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Der Israelit · 1901-07-01 · Heft 51 (1.7.1901) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 51 (1.7.1901)
Date
1901-07-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1146 Dresden, 27. Juni. (Verurtheilung des GrafenPückler wegen Gefährdung des öffentlichen Ir i e d e n 5.) Der Rittergutsbesitzer Graf 'Walther Pückler auf Klein-Tschirna, gegen den vom diesigen Landgericht ein Haftbefehl erlassen worden war, >neil er vor einigen Wochen zu der gegen ihn anberaumtcn Hauptverhandlung ohne genügende Entschuldigung nicht erschienen war, ist nunmehr den Richtern der 5. Strafkammer vorgeführt worden, damit er sich wegen der auf Aufreizung zum Klassenhaß lautenden Anklage verantworte. Anlab zu dieser nach Paragraph 130 des Reichsstrafgesehbiiches erhobenen Anklage hat ein Vortrag gegeben, den Gras Pückler auf Einladung des hiesigen Reformoereins am 30. November v. I. vor einer etwa 3000 Personen zahlenden Menschenmenge über „Das Judenthum und das deutsche Volk" gehalten. Der Angeklagte vermochte die ihm zur Last gelegten Redensarten und Ausdrücke nicht zu bestreiten; er versuchte es auch gar wcht erst und bestritt nur, daß er die Absicht gehabt, zu Gewaltthätigkeiten gegen die Juden aufzureizen. Er habe nur bildlich gesprochen, um sich dem großen Publikum verständlich zu machen. In Berlin, bemerkte er, habe er sich noch weit schärferer Worte bedient: deßhalb sei er auch schon viermal unter Anklage gestellt worden, doch habe man ihn jedesmal freigesprochen. Der Gerichtshof nahm an, daß es doch in der Absicht des Angeklagten gelegen, zu Gewaltthätigkeiten auszureizen und verurtheilte ihn wegen Gefährdung des öffentlichen Friedens zu 100 Mark Geldstrafe. Gegen dieses Uriheil gedenkt Graf Pückler Revision einzulegen. München, 38. Juni. Ein seltenes Jubiläum beging in diesem Monat der hochverdiente, seit Jahrzehnten mit seltener llmsicht und rastloser Energie für die hiesige Ehelvra badisch,i wirkende erste Vorstand derselben, Herr Moriz F c u ch t w a n g e r. Seit 1876 verbringt der Genannte alljährlich im Svmnrer seine Erbolungszeit in Bad Rcichenhall. Der Magistrat dieser Stadt nahm daher Anlaß, Herrn Fenchtwanger zu seinem 3Fiäbrigen Badegast-Jubiläum anfrichtigst zu (beglückwünschen und hiermit die Verleihung des Ehrendivlvms zu verbinden. In einem höchst schmeichelhaft gehaltenen Schreiben gibt der Biirgermeister seiner lebhaften Freude dorüver Ausdruck, daß es dem Gefeierten vergönnt wurde, Jahr für Jahr ohne Unterbrechung die Salinenstadt auszusuchen; gleichzeitig spricht der Bürgermeister im Rainen der Stadtverwaltung dem Jubilar den wärmsten Dank aus für seine unablästi. gen, vom schönsten Erfolge gekrönten Bemühungen auf dem Gebiete des Armenwesens und der Krankenpflege. Er knüpft hieran den Wunsch, daß es Herrn Feuchtwanger noch eine recht lange Reihe von Jahren möglich sei, so rüstig und schaffensfreudig lvie jetzt jeden Sommer in Neichenhall zu erscheinen. Alle, welche den wackeren Mann und sein ver-! dienstvolles, opferfreudiges Wirken kennen, werden sich ■ diesem Wunsche aus vollstem Herzen anschließen. Frankreich. Pario, im Juni. In der französischen Kammer wurde wieder die algerische Frage diskntirt. Aus die Anzapfungen eines Antiserniten antwortete der Demi tirte Thomsen sehr richtig, daß in Algerien die Ruhe nicht cintreten werde, bevor nicht der Antisemitismus dort mit Energie ausgetrieben sein >vird. Dem europäischen Pöbel der Städte, der sein Müthchen nicht an Arabern kühlen kann, haben gewissenlose Demagogen die 60,000 eingeborenen Juden ausgeliefert. Und da diese nicht entrechtet sind wie die Araber, da diese sich übermüthige Behandlung, Erprestung, Plünderung und sonstige Gewaltthat nicht immer schweigend gefallen lassen, so kommt es zu häufigen Zusammenstößen, die in den Städten einen dauernden Zustand der Unruhe unterhalten. Das städtische Proletariat in Algerien besteht aus gesetzlosen Maltesern, Spaniern, Italienern und einer kleinen Minderheit Südfranzosen, die mit einander gemein haben, daß sie leicht zum Messer und Revolver greifen und keine Fanatiker der Arbeit, dagegen leidenschaftliche Liebhaber eines kräftigen Gratistrunkes sind. Mit Hilfe dieser Elemente haben Leute lvie Mar Regis und Lionne sich der Verwaltung von Algier, andere Männer desselben Kalibers, deren Rainen in Europa weniger bekannt geivorden und, sich derjenigen von Philippeville, None, Dran beinächtigt, lvurde Ed. Drumont Abgeordneter von Algier n. s. w. Die Nerwaltung hat schüchterne Versuche gemacht, wenn nickt in den ländlichen Bezirken, doch in den Städten Ordnung zu schassen. Sie mußte aber bald erkennen, daß der zuchtlose Pöbel nur der Waffengeivalt gehorchen würde; diese anzuwenden triig man aber um so größeres Bedenken, als man wußte, daß die Gefolgschaft von Druw.ont und Mox Regis auch vor blutigen Käinpfen mit den Truppen nickt zurückschreckcn würde. Herr Eambon, Herr Levine, Heer Laferriere, Herr Jonnart haben sich nach einander an. der unlösbaren Aufgabe abgenützt, die algerischen Messerhelden zu bändigen und ihre Herrschaft ',u brecken, ohne einen Aufstand hervorzurnfen, dein die Araber sich rasch anschließen würden. Jetzt will Herr Revoil sich dieser harten und unfruchtbaren Arbeit unterziehen. Er wird nicht erfolgreicher sein, als seine vier Vorgänger. Da er nicht schießen uub hauen lassen darf, wird er gewähren lasten inüssen, und das wird so lange dauern, bis das Gesäß schließlich dock überläuft. Diesem Schicksal augenblicklich vorzugreifen, hat aber keine Reaierung Lust. Briefkasten der Redaetion. B. L. in H.: Sie sind im Jrrthum. Tie von dem Hamburger „Jör. Familienblatt" so ben verössentlichte Erzählung „Am Unrechten Orte' von S. Kohn, bat noch nicht im Israelit gestanden, wohl aber tm Volks kalender des „Israelit", Jahrgang 5044 (1883/84). Odenburg: Uns ist nichts Derartiges bekannt.

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