Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 50 (27.6.1901)
- Date
- 1901-06-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449194--53646-2504322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
1114 verschollen für die Christen, ans ewig todt. Mein Gefolge hat, um den Zorn der Herzogin von sich abzuwenden, ausgesprengt, daß ich auf einer Jagd in den Vogesen von den Wölfen, die dort in ganzen Rudeln leben, zerrissen worden sei, und daß man von mir kaum einige zerbröckele Knocken fand. Ich habe von diesen Gerüchten gehört, und Ihr seht also, daß nichts für mich zu fürchten ist. Ich bin für die ganze Welt todt." „Und hat der Gedanke an Eure Mutter keine Macht über Euer Herz? Könnt Ihr Euch auf ewig von ihr lossagen? Denkt an den Schmerz, an ihre Verzweiflung! Liebe und Achtung für seine Eltern schätzt am höchsten der Ewige." „Genug, Rabbi, meine Mutter hat wahrlich das nicht um Euch verdient. Ich weiß, daß sie ohne Erbarmen Kinder aus den Armen der Mütter riß, und sie taufen ließ. Nichts soll mich von meiner bessern Ueberzeugung abhalten. Wenn Ihr bei Eurem zu großen Edelmuthe beharrt, den wahrlich Eure grausamen Feinde nicht verdienen, und mich dennoch abweist, so gehe ich anderswohin. Es wird sich wohl schon eine Gemeinde finden, die mich aufnimmt." Der Prinz stand auf und drückte sich das Barett tiefer in die Stirne. Rabbi Isaak erhob sich ebenfalls. „Hoher Herr!" sagte er, „da Ihr so fest und unerschütterlich seid, so ist es umsonst, sich länger zu weigern. Doch hört mich an: unser Gesetz gebietet, demjenigen, der sich in unseren Bund aufnehmen lassen will, Frist zu lassen, damit er sich diese Sache überlege, damit er unsere Religion entweder mit ganzem Herzen, mit vollem Willen erfasse, oder gar nicht. Ich gebe Euch also zwei Monate Bedenkzeit. Geht während dieser Zeit nach Preßburg, dort seid Ihr am sichersten. Seht Euch das Leben im Ghetto an. und wenn Ihr dann zurückkehrt, in Euerer Gesinnung fest wie jetzt, bin ich bereit, Euch in unseren Bund aufzunehmen. Seid Jhr's zufrieden?" „Ich bin's, wenn es nicht anders sein kann," versetzte der junge Mann. „Doch kann ich Euch versichern, daß ich ebenso kommen werde, als ich gegangen. In Preßburg bin ich wirklich am sichersten geborgen. Also lebt wohl, frommer Rabbi! In zwei Monaten bin ich wieder hier." Er hüllte sich in seinen Mantel und drückte das Barett tief in die Stirne. Als er Rabbi Jsak die Hand reichte, schien er noch etwas sagen zu wollen, denn sein Auge überflog mit einem seltsamen Ausdruck das Gesicht des Greises. Dann aber wandte er den Kopf ab und schritt hastig der Thüre zu. Zur größeren Vorsicht löschte der Rabbi die Lampe aus, ergriff den Prinzen bei der Hand und geleitete ihn leise und fast unhörbar die dunklen Treppen hinab, der Hinterthüre des Hofes zu. Als sie dort standen, drückten sie sich nochmals stumm mit tiefer Empfindung die Hände, dann trat der Prinz auf die Gasse und verschwand bald in der Dunkelheit. Das Herz von unsäglichen Gefühlen erfüllt, ging der Rabbi in seine Studierstube zurück. Als später beim Nachtmahl Frau Rebecka ihren Mann fragte, wer der geheimnißvolle Fremde gewesen sei, erwiederte er mit einem seltsamen Lächeln: „Einer, der Geld von unserem Volke entnehmen will." „Und da ist er zu Dir gekommen?" frug sie ungläubig. „Er glaubte, ich sei der Schatzmeister darüber," versetzte er. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags nnd Donnerstags, jedes««ck in mindestens zwei Bogen. Pieis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. W. Kteinarkrr, Leipzig, Notzplatz jb. — Inserate 25 Pfennig die vierstespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'- Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaktion eingesandten Manuskripte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von alle« Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Stellensuchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen lang gratis und frane» zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solche«. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Bedenkliche Rathschläge. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland:)Mainz. Berlin. Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Griechenland: Athen. — Mittheilungen aus den jüd. Armenvereinen und für dieselben: Windsbach. Sprechsaal: Berlin. Insterburg. — Feuilleton: Der Prinz von Tyrnau. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Tamusgedanken. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland: Mainz. Hamburg. Oesterr.-Ung. Monarchie: Arad. — Vermischtes. — Literarische Notitz Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Ein wackerer Verein. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Rußland: Petersburg. Inhalt der dritten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Potsdam. Kattowttz? Oesterr.-Ung. Monarchie: Prag. Rußland: Odessa. Extra Beilage: „Svrüche der Väter." Verantwortliche Redaktion Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der 3oh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschast in Mainz. Hier»« vier Beilagen.