Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 49 (24.6.1901)
- Date
- 1901-06-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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.IWWWUWW 1096 Berlin, der im vergangenen Frühling die jüdischen Kolonien in Kleinasten besucht hat, gewann im Gegensatz Zu Herrn Niego die Ueberzeugung, daß keineswegs alle .Kolonisten nicht das Zeug dazu haben, dereinst tüchtige Bauern zu werden. Er suchte sich daher vierzig der besten Kolonisten aus. -setzte ihnen einen tüchtigen deutschen Fachmann als Administrator ein und unterstützte jede Familie einstweilen mit kaum 1200 Frcs. Das Resultat war glänzend. Die Kolonisten sind fleißig, anspruchslos und tüchtig, die Wintersaaten sind gut geratben, und Herr Prof. Marburg hofft mit einer weiteren Unterstützung von kaum noch 800 Frcs. pro Familie die Kolonisten bis zur völligen Selbstständigkeit zu bringen. 2000 Frcs. vro Familie wird aber die „I. K. A." ausgeben müssen, nur um die Kolonisten von Baylik-Abour zurück in das gelobte Rumänien zu führen. T. M111tze1l«W« aus de« jiid. Ar>»k«verei»kv u«d fflr dirftldr«. (Gümmtliche jüd. WanLerbettelvereine rrno Zrapen für Durchreisende find gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen die fie auf dem Gebiete ihrer Lhütigkeit machen, zukommen zu lassen.) Memel, 1. Tamus. Bezugnehmend auf die Bekanntmachung des Armenvereins zu Gimbsheim im „Israelit" Rr. 46, daß ein Herr Namens Stern in Pretoria erster Cantor gewesen zu sein angibt und ausgewiesen worden sei, bestätige ich hiermit, daß mir, als Schocket in der jüdischen Gemeinde zu Pretoria in den letzten vier Jahren meines Amtes, ein Mann Namens Stern unbekannt war, daß der Cantor, Rev. Jasse, dort jetzt noch amtirt, und daß überhaupt kein Beamter von dort ausgewiesen worden ist! Ch. L. S t r u n i n, Schochet. Wafsertrndingen, im Juni. Vergangene Woche wollte ein Subjekt, welches sich Adolf Schäfer nennt und aus Bieber (bei Gelnhausen) ist, die hiesige Armenunterstützunaskafse in Anspruch nehmen. Betreffender scheint ein praktischer Schnorrer zu sein, denn seine Manieren hat er den polnischen und russischen Collegen getreulich abgeguckt. Trov seines gut gepflegten Bartes und unerschrockenen Auftretens, habe ich ihn doch entllarvt und konstatirt, daß er ein irr ist. Herz. Personalien. Jttlirrgerr (Baden), 20. Juni. Einen herben Verlust hat unsere Gemeinde am 2. Tag Schowuaus erlitten. Herr Feiber Eichtersheimer weilt nicht mehr unter uns. Er erreichte das seltene Alter von 96 Jahren. Am Grabe hielten Herr Lehrer Herzu. Herr Salomon Siegel aus Straßburg i. E., Schwager des Verstorbenen, tief empfundene Reden, in denen sie mit beredten Worten die hohen und seltenen Tugenden des chcuren Entschlafenen schilderten, mit welcher Hingabe und Gewissenhaftigkeit er das Amt als Vorsteher und Val Thokea verwaltete. Es war ihm vergönnt, das Glück ssiner Kinder zu gründen und Urenkel zu schauen. Die überaus zahlreiche Leichenbegleitung aus allen Ständen und allen Konfessionen legte beredtes Zeugniß davon ab, wie beliebt und hochgeachtet er im Leben war. Cochem, 10. Jmn. Gestern feierte unter allgemeiner Theilnahme der ganzen Stadt das Ehepaar Salomon Hein dahier das Fest der goldenen Hochzeit. Abends zuvor brachte der katholische Männergesangverein ein Ständchen, und der Landwehrverein, dessen Mitbegründer der Jubilar ist, ehrte das Paar durch einen Fackelzug. Der Vorstand des Vereins überreichte dem Jubelpaare nach schwungvoll gehaltener Rede einen großartigen silb. Pokal. Ein feierlicher Gottesdienst, bei welcher Gelegenheit auch die Ehejubiläums-Medaille überreicht wurde, fand in der Synagoge am anderen Morgen durch Lehrer Mannheimer statt. Die jüdische Gemeinde ehrte das Paar durch Uebergabe eines silbernen Bechers mit entsprechender Widmung. vermischtes Galarrta. Herr Moses Feld mann, Oberrabbiner der ersten orth. Gemeinde von hier, wurde nach Budapest als Rabbiuatsverweser berufen. An dessen Stelle wurde Herr Benjamin Seidl, Magid aus Nagy-Suranv (Eom. Neutra) berufen. S. S. Feuilleton. Der Erbprinz von Tyrnau KistorifcHe Wovelle von Karolirre Deutsch. A I. Es war in- Herbste des Jahres 1390. In einem kleinen, niederen Zimmer des Tyrnauer Ghetto saß um die fünfte Abendstunde der Rabbi Jsaac ben Simon. Die Strahlen der untergehenden Sonne glühten brennend durch die runden Fensterscheiben und warfen goldene Reflexe ans das schneeweiße Haar und die hohe, breite Stirne des Gelehrten. Hohe mächtige Folianten lagen vor ihm aufgeschlagen, übereinander gelagert, stoßweise: jene Riesenbücher, wo seit Jahrhunderten die reichen Schätze des jüdischen Geistes niedergelegt werden, die großartigen, wundervollen Schöpfungen inenschlichen Denkens, die bald in poetischem, goldschimmernden Strome dahinrauschen, bald in kühnen, scharfsinnigen Kombinationen sich wie eine unendliche, lebendige, ineinandergeschlungene Kette fortziehen.