Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 51 (1.7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1145 geben. Die Beschränkungen, denen die Juden trotz der durch die Verfassung gewährleisteten Gleichberechtigung in verschiedenen Bundesstaaten noch immer unterworfen sind, treten iibrigens weit in den Hintergrund vor den Beschränkungen und Zurücksetzungen, die nicht eodifi- -irt, denen wir aber in fast allen Bundesstaaten tagtäglich ausgesetzt sind. 'Berlin, 30. Juni. Das Curatorium der „PensionDWittwen- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrcrvereinc im deutschen Reiche" theilt uns mit: „Gesuche, Schriftstücke etc. sind während der Ferien, d. h. bis zum 13. August an das „Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Berlin W.,. Sigismundstraße Nr. 5, zu richten." Frankfurt a. M., 30 Juni. Herr Rabbinatskandidat I r i e d m a n n , Frankfurt a. M., Schüler des unvergeßlichen Dr. Lehmann s. A., sowie besten Itackstolgers Herrn Rabbiner Dr. Bond: "e und des Herrn Rabbiners Dr. Horowitz *0, wurde zum Rabbiner von G r ä tz (Prov. Posen) gewählt. Hattoras hauroho erhielt Herr Dr. Friedmann vom Rabbinerseminar in Berlin, unter Mitunterschrift des Herrn Rabbiner Dr. Beilchenseld v':, Posen. Hamburg. Der „Israelitische Frauenverein für Krankenpflege" hielt kürzlich seine diesjährige Generalversammlung unter Borsitz des Herrn E. Calman ab. Dem vom Vorstand erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen. daß die Einnahmen während des verflostenen Jahres Mk. 2192.70 betrugen, während die Ausgaben sich auf Mk. 2148.20 beliefen, so daß sich ein Ueberschuß von Mk. 44.50 Psg. ergibt. Die Abrechnung wurde als richtig anerkannt und dem Castirer Decharge ertheilt. Es wurde dann noch hervorgehoben, daß der Verein auch im verflossenen Jahre nicht allen an ihn gestellten Ansprüchen genügen konnte. Wenn der Verein leinen Humanitären Zweck, Reconvalescentinnen durch eine vierwöchentliche Versorgung mit kräftigender Mittagskost der vollständigen Genesung entgegenzusübren, in dem Maße erfüllen solle, wie es wünschenswertst erscheine, dann sei es unbedingt nothwendig, daß ihm, sei e§ durch Aufnahme neuer Mitglieder, sei es durch Zuwendung von Geschenken, größere Geldmittel als bisher zur Verfügung gestellt werden. Im verflossenen Jahre wurden für Vereinszwecke, also für Mittagskost und Wein, an Reconvaleseentinnen au 1340 Berpflegungstagen Mk. 1824.20 verausgabt. Der Vereinsvorstand besteht zur Zeit aus den Damen S. Moses, V. Norden und den Herren E. Calmann und Vh. Maier. Hamburg, 30. Juni. Der Vandalismus auf dem Friedhof der Israelitischen Gemeinde in Mandsbeck hat jetzt seine gerichtliche Sühne gefunden. Der Bürstensabrikant Ehrich war angeklagt, am 26. November v. I. vorsätzlich 21 Grabsteine aus dem isr. Friedhofe theils zerbrochen, theils umgeworfen zu haben. Die Haushälterin Schulte entlastete in der Voruntersuchung den Angeklagten und beeidigte ihre Aussage; später machte die Schulte ein Geständniß, daß Ehrich der Thäter sei, sie habe fälschlich zu Gunsten des Ehrich ausgesagt, weil sie sich vor demselben gefürchtet habe. Die Schulte erhielt wegen wissentlichen Meineides iy± Jahre Zuchthaus. Bei der Vernehmung bestritt Ehrich wieder jegliche Schuld. Die aus dem Zuchthaus vorgeführte Zeugin bekundet jedoch, daß der Angeklagte nach Hause gekommen sei und gesagt habe: „Den Juden habe ich es aber ordentlich angestrichen." Nach geschlostener Beweisaufnahme war der Staatsanwalt von der Schuld des Angeklagten vollständig überzeugt; er bezeichnete besten Handlungsweise als eine überaus niedrige und gesinnungslose, durch die feige und rohe That seien unsere jüdischen Mitbürger in ihren heiligsten Empfindungen gekränkt worden. Das Verbrechen verlange eine schwere Sühne, er beantrage ein Jahr Gefängniß und sofortige Verhaftung des Angeklagten. Nach kurzer Berathung erkannte der Gerichtshof nach dem Antrag des Staatsanwalts; in der Begründung des Urtheils wurde hervorgehoben, daß durch das Leugnen des Angeklagten die Haushälterin in das Zuchthaus gekommen sei. Mit Rücksicht auf die Höhe der Strafe, und da Fluchtverdacht vorliegt, wurde der Verurtheilte sofort in Haft abgeführt. Glognn, 28. Juni. Geehrter Herr Redakteur! Auch in Gnesen bei der Lehrerversammlung wurde von einem jungen Kollegen der „Israelit" wegen des bekannten Artikel angegriffen. Ich brauche Sie kaum zu vergewistern, daß ihm von einem Kollegen in Schrimm und von mir gehörig heimgeleuchtet wurde. Der Vorsitzende Herbst-Lista und die meisten der Kollegen verurtheiltcn das Vorgehen des „Familienblattes." M. Schweitzer. Kattowitz, im 'Juni. In letzter Zeit machen sich, wie die „Kattowitzer Zeitung" meldet, im russischen Grenzbezirke neue Paßschwierigkeiten bemerkbar. Der Gouverneur von Petrikau habe an die ihm unterstellten Landrathsämter einen Ukas erlasten, nach dem bis auf Weiteres an Personen jüdischen Glaubens Halbpäste nicht ausgestellt werden dürfen. Von diesem Ukas sei bereits in sehr vielen Fällen Gebrauch gemacht worden. Es sei anzunehmen, daß dieses neue Verbot damit Zusammenhänge, daß eine erneute Listenaufstellung bis jetzt nicht fertiggestellt worden sei. Nach einer Darstellung der „Schles. Zeitg." ist der Zusammenhang folgender: Das Gouvernement Petrikau sei von der Befugniß zur Ausstellung neuer Grenzlegitimationsscheins ausgeschlossen, weil es theils an Galizien grenze. Deutscherseits seien bereits Verhandlungen eingeleitet. Von Sosnowiee seien vielfach über diese unberechtigten Erschwerniste Klagen beim Senat in Petersburg angebracht worden.