Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 50 (27.6.1901)
- Date
- 1901-06-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1110 Aber sich auf diesen Standpunkt zu capriciren und das religiöse Moment völlig auszuscheiden, ist und bleibt nicht nur ein unkluger, sondern auch in der Befolgung völlig unmöglicher Ratb, den wir, von wem er auch ausgebe, mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Mainz, 26. Juni. Wir werden soeben darauf aufmerksam gemacht, daß sich in der jüngsten Nummer unseres Blattes ein Lehrlingsgesuch mit der Bemerkung, Samstags offen, befindet. Es ist selbstverständlich, daß ein derartiges Inserat nur aus Versehen, wahrscheinlich in Abwesenheit des Correttors, -ich in unser Blatt eingeschlichen. Wir haben Veranlassung fast allwöchentlich derartige, gegen die Richtung unseres Blattes verstoßende Inserate in großer Menge zurückzuweisen, daß doch einmal ein solches Unterschlupf gefunden, bedauern wir auf das Lebhafteste. Mainz, 26. Juni, lieber die Beschäftigung der Gefangenen in den Strafanstalten hat das Großh. Ministerium der Justiz soeben eine Verfügung erlassen. Diesem Aktenstück entnehmen wir, daß Gefangene jüdischer Religion an Sabbat und den folgenden Feiertagen: Purim, Passah, Wochenfest, Neujahrsfest, Versöhnungsfest und Laubhüttenfest nicht wider ihren Willen zur Arbeit angehalten werden sollen. Berlin, 2o. Juni. Am vergangenen Freitag waren wir Zeugen einer erhebenden und ergreifenden Feier. Am Todestage des unvergeßlichen, unvergleichlichen Begründers des Rabbinerseminars, Dr. Israel Hildesheimer s. A., am 4. Tamus, versammelten sich in der Seminarsvnagoge um 10 Uhr morgens die Lehrer, Hörer und Gönner der Anstalt zu einer Gedächtnißfeier. f Rach dem Vortrage des Psalm 16 durch Herrn Dr. H o f f m o. n n betrat Herr Dr. A. Berliner die Kanzel und entrollte in mehr als einstündiger Rede ein Lebensbild des Rabenu Tam, dessen Todestag ebenfalls auf den 4. Tamus fiel, um dann an einer großen Zahl von Beispielen zu zeigen, „wie viele Züge den beiden großen Männern gemeinsam waren." Wir geben im Folgenden eine kurze Skizzirung, die freilich dem Reichthum der Gedanken und die Lebendigkeit und Schönheit der Form kaum ahnen läßt. Redner schildert die vier Söhne des Rabbi Meir b. Samuel in ihrem Wesen und Wirken, erinnert daran, wie es dem Redner vergönnt gewesen wäre, einen derselben (Salomo b. Meir) vor 28 Jahren zu entdecken und ihn als einen sehr fruchtbaren Eregeten und Sprachkenner nachzuweisen. Allmählich erhebt sich aus ihrer Reibe der jüngste R. Jakob, mit Anspielung auf die bekannte Schriftstelle R. Tam genannt, als erste Autorität. Sein Weltruf stand bald fest und aks T-n wurde er überall gepriesen, wie das aus den Ausdrücken der höchsten Verehrung hervorgeht, die wir in den Einleitungen zu den Anfragen, die an ihn ergingen. lesen. Das geht so weit, daß der Satz aufgestellt wird mosrrrr tzaa nxa rrn b'n: p2">a na rwa "i 1^ xbx vbx rnrrsH xbp '""v m Lp p^n x:ntpa v'v L'bn: v.n '"r rrnw nbap '2 mcrn nnx L»2v-n fo inu pom noaro der Schwerpunkt der Thätigkeit des R. Tam liegt im Lehrhause. Zahllos waren die Schüler, die aus allen Theilen der Welt, sogar aus den slavischen Ländern zu ihm eilten. Wurden doch im Lehrhause des R. Tam viele Lehrmittel geboten, die den vorangegangenen Generationen noch nicht bekannt waren. R. Tam verfügte über eine vermehrte Zahl von massoretischen Tabellen, die Rascki noch nicht gekannt hat; in seinen rrnan hatte er Menachem ben Seruk gegen die Angriffe des Dunasch b. Labrai in Schutz genommen und dabei neue Gesichtspunkte hinsichtlich der Massora aufgestellt. Auch für das Studium des Talmud Jeruschalmi begann mit R. Tam eine neue Epoche. R. Tam legte auch großen Werth auf die maSn wie er es auch war, der alle die nachtalmudischen Schriften zu Ehren brachte und sie vor Angriffen schützte. Sehr interessant ist es, den R. Tam in seiner Lehrweise zu belauschen. Er verwirft den ban bv den Pilpul will er gepflegt wissen, der auf der talmudischen Basis sich nach logischen Grundsätzen aufbaut. R. Tam will aber nicht die Lösung einer schwierigen Talmudstelle durch eine Textesemendation erkaufen. Gerade die schwierige Lesart sei die richtige, sie bedürfe nur manchmal, talmudisch ausgedrückt, eines im ia *u:. Redner führt in fesselnder Weise vor, und belegt es mit einer Reihe von Stellen aus den Schriften R. Tams, wie dieser streng in der Sache, wenn auch mild in der Form, gegen die Textänderer austritt und betont, wie dieser Zug so hervorstechend an Rabbi Israel Hildesheimer war, daß auch bei ihn: der Satz n "o: njn? px: nmn pm nean px eine stehende Redensart war. Es wird auch von R. Tam berichtet, daß er den sorgfältig gehüteten Talmudtext des R. Gerschon sich abgeschrieben habe, um sich für die eigentliche Lesart auf ihn berufen zu können. Ein neues Hilfsmittel stellte sich ihm, wie auch seinem Bruder R. Samuel zu Gebote, denn Beide sind die Ersten in Nordfranlreich und Deutschland, zu denen die Kommentare des N. Chananel und der Aruch des Römers Nathan b. Jechiel gelangten. Redner ist es gelungen, diesen Schatz des Rabbenu Chananel aus des Klosters Tiefen in Rom zu heben. Auch hat seine Behauptung, daß der Aruck Nascht noch nicht bekannt war, und daß seine Erwähnung im Raschikommentar zu Sabbat 13 b eine Interpolation sei, später seine Bestätigung gesunden. Aus verschiedenen Stellen in den Schriften des R. Tam ließ Redner den offenen Blick hervorleuchten,