. Mitten im Ansiedelnngsrayon gelegen und weit und breit von einer nach Hunderttausenden zählenden jüdischen Bevölkerung unlgeben, ist die heilige Stadt Kiew durch die Maigesetze dennoch für die Juden zu einem Pflänzchen Rührmichnichtan gemacht worden, zu einem Platze, der nur von einigen wenigen auserwählten Juden betreten werden darf. Da jedoch sämmtliche Städte, Städtchen und Dörfer um Kiew, ja selbst die Vororte dieser Stadt selbst voll Juden sind, so haben die armen Tschinowniks leider einen gar zu schweren Stand. Um sich die immer wieder und wieder in das Centrum der heiligen Stadt eindringenden Juden nur einigermaßen vom Halse zu halten, müssen sie schon von Zeit zu Zeit R a z z i a s veranstalten, alle verdächtigen Juden, die sich nicht sofort legitimiren können, einstecken und diejenigen von ihnen, welche so unvorsichtig waren, sich nächtlicherweile

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