Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 50 (27.6.1901)
- Date
- 1901-06-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1112 35 000 Francs ausgenommen, welches hoffentlich, wie wir es wünschen, bald reichlick gedeckt sein wird. MINI,ell»«M aus de» jiid. Arwe»verei»r» u»d ffir diesrlde«. <SLmmtUche jüd. Wan-erbettelvereine unv Kaue» fftv Durchreisende sind gebeten, uns Mittheilungen über Grsahrungen die sie auf dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, zukommen zu lasten.) Windsbach (Bayern), 25. Juni. Der in der letzten Nummer des „Israelit" von Wassertrüdingen als 's ausgeschriebene Adolf Sckäser aus Bieber bei Gelnhausen war heute an der hiesigen Armenkasse. Ick legte demselben sofort die Nummer des „Israelit" vor; ich wollte ihm eine Tefillah geben, damit er bete; er erwiederte, er könne es nicht; ich fragte ihn, was wir alle Tage beim Moraengebct anlegen; er wußte nichts davon; er solle mir unfern heiligsten Fast- und Ruhetag nennen; auch dies war ihm fremd. Es ist also festgestellt, daß der Betreffende kein Jude ist. Pah zeigte er nicht vor, wahrscheinlich, weil die Konfession darin bemerkt ist. Er zeigt nur eine Bestätigung auf einem Bogen Papier vor. Als er entlarvt war, war er ganz niedergeschlagen und im Fortgehen wurde von Leuten gehört, wie er sagte; „Großartig, großartig, es ist wirklich so." Er trägt graumelierten Vollbart, hat jüdischen Typus, ist von mittlerer Größe, schwarzen Filzhut, Regenschirm, spricht ein sehr schönes, reines Deutsch. Der Cassier der isr. Armenkasse zu Windsbach, Bez.-Amt Ansbach in Bayern. Sprechfaul. Berlin, 25. Juni. Die in Nr. 33 mitgeibeilten „Antisemitischen Stimmen aus dem klassischen Alterthume" würden an verschiedenen Stellen eine richtigere Darstellung gefunden haben, wenn das in meiner „Geschichte der Juden in Nom" nachgewiesene Material berücksichtigt worden wäre. Ich nehme Abstand, hier näher daraus einzugehen; nur die so oft wiederholte und unglücklich kommentirte Phrase des Horaz, „Tricesima Sabbata," möchte ich wieder erwähnen. Diese hat inzwischen eine neue Erklärung (in Nr. 38) gefunden, die wohl auch den Urheber derselben selbst nicht befriedigt. Eher dürste eine ganz neue, verständlichere, weil einfache Erklärung einleuchtend sein, die ich von dem scharfsinnigen (vor zwei Jahren verstorbenen) Rabbiner Elia Benamozegh gehört habe. Die judaisirenden Römer, welche den Sabbat beobachteten, haben wahrscheinlich fortlaufend die Zahl der Sabbate im Jahre festgehalten, die sie bereits beobachtet hatten. „Es ist heute der 30. Sabbat," sagte Aristius, — gleichsam, um sich selbst als einen jüdischen Anhänger zu kennzeichnen, dem gegenüber Horaz doch die beschnittenen Juden nicht wird beleidigen. „Darüber mach ich mir keine Skrupel," sagte Horaz. „Aber ich wohl," antwortet Aristius, „der ich einer von den Bielen bin, welche den jüdischen Culius ausüben." So dürfte für die alte Redensart, welche den Auslegern so viel zu schaffen gemacht hat, endlich die richtige Erklärung gefunden kein. Dr. A. Berliner. Insterburg, 23. Juni. Sehr geehrter Herr Redakteur! Zu den litterarischen Notizen in Nr. 37 u. 39 Ihres geschätzten Blattes über die Erklärung Raschis in Nidda 20 b zu vcr.n wage ich es zu behaupten, daß diese Naschistelle an? '2? Fürstenanmuth oder Fürstenschönheit zu lesen ist, wodurch alle Schwierigkeiten beseitigt wären. Die Aeußerung eines Sachkundigen hierüber wäre mir sehr lieb. B. P e s s e n. Feuilleton. Der Erbprinz von Tyrnsu KistoristHe Novelle von Karoline Deutsch. 21 „Hört, Rabbi! Der Prinz Emrich ist auf ewig verschwunden, ist wirtlich todt; nimmer wird er in seinen väterlichen Hallen wandeln, nimmer in der Gemeinde der Christen »veilen. Unter einem anderen Namen tritt er zu Euch und bittet Euch, ihn unter Euren» Volke auszunehmen. Frommer Rabbi, schon lange trug ich mich mit dem Gedanken, Jude zu werden. Es war der heißeste Wunsch meines Lebens und wie ich ihn aussühren könnte, mein ewiges Sinnen. Vor sechs Monaten," fuhr er fort, und eine plötzliche Röthe überzog sein Gesicht, wie lvenn eine Erinnerung sich ihm mächtig aufgedränat hätte, „äußerte ich den Wunsch, zu reisen, frembe Länder zu besuchen. Meine Mutter willfahrte mir. Man gab mir ein prächtiges Gefolge mit, lvie es einen» Prinzen geziemt. Mein Plan stand fest. Diese Reise sollte inich meinem Ziele näher bringen. Wir reisten durch Italien, Deutschland, Frankreich, Eines Tages entfloh ich meinen Begleitern; ich schlug, verkleidet und unter fremdem Namen, auf anderen Wegen den Weg nach der Heimath ein. Auf meinen beschwerlichen Wanderungen hielt ich mich so lange auf. bis ich glauben konnte, daß man mich auf immer ver loren hielt, keine Hoffnung zu meiner Rückkehr hatte Dann erst wagte ich in Dunkel und Nach: meine Schritte nach hierher zu wenden, — und Ihr seht mich nun hier." „Und das trauernde Angesicht Eurer Mutter habt Ihr noch nicht gesehen, gnädiger Herr?" fragte Rabbi Jsak nach einem langen Stillschweigen und hielt prü-