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Der Israelit · 1901-07-04 · Heft 52 (4.7.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 52 (4.7.1901)
Date
1901-07-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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42. Jahrgang. Erste Anlage zu M 52 des „Israelit." Feuilleton NaM Adrahm Samuel öeniamln Slhreivtt w und Kirm MIlq »o» NotliMd Vr Non Sl d o l f A u ft e r l i tz. Es sind ctiva dreißig Jahre verflossen, dass ich die Rabbinersihule zu Preßbnrg besuchte; zur damaligen Zeit waren etwa MO Rabbinatskandidaten in Preßdurg, die das sstlück hatten, sich Schüler eines großen Lehrers nennen zu dürfen. Wir Schüler waren ungleich beanlagt — es gab Einzelne mn, einzelne Reiche, einzelne, die Tag und Nacht lernten — aber auch viele alltägliche Punschen, die keine hervorragenden Eigenschaften hatten. Aber in einem Punkte waren wir Schiiler alle einig, und da gab's nur eine Stimme und einen Wunsch: in der Verehrung und Liebe zu unserem großen Lehrer; da machte auch ich keine Ausnahme. So oft ich Gelegenheit hatte, meinen Lehrer sehen und in seiner Nabe weilen zu können, habe ich diese Gelegenheit ausgesucht. Am gemüthlichsten war es Samstags Abends z>oischen und -'1x2, bei bei der dritten Mahlzeit, die im Hause des Rabbi stattfand. Es gab da nur einen Häring, der von der Tischgesellschaft gegessen wurde. Jedermann durfte in's Speisezimmer eintreten und zusehen, auch zuhören. Es wurde viel von profanen Dingen gesprochen, und hochinteressant war «'s, wenn der Rabbi von seinen Reiseerlebnissen erzählte, und zwar von der Reise nach Frankfurt a. M., lind in welcher Weile er das Vergnügen hatte, Baron Willn von Rothschild kennen zu lernen. Der Vater unseres Rabbi war der weltberühmte vdw cn-; Reb Mau sehe Soser war ein geborener Frankfurter. Die Urahnen des Rabbi lagen auf dem alten Frankfurter Friedhofe begraben und der Besuch nach Frankfurt galt, vorerst mtfnnx nrp zu gehen, und deßhalb war beschlossen, incognito zu reisen. Rur ein Diener, ein Schüler des Rabbi, war sein Begleiter. Oberrabbiner Schreiber war damals ein Fünfziger, ein Mann von großer Statur und großem, grauen Bart — eine impnnirende, majestätische Erscheinung. Man erzählte, so oft der Rabbi die Ehre hatte, von Sr. Majestät dem Kaiser Franz Josef empfangen zu werden, war der Monarch von dessen Erscheinung tief ergriffen. Se. Majestät begleitete stets den Rabbi bis vor die Thore der Hofburg, und es war kein Wunder, daß jeder Glaubensgenosse, der zufällig im Zuge saß, mit dem der Rabbi reiste, diesem sein Auge zuwendete. Der Begleiter des Rabbi wurde oft befragt, woher sein Herr, der wohl unzweifelhaft Rabbiner sei, komme und wohin er ginge. — Man wollte keine Unwahrheit sagen und auch die Wahrheit nicht — und antwortete: „aus Pozsony" — das ist der ungarische Name für Preßburg —, und wirklich blieb das Incognito bis Würzburg gewahrt. Der Zufall lvollte, daß ein früherer Schüler des Rabbi, der aber in Frankfurt wohnte, und beim Baron Rothschild eingefübrt war. den Eurierzug bestieg. Sofort erkannte dieser den Rabbi und hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als unterwegs in Aschaffenburg eine Depesche an Baron Rothschild aufzugeben: „Oberrabbiner Schreiber aus Rreßburg reist incognito nach Frankfurt a. M. und wird mit dem und dem Zug eintrefsen." Baron Willy war über diese Nachricht sehr ertreut und sofort entschlossen, als Erster den weltberühmten Rabbi aus Frankfurter Boden zu begriißen und wenn möglich, auch zu beherbergen. Ebenso wie Oberrabbiner Schreiber wollte auch der Baron sein Incognito wahren. Als der Rabbi dern Zuge entstieg, war der Baron schon am Bahnhof, gab dem Rabbi das übliche bPb» cvGv stellte sich als ein in Frankfurt wohnender Kaufmann vor, der aber auch ein Freund der und selbst, wenn auch kein pp, aber ein -Es rr sei, der es sich zur Ehre anrechnen würde, den Rabbi beherbergen zu dürfen. Das bescheidene Wesen des Frankfurter Kaufmannes, das würdige Auftreten und freundliche Anerbieten gefiel dem Rabbi gut und ohne Zögern nahm er diese Gastfreundschaft an. Man setzte sich in die Equipage des Barons und nach kurzer Zeit war man in dessen Wohnung angelangt. Wie erstaunt war der Rabbi, als im Hause des Gastgebers Diener in Livre erschienen, die das Gepäck abnahmen. 'Als der Rabbi die großen in silbernem Gehäuse sah und endlich in eine größere Stube geführt wurde, wo viele E'-iec und nvm 'isd ftanücn, und alles M222 eingerichtet war — so viel mm sammt px p“, — bekam er von Frankfurt eine noch viel bessere Meinung, als er sie schon hatte. Der Gastgeber ließ aber dem Gaste nicht viel Zeit zum Nachsinnen. Nachdem Kaffee und Wasserbrödchen verzehrt waren, fing man an zu „lernen." Das Erstaunen des Rabbi war groß — der Gastgeber war nicht nur ein wohlhabender Kaufmann, er war auch ein großer Lamden. Der Rabbi durfte ein Thema im Talmud anschlagen, wo er wollte, überall war der Gastgeber zu Hause. Derselbe entfaltete ein solches Wissen, wie es der Rabbi bei keinem ungarischen Rabbiner in höherem Maße wahrgenommen hatte.

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