Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 51 (1.7.1901)
- Date
- 1901-07-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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mm 11441 über bie innere ^{eorc^anifcitton des Katholizismus gehalten, in künstlicher Weise habe man die Vlntrede daraus konstruirt und ihm untergeschoben, daß er Anhänger des „Ritualmordes" sei. Gerade das Gegentheil babe er gesagt. Die Abzüge des „Freidenkers" seien in Schlesien von Haus zu Haus kolportirt worden. Die Artikel seien so abgefaßt, daß man den Verfasser nicht greifen könne, er habe sich H a l b e r genannt, aber in ganz Deutschland sei er nicht zu finden. Wer so schwere Beschuldigungen erhebe und die Kraft nicht besitze, herauszutreten, sei ein Feigling, trotzdem er in dem Artikel von flammender Gerechtigkeits- und Wahrheitsliebe gesprochen. In einem Schlußwort bemerkte Rechtsanwalt Bojanowsky, daß die Zustände in Oesterreich derart zersetzt seien, daß auch der Klerus nicht davon verschont geblieben sein dürfte. Der Angeklagte habe nur in edler Weise einend Unschuldigen Hilfe bringen wollen. Er bitte, den Wahrheitsbeweis durch die Ladung der Sachverständigen Mafforik und Dr. Bulowa zu erheben. Nach der Rede des Bischofs Brynych hätte sich der Klerus in die Sache des Hilsner hineingemischt und Stimmung gemacht. Nach längerer Berathung verkündete der Gerichtshof unter dem Vorsitze des Herrn Amtsrichters Dr. Eller folgendes Urtheil: Der Artikel enthalte schwere Beleidigungen gegen die beiden Privatkläger, ein Wahrheitsbeweis dafür anzuireten, sei nur schwer zu erbringen und sei auch für die Beurtheilung der Sache nicht nothwendig. Die in dem Artikel enthaltenen Beleidigungen seien äußerst graver Natur, umsomehr, als sie Geistlichen gemacht wurden. Auch seien die Beleidigungen, daß der Pfarrer Vlceck sich freiwillig zum Meineid angeboten, nie und nimmer erweislick wahr. Der Bischof Brynych habe auch nicht in Ausübung seines geistlichen Berufes von der Kanzel herab gepredigt, sondern eine Rede in einer geschloffenen Gesellschaft gehalten. Der Vorwurf, daß er Klaffenhaß gepredigt, sei eine schwere Beleidigung, im Gegentheil sei erwiesen, daß er noch nicht einmal vom „Ritualmord" gesprochen. Die Beweisanträge müßten deßhalb iämmtlich abgelehnt werden. Auf Erkennung einer Gefängnißstrafe habe das Gericht abgesehen, weil es sich um Austausch einer Meinung zwischen zwei Religionsgesellschaften handele. Die Gesellschaft des „Freidenker" muffe als eine solche angesehen werden. Der Schrift- und Kassenwart Walker sei zu 300 und 300 Mark Geldstrafe zu verurtheilen und in die entstandenen Kosten. Ferner sei auf Publikation des Urtheils im „Freidenker" zu erkennen. Berlin, 25. Juni. Gestern Abend hielt der „Esra, Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien" seine Jahresversammlung ab, zu welcher u. A. die Herren Dozent Dr. Braun und L a q u e u r aus Breslau erschienen waren. Der Vorsitzende, Herr M. Dorn, begrüßte ' die Erschienenen und erstattete Bericht über die Entwickelung und die Wirksamkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre, welche in jeglicher Hinsicht als erfreulich bezeichnet werden können. Die Zahl der Mitglieder ist abermals namhaft gestiegen; die Einnahmen haben die Hohe von 10,000 Mk. erreicht, wovon 12,000 für die Kolonie „Machanajim," 2400 Mk. für die Arbeiter- Ansiedelung „Esra," 1000 Mk. für „Bne Jehuda" bewilligt worden sind. Redner skizzirte sodann die Aufgaben, welche dem Verein namentlich durch die Unterstützung der in ihrem Bestände bedrohten Kolonie „Machanajim" während der nächsten Jahre erwachsen würden, und schloß mit der dringenden Aufforderung, die Erfüllung dieser Aufgaben durch die Werbung neuer Gönner und Freunde zu erleichtern. In der Diskussion wurde von mehreren Rednern, namentlich von den Herren W. Bambus, Dr. H. H i l d e s h e im e r , Prof. Dr. Marburg, die überaus verdienstvolle Thätigkeit der ,,J. K. A." auf dem Gebiete der Kolonisation Palästinas hervorgehoben. Ein Antrag des Herrn Dr. Ka r p e l e s , welcher das Central-Comitee beauftragt, die Mitglieder durch periodische Veröffentlichungen über die Entwickelung der Kolonisation Palöstina's zu unterrichten, wurde einstimmig angenommen. Nach Ertheilung der Decharge an den Schatzmeister, Herrn Konsul I. Friedemann, wurden die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Central-Eomitees, die Herren Consul Friedemann, W. Bambus, Dr. D. Caspari, Berth. Israel, Willibald Loewenthal und Pros. Dr. O. Marburg durch Zuruf wiedergewählt. Aus Antrag des Frankfurter Comitees sind die Statuten des Vereins einer Umänderung unterworfen worden, womit eine Eommiffion betraut wurde, welche r das Ergebnis; ihrer Arbeit dem Central-Eomitee unter- / ‘ breitet bat. Die meist formalen Aenderungen, welche,^ zum Zwecke der Eintragung des Vereins in das Vereins-Register w.ihwendig waren, wurden genehmigt. Nach einer anregenden Diskussion über eine Reihe von Anträgen schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem erneuten, beherzigenswerthen Appell, das thätige Interesse für die Bestrebungen des „Esra" in immer weitere Kreise zu tragen. Berlin, 28. Juni. Die Verhandlungen der sog. Tolcranzkommission sind durch' den vorzeitigen Schluß des Reichstages nun auch unterbrochen worden. Der Bericht iiber die Verhandlungen, den der Centrumsabgeordneie Dr. Pichler erstattet, ist auch für uns von hohem Interesse. Er enthält nämlich alle in den deutschen Bundesstaaten geltenden Bestimmungen auch in Bezug auf Juden und Judenthum. Eine solche Zusammenstellung existirte in dieser Vollständigkeit bisher noch nickt. Sie fordert die Beachtung in hohem Grade heraus und wird manchen humanen Politiker, dem das Wort „Toleranz" kein leerer Schall ist, viel zu denken