Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 52 (4.7.1901)
- Date
- 1901-07-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1155 rühmen darf, von einem so hochstehenden Kritiker, wie eS Professor Hanslick ist, in schmeichelhaften Worten zu seinem Vortrage beglückwünscht zu werden. Nicht nur diese Ebre wurde ihm zu Theil, sondern regierende Fürsten, wie .König Alexander von Serbien, der Sultan von Johore, berühmte Staatsmänner und bekannte Großen hatten von der schönen Stimme TigerZ gehört, und haben aus diesem Grunde dem jüdischen Gottesdienste in Karlsbad beigewohnt. Anläßlich seines lebten Gottesdienstes wurde ihm ein großer Kranz überreicht: zahlreiche Präsente, darunter eine silberne Tabatiere wurden ihm zugesendet, und bei seinem Austritte aus dem Gotteshause wurde ihm eine Ovation von seinen Freunden bereitet. Herr Oberkantor Tiger begibt sich vorläufig nach Wien, und uürd Nack einer kurzen Ruhepause in mehreren größeren Gemeinden Prwbevorträge halten. Rußland. Petersburg. Die Austreibung der Juden aus Transbaikalien, welche mit dem ersten April ihren Anfang genommen hat, ist auf Verwendung von einflußreicher jüdischer Seite vom Minister des Innern, bis die Frage des Aufenthaltes der Juden in Sibirien gesetzlich geregelt sein wird, sistirt worden. Das Eingreifen der Centralregierung ist übrigens nur den Juden des Gebietes von Streetjensk zu Gute gekommen, während die Juden ans dem Gebiete von Werchnoudinsk bereits vor Avril ihre Heimath haben verlassen müffen. Die Herren Tschinowniks haben es da furchtbar eilig gehabt, und so konnte der Schaden nicht wieder gutgemacht werden. Petersburg. (W i ch t i g e Senats-Entscheidunge n.) In der letzten Zeit sind einige Senatsentscheidungen bekannt geworden, die von großer, prinzipieller Tragweite sind. Zwei von ihnen richten sich gegen den berühmten russischen General Dragomirow, der als Generalgouderneur non Kiew sich merkwürdig oft im Gegensatz zum Senat befindet. Eins seiner jüngsten Bravourstüllchen war die Ausweisung der Juden aus den — jüdischen Kolonien. Der tapfere General, welcher in Ermangelung eines andern, gefährlicheren Feindes einstweilen sich die Zeit mit der Bekämpfung der Juden vertreibt, war der Ansicht, daß die jüdischen Kolonien ja unbestreitbar Dörfer sind, in welchen nach dem Wortlaut der Maigesetze den Juden der Aufenthalt verboten ist. Es bedurfte einer Belehrung des Senats, um ihm die Ueberzeugung beizubringen. daß die jüdischen Kolonien keine Dörfer im Sinne der Maigesetze sind. Eine zweite Zurechtweisung hat sich der Gcneralgouverneur von Kiew zugezogen, als er den Städten Kamenetz und Hasjin, im Gouvernement Podolien, verbieten wollte, ihre in großer Entfernung von der Stadt liegenden Ländereien an Juden zu verpachten. Die Behörden begründeten ihr Verbot damit, daß diese Ländereien so weit von der Stadt entfernt liegen, daß sie weder als Vaunoch als Weideland benutzt werden können und daher als plattes Land betrachtet werden müssen, welche die Juden weder kaufen noch pachten dürfen. Die gegentheilige Entscheidung des Senats ist siir die Juden insofern von enormer Wichtigkeit, als zahlreiche Städte des Ansiedelungsravons ausgedehnte, aber sehr entfernt von der Stadt liegende Ländereien besitzen, welche die Juden nunmehr pachten können, um Getreide, Gemüse und Tabak aus denselben zu bauen. Odessa. (Jüdische Produktiv-Genosscnschafte n.) Der bekannte Organisator des russischen Genossenschaftswesens, N. B. Lewitski, ein edler Christ, der ohne Unterschied der Religion Juden und Christen die gleichen uneigennützigen, menschenfreundlichen Dienste erweist, hat an den Gewerbe-JnspeOor des Kreises Cherson einen Bericht erstattet. Danach sind unter seiner Mitwirkung im Herbst 1900 im Gouvernement Cherson 92 Genossenschaften mit 700, in diesem. Jahre 9 Genossenschaften mit 800 Mitgliedern entstanden. Bon diesen 41 Genossenschaften sind nicht weniger als 90 rein jüdische. Daneben hat sich in de^ Kolonie Romanowka unter Mitwirkung des rübrigen Kronsrabbiner Dr. Krebs eine landwirtschaftliche Genossenschaft gebildet. Es ist das unseres Wissens die einzige derartige jüdische Genossenschaft auf Erden und verdient sie schon aus diesem Grunde besonders hervorgehoben zu werden. Der Genossenschaft sind vorerst zehn Kolonisten beigetreten. Cherson. Einen interessanten Brief hat Oberst Rodketvitsch, Commandeur des in Cherson garnisonirenden Regiments an die dortige jüdische Gemeinde gerichtet: „Wie ich aus inliegendem Zeitungsausschnitt ersehe, bat die jüdische Gemeinde den jüdischen Soldaten meines Regiments zum Passahfeste Mazzotb und warme Speisen geschenkt. Da ich finde, daß jüdische Soldaten, die den Rock des Czaren tragen, es nicht nötbig haben, sich zu den Feiertagen etwas schenken zu lassen, so habe ich für das mir anvertraute sechste Artillerieregiiuent angeordnet, daß die jüdischen Soldaten jeder Batterie für die Tage des Passahfesies eine Genossenschaft zur Anschaffung von Mazzoth und anderer Passahsveisen zu bilden haben. Zu diesem Behufe erhalten sie die jedem Soldaten gezahlten Beikostgelder für diese Zeit direlt ansgezahlt, wofiir sie sich ihr Essen entweder selber bereiten oder sich bei einer beliebigen jüdischen Familie für die Feiertage einmiethen können. Natürlich würde ich auch nichts dagegen haben, wenn ein Jude einen jüdischen Soldaten während der Feiertage einmal zu Gast ladet." Möge das von Oberst Nodkewitsch gegebene Beispiel in der russischen Armee zahlreiche Nachahmung finden. T. Palästina. Palästina. Am Sinaigebirge waren schon von früheren Forschungsreisenden Tausende von Inschriften in semitischer Sprache bemerkt und abgsschrieben wor-