Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 49 (24.6.1901)
- Date
- 1901-06-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1096 «l Wurzln waren miteinander verschlungen und gaben sich gegenseitig Kraft und Leben. — Wenn der Sturm zu groß war und ja Stämme brach und niederriß, so blieben die Wurzeln, und nach Jahren irieben sie wieder frisches Leben, lind wenn diese Baumart Ruhe hatte, wenn ihnen Boden und Sonne gegönnt war, da hoben sie sich kräftig in die Höhe, felsenfest, fie breiteten ihre Zweige und Kronen nach allen Seiten der Sonne entgegen. ein hohes Bild der Kraft und Ausdauer. Und einst war unter den königlichen Beherrschern der Bäume eine junge Tanne entsprossen; dieser hatte die Natur einen freieren, denkenderen Geist verliehen und sie erkannte bald diese Dinge. „Diese Bäume," dachte sie oft, „haben Alles, was zu ihrem Wachsthume, zu ihrer Ausbreitung nöthig ist. Sie haben Freiheit, Sonne, Luft und Licht. Von außen strömt das Leben ein und befördert die Kraft von innen, und das zu sein, was sie, ist lein Verdienst. Diesen Bäumen dort wird Alles entzogen; man nimmt ihnen Alles, was das Leben kräfiigt und hebt, und wenn sie doch grünen und blühen, sich entfalten und kräftige Stämme haben, so muß die Kraft unendlich sein, die ihnen innewohnt, die die äußeren Zuthaten ersetzt, und das zu sein, was sie, ist Verdienst; denn sie erringen es selbst." Das dachte der junge Tannenbaum oft, so oft, bis ein mächtiger Trieb in ihm erwachte, sich dieser verachteten Baumart anzuschließen. — — Versteht Ihr mich, Rabbi?" Anfangs hatte Rabbi Jsak mehr auf die weiche und klangvolle Stimme des jungen Prinzen gehört, als auf das, was er sprach; dann hatte aber die Geschichte ihn immer mehr und mehr gefesselt. Das feine, ehrwürdige, vergeistigte Gesicht des Gelehrten zeigte Spannung und Ueberraschung und als der Prinz geendigt hatte, starrte er ihn mit großen Augen an, ohne ihm mit einem Worte zu antworten. „Versteht mich ganz, Rabbi! Diese Tanne, die seit ihrer Kindheit Liebe und Verehrung für Euer gedrücktes, zu Boden getretenes Volk hatte, bin — ich. Ich will ein Jude werden, darum komme ich zu Euch, als dem priesterlichen Döerhaupte der hiesigen jüdischen Gemeinde." — „Wenn ich nicht wüßte, daß ich hier in meinem Zimmer sitze, daß mich meine Bücher umgeben, daß noch der Helle Tag in meine Fenster blickt, ich müßte glauben, ein Traum umfange mich." Einen Augenblick hielt der Rabbi in tiefer, innerer Erregung inne, dann fuhr er fort: „Hoher Herr! Ihr habt ein Wort ausgesprochen, das, wenn es kund wiirde, Hunderten von Menschen Unglück und Verderben bringen würde, eine ganze Gemeinde dem Schlachtmesser überlieferte. Ihr, der Erbprinz Tyrnau's. der seit einem halben Jahre als tobt beklagt wird, kommt zu mir und sagt, Ihr wollt ein Jude werden. Ich wage das Wort gar nicht auszusprechen." (Fortsetzung folgt.) Wochen Galenüer- Donnerstag, 27. Juni, ln. Tamils, £"d myn Freitag, 28. Juni. 11. Tamus, Sabbar-Anfangiu Mainz u. Frankfurt a. M. 7 tlhr 45 Min. Samstag, 29. Juni, 80. Tamus, ,i 'n 's ,npn, Sabbat-Ausgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 40 Min. — Berlin 9 Uhr 34 Min — München 9 Uhr 08 Min. — Hannover 9 Uhr 45 Min. — Stuttgart 9 Ubr 28 Min. - Prag 9 Uhr 15 Min. — Straßburg 9 Uhr 30 Min. - Posen 9 Uhr 22 Min. Der „Israelit" erscheint wfichenllic^ zweimal, Montags und Donnerstags, jedeSmal iw mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich od°r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. W. Steinach er, Leipzig, Notzplatz )b. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Di’aunt. 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