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Der Israelit · 1901-07-04 · Heft 52 (4.7.1901) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 52 (4.7.1901)
Date
1901-07-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1152 Lesern des „Israelit" ruhig überlaffen werden. Dir unfern Großen angethane Schmähung soll darum keineswegs stillschweigend hingenommen werden. Zu diesem Zwecke mögen hier meine von der „Allgem. Ztg. d. Judenth." unterdrückten Ausführungen folgen: Von einem harmlosen Vorfälle ausgehend, hat Herr Dr. Deutsch-Cincinnaiti unter dem Titel „Jüd. Wiffenschaft — ein katholisches Mißverständniß" Veranlassung genommen, eine Reihe der wichtigsten Probleme des Judenthums anzuschneiden. Auf Grund dessen erachte ich es für geboten, die Dinge auch einmal von der entgegengesetzten Seite zu zeigen. Dr. Deutsch glaubt die Pole, um welche stch die so vielfach bewegte jüdische Geschichte der neueren Zeit dreht, gefunden zu haben. Das alte, von der Tradition in allen seinen Aeußerungen wesentlich bestimmte Judentbum wäre danach rettungslos einer verknöcherten, dialektischen Casuistik verfallen. Dagegen sei es ein Verdienst, das auf Rechnung des neumodischen Judenthums zu setzen, daß es den Forderungen des religiösintereffirten Gewiffens zur Anerkennung verhalf. Es hat diese Gegenüberstellung scheinbar etwas sehr Einleuchtendes, — nichtsdestoweniger ist dieselbe durchaus verfehlt. Es ist zunächst mehr als gewagt, das religiöse Gefühl ausschließlich für die in Anspruch zu nehmen, die sich gegen die Zumuthung, das Tragen eines Schirmes am Sabbat zu unterlaßen, auflehnen, es dagegen allen, die sich dem unterwerfen, — einfach abzusprechen. Mit welchem Recht? In der Haltung, die man diesen scheinbar kleinlichen Angelegenheiten gegenüber beobachtet. tritt die principielle Stellung, die einer den Lehren des Judenthums gegenüber einnimmt, am deutlichsten zu Tage. Diese gegensätzliche Auffaffung ist aber weit davon entfernt, etwa ein Erzeugniß bloß unserer Zeit und ihrer Bildung zu sein. Dieselbe reicht bis weit in unsere Geschichte hinauf. Wie wäre es denn sonst zu erklären, daß der Verfasser unserer Mischnah schon — in offensichtlicher Abweichung von den allgemeinen Grundsätzen, die bei Anordnung des Stoffes maßgebend waren — gerade das Verbot des Tragens am Sabbat an die Spitze des diesfälligen Traktates setzte? Diese Herausstellung kann um so weniger einer Eingebung des Zufalles nur zuzuschreiben sein, als ja jenes Verbot unter den rro» (Sabbat 7, 2) eigentlich seine Stelle hat und auch thatsächlich findet. Es sollte damit jedenfalls jener Auffassung des Judenthums mit allem Nachdrucke entgegengetreten werden, welche glaubt, derartige angebliche Kleinigkeiten wären damit am besten abgethan, daß man ste einfach unter den Tisch fallen lasse. Eben diesem saduzäischen Prinzipe sollte von Anfang an der Boden entzogen werden. Wie sehr es unseren alten Weisen darum zu thun war, dasselbe bei jeder Gelegenheit mit aller Schärfe zu bekämpfen, scheint mir noch aus einem anderen Umstande hervorzugehen. Es ist bekannt, daß die Ausübung der im Volke für so besonders hoch und wichtig gehaltenen Gebote des Schofarblasens, des Feststraußes und des öffentlichen Verlesens der Megilla am Purim — in Rücksicht auf eine nur mögliche Uebertretung des diesfälligen Verbotes am Sabbat untersagt worden ist. Merkwürdigerweise ist jedoch die Ausübung der Milah, wobei die Verletzung weit zahlreicherer und gewichtiger scheinende Verbote in Frage kommen, nicht untersagt worden. Es sollte darin wiederum ein Protest gegen die auch von Dr. Deutsch verfochtene sadduzäische Auffassung zum Ausdrucke gelangen. Man kann diesen scharfen Gegensatz, der, wie die Geschichte des zeigt, bis in die biblische Zeit hinaufreicht, — nicht einfach dadurch aus der Welt schassen, daß man die un desinirbaren Aeußerungen des Gefühles zur obersten Instanz erhebt. Die Anhänger des überlieferten Judenthums werden es daher nicht ohne schärfsten Widerspruch hinnehmen, daß ihnen dasselbe ohne weiteres abgesprochen werde. Im Gegentheil, gerade ste werden, und zwar mit Recht, einer viel höheren und feiner ausgebildete Art desselben für stch in Anspruch nehmen. Das Gefühl aber, wie Dr. Deutsch thut, ausschließlich als höchste Autorität in religiösen Dingen erklären, hieße die Religion auf eine tiefe Stufe der Erkenntnis; Herabdrücken. — Unter solcher Auffassung könnte sie überhaupt niemals Gegenstand der Forschung, oder der Wissenschaft sein. Im klebrigen scheint es ausgeschlossen, derartige höchste und letzte Fragen mit den Mitteln, die unsere Erkcnntniß bietet, auf rein theoretischem Wege zum Austrag zu bringen. Darüber kann sich höchstens die Geschichte entscheiden. Die aber zeugt entschieden zu Gunsten des auf dem Standpunkte der Ueberliefernng beharrenden Judenthums. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 2. Juli. Auf unfern Vorschlag, daS schöne Beispiel der Schweiz nachzuahmen und auch in Deutschland eine Bertheilung von vorzunehmen, haben sich zu unserer Freude schon 12 Herren gemeldet und zwar — wir registriren solche nach dem Datum des Einlaufes — hat sich bereit erklärt zu übernehmen' Herr Jakob Bamberger, Frankfurt a. M., Grünestraße 17, Mas: Ehulin. Herr Eantor W. Horwitz, Eannstatt, Mas: Sotah. Herr Lehrer Gottlieb Lind, Nenzenheim, Bayern, Mas: Erubin. Herr Lehrer M. Schweitzer, Glogau, Mas: Menachoth. Herr M. A. Bloede, Stettin, Mas: Rosch ha-Schonoh. Herr Lehrer Schenk, Trebur, Mas: Gitin. Herr R. Hirschberg, Frankfurt a. M., Musikantenweg 18, Mas: Kiduschin. Herr Marx Nordmann, Straßburg i. Elf., Seelosgasse 19, Mas: Ehulin. Herr D. Abrahams, Amster-

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