Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 52 (4.7.1901)
- Date
- 1901-07-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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~ 4 •' 1156 den, die meist nur einen Eigennamen enthielten. Ueber den Zweck dieser Felseninschriften gewährt eine neugefundene Inschrift Ausschluß, die der französische Archäologe Elermont-Ganneau kiirzlich in der Pariser Akademie mittheilte. Tie enthält ebenfalls Eigennamen und ist datirt aus dem Jahre 189 n. d. g. Z. mit dem Zusatze: „In dem Jahre, in dem die Armen das Recht hatten, die Dattelcrnte zu machen." Es ergibt sich ans dieser Inschrift erstens, daß solche in die Felsen gemeißelte Namen die Besitzer an gaben, die an der betreffenden Stelle das Recht hatten, ihre Heerden zu weiden und die Datteln zu ernten, und zweitens, daß auch bei den Rabatäern die jüdische Sitte des Sabbatjahrss galt, d. h. alle sieben Jahre — so wenigstens bei den Juden — die Ernte den Armen gevührte, deren Besitz in diesem Jahre auch nicht gepfändet werden durfte. Sprechfaal. Tülkcn, 29. Juni. Sehr geehrter Herr Redakteur! Zu der strittigen Angelegenheit, die jüngst in Ihrem geschätzten Blatte so vielfach besprochen worden ist, gestatte ich mir zu bemerken, daß sie, wenn sie nur die Anregung zur inneren Kräftigung des Judenthums, das ja nur auf dem Boden der Thora geschehen kann, gibt, diese ihren Zweck jtb erreichen wird. Ich möchte aber nicht nur die Lehrer, sondern jeden echten Juden ausfordern, zum täglichen Lernen zurück zukehren und durch wöchentliche schriftliche Mittheilungen über das Gelernte mit einem Gleichgesinnten sich auszusprechen. Wir sind dabei an keinen Cursus, Stand und Zeit gebunden; auch sind dabei keine besonderen Ausgaben nöthig; nur daß vielleicht Jemand, der gerne B'van m' r,x p’Tna sein möchte, etwa Herrn Kaufmann, Frantsurt a. M., beauftragt, jedem Lernenden aus Wunsch ein chaldäisches Wörterbuch und jährlich einen Theil des Talmud, vielleicht auch die Mischnajoth von Dr. Hoffmann, zur Verfügung zu stellen. Der „Israelit" wird vielleicht die Güte haben, seine Spalten, um eine Verbindung der Lernenden herbeizuführen, zur Verfügung zu stellen. „Rückschritt zur Thora ist der wahre Fortschritt." Auch wird der „Israelit" gerne eine besondere Rubrik für diese Sache eröffnen und will ich gleich mit Folgendem den Anfang machen: „Wer lernt mit mir die nYZ ma: mit '"&i und ist bereit?u einem wöchentlichen schriftlichen Austausch der Gedanken über das Gelernte?" W. Lomnitz, Lehrer, Dülken. > Vermischtes. fXflaittj, 1. Juli. Der Herr Luftkurort-Besitzer Adolf Krämer im Deutschen Hause zuTrautheiin bei Darmstadt bittet unS mitzuthellen, daß fein „Lokal" nicht antisemitisch sei Seitdem Trautheim in seinen Besitz übergegangen, habe ein Jeder Zutritt. Wien, 28. Juni. Unter den von S. M. dem Kaiser anläßlich der Prager Reise Ausgezeichneten bestnden sich folgende Glaubensgenossen: Es erhielt den Adelstand der Groß-Industrielle Josef Juwald: das Ritterkreuz des Leopold-Ordens Hofrath, Universitäts-Professor Dr. Alfred Pr ibr a m; das Ofsizierskreuz des Franz Josefs-Ordens; der Sanitätsrath Dr Theodor Alt schul und der Fabrikbesitzer und Großhändlers Max Kahler: den Orden der eisernen Krone, kais. Rath und Präses des deutschen Handelsgremius Otto Forschhetmer und Professor Phillipp Pick; den Franz Josess-Orden, Fabriksbesitzer Emanuel Grab Kopenhagen. Unser Präses und erster Gemeinde- Vorstand, Herr Baukdirektor, Staatsrath I. Glück st ad t erhielt den russischen ^stanislau s-O r d e n. Algier, H. Juli. Mar Regis hat nunmehr seine Entlassung als Maire von Algier gegeben. Feuilleton. Der Erbprinz von Tyrnsu Ktistor ij'lHe Wovetke von Karolilie Deutsch. „Armes, süßes Mädchen!" rief Prinz Emrich und in dein Blicke, woinit er sie ansah, lag seine ganze große Seele. „Mit meinem Herzblute möchte ich Dein Weh und das Deines Volkes lindern." „Wenn Eure Mutter, so wie Ihr, dächte,!vir wären glücklicher," sagte Hanna. „Dreimal ist seit der Regierung Eurer Mutter der Pöbel gegen uns gehetzt worden, und Grausamkeiten sind geschehen, die das Licht des Tages scheuen. Man drückt und martert uns und gefahrloser ist es nicht für die wilden Thiere, lvenn sie ihren Käfig verlassen und die Wohnungen der Menschen aufsuchen, als wenn wir den Fuß aus dem Ghetto setzen und uns in die Stadt wagen. „Meine Mutter," versetzte der Prinz und eine tiefe Bitterkeit, ein lang verhaltener Groll lag in diesen zwei Worten. „Doch liebes Mädchen, ich bitte Dich, laß mich nicht in Deinem Herzen die Grausamkeiten meiner Mutter entgelten. Ich bin, weiß Gott, nicht schuld daran." „Wie könnt Ihr schuld daran sein?" fragte Hanna voll Bewegung, „wer sein Leben an ein anderes wagt, an das eines verachteten und nichtssagenden Geschöpfes, dessen edle Seele ist solcher Grausamkeiten nicht fähig." Mährend des Gespräches der jungen Leute, das durch nichts gestört wurde, da die Besitzer des Hauses nicht anwesend waren, hatte sich der Himmel mit leichten, weißen Wölkchen umzogen. Ein heftiger Wind erhob sich jetzt und begann dicke Schneeflocken vor sich herzutreiben. Hanna erhob sich und wickelte sich fester in ihre leichte Mantille.