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Der Israelit · 1901-07-04 · Heft 52 (4.7.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 52 (4.7.1901)
Date
1901-07-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1154 nistet, vor den Grenzpfählen des reinen Arierthums nicht Halt musst. Christen und Juden sind in diesem Punkte allzumal Sünder, wenn sie erst vom Spekulationodelirium erfasst sind, und es ist daher als eine Ironie der Finanzgeschichte aufzufassen, daß die beiden seht verhafteten Direktoren der Leipziger Bant zu den Onvxsäulen des fäsischen Antisemitismus gehörten. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. BKen. Dem Jahresbericht des „Vereins zur Unterstühuna armer, trauter Israeliten" über die 22, Verwaltungsveriode entnehnren wir: Wer da Gelegenheit hat, ein Familienmitglied gelegentlich im „Allgemeinen Krankenhanse" zu besuchen oder sonst aus religiösem Antrieb die Pflicht von „Bikkuc Cholim" erfüllt, wird sich sicherlich von der Nothwendigkeit dieses religiös-philantropischen Vereins überzeugen und gewiß im Kreise seiner Bekannten für die Förderung desselben propagatorisch eintreten. Einstweilen laborirt der Verein noch an einem Defieit von etwa 1800 Kronen, welches der Obmann, Herr Marcus Bondi, zu decken die Güte hatte. Die Einnahmen betrug^?! 19,870 Kranen, darunter sind als Beiträge der hiesigen Kultusgemeinde 1050 Kronen und der Chewra- Kadischa 100 Kr. zu verzeichnen, die Administration der „Neuen Fr. Presse" widmete 60 Kr. und kleinere Beträge kamen aus verschiedenen Anlässen von einzelnen Wohlthätern. Von den Ausgaben wären hervorzuheben 9673 Kronen für rituelle Verköstigung der Patienten, und zwar für das Passah-Fest allein 1959 Gulden und für Mazzoth 249 Gulden. Möge es dem eifrigen und rührigen Vorstände bald gelingen, das Osteichgewicht im Haushalte der Vereins - Ökonomie ,.mrt vereinten Kräften" herzustellen. Ungarn. Die Wahl der in der Temesvarer ailtb. orthodoren Gemeinde vacant geioesenen Rabbine-stelle stt mit Akklamation aus Herrn Rabbiner B. S cd ii ck , Feherwar, gefallen. In seiner idealen Auffassung des Rabbinerberufes hält Herr Rabb. B. Scküick keine sog. Probepredigten, und die Temesvarec Olemeind-e hat ihn ohne solche berufen. Sie hat hierdurch gezeigt, daß sie noch etwas auf ~“t,“ hält und hat hierdurch ein nachahmungswerthes Beispiel gegeben. Sie wird auch das 'Vertrauen, das ne in ihren talentvollen, redegewandten, mit reichem Wissen ausgestatteten jungen Rabbiner seht, reichlich gerechtfertigt finden. Aue« Mähren, 1. Juli. Im mährischen Landtage wird in dieser Session der Gesetzentwurf wegen Errichtung von Heilstätten für die an Lungentuberkulose leidenden Personen berathen. Das Gutachten der Aerzte, welches einaeholt wurde, spricht sich dahin aus, daß diese verheerende Krankheit in den Anfangsstadien bei entsprechender Behandlung heilbar sei. Dieser edle Akt der Humanität, welcher dem Tode eine seiner mächtigsten Waffen aus den Händen reißen würde, käme jedoch unseren gesehestreuen Glaubensgenoffen nicht zu gute. Wir wissen ja, daß inan den Inden wegen in den Heilstätten keine doppelte Kiiche einfiihren wird; unter diesen Umständen wäre ein Verbleiben jüdischer Kranken in einem solchen Tnberkuloseheim ganz zwecklos, da ja die Kost bei der Heilung dieser Krankheit eine ganz bedeutende Rolle spielt. Es ist ja nicht anzunehmen, daß der mährische Landtag für jüdische Kranke ein eigenes Heim errichten werde, obschon die Tuberkulose eine große Anzahl von Opfern sich unter unfern Glaubensgenossen aufsncht. Hier und bei jeder Gelegenheit betätigt sich der Ausspruch Bileams: p:v" -n::1? ny -irr-* sb Da heißt es nur an Selbsthilfe denken. In Mähren gibt es gottlob eine verhältnißmäßig große Anzahl bemittelter Juden, welche, wenn man an dieselben herantreten würde, gewiß ihr Möglichstes dazu beitragen würden, um die Gründung einer jüdischen Heilstätte für Tuberkulose zu ermöglichen. Ist es doch gelungen, in Brünn einen Freitischverein zu gründen, woselbst jährlich über 120 jüdische Studenten mit einem Kostenaufwand von 20,000 fl. verpflegt werden; warum sollte es also nicht denkbar sein, für Kranke ein .Heim zu schaffen, woselbst dieselben ihre Gesundheit und frühere Kraft erlangen können. Die Glaubens-i genossen unseres Landes müssen alle ihre Kräfte anspannen, um dieses Unternehmen zu Stande zu bringen. Der Parteistandpunkt, die verschiedenen Religionsanschauungen müssen verschwinden, Orthodoxe und Reformer müssen sich die Hand reichen, sie insgesommi müssen zeigen, daß sie ';i sind; gilt es doch, Kinder ihren Eltern und umgekehrt zu erhalten, ihnen neue Lebenskraft und Arbeitsfreudigkeit zu verschaffen, und dem langsamen, aber sicher daherschleichenden Tod seine Beute zu entwinden. Eben, ist vergangene Woche in dem in Amsterdam erscheinenden jüdischen Eentralblatte ein Aufruf, unterzeichnt von sämmtlichen holländischen Rabbinen, erschienen, in welchem gleichfalls um milde Gaben gebeten wird, uin die Gründung eines Tuberkuloseheims zu ermöglichen. Wir sind überzeugt, daß unsere Zeilen nicht auf sterilen Boden fallen und den maßgebenden Kreisen Ansporn zum Jnslebenrufen der erwähnten Anstalt geben werden. Karlsbad. Der hiesige Oberkantor, Herr R. Tiger, ha! znm Leidwesen der hiesigen Israeliten. nach fünfzehnjähriger Thätigkeit unsere Stadt verlassen. Aus Anlaß seines Scheidens hatten sich Freitag, den 28. und Samstag, den 29. d. M., die meisten Mitglieder der hiesigen .Kultusgemeinde und zahlreiche Freunde, darunter auch sehr viele Nichtisraeliten, in der Synagoge eingefnnden, um dem Abschiede des beliebten Oberkantors beizuwohnen. Die hiesige Gemeinde verliert an Herrn Tiger einen Vorbeter, der sich mit den ersten Kantoren der Jetztzeit messen kann. Es wird nick?! oft Vorkommen, daß sich ein israelitischer Kantor

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