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Der Israelit · 1901-06-24 · Heft 49 (24.6.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 49 (24.6.1901)
Date
1901-06-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1095 eigene Herzensmeinung über den Fall für uns und überlassen es dem Leser selber, die Moral aus dieser Geschichte zu ziehen. Frankreich. Paris, 23. Juni. Die am 17. Juni stattgehabte vereinigte Berathuna des Eentralcomitee der „Alliance isr. univcrs." hat zahlreiche Berichte über das bei unseren Glaubensgenossen in Rumänien herrschende Elend entgegengenonnnen. Es wurde nach längeren Verhandlungen bstchlcsten. die zeitweise eingerichteten Volksküchen, die Schöpfungen zur Unterstützung des Handloerkes und Darlehenskassen, welche bisher vorzügliche Dienste geleistet haben, noch weiter zu subventioniren und zu diesem Zweck einen Ausruf an die jüdische Gesammtheit zur Unterhaltung dieser wohlthätigen Einrichtungen zu erlassen. Rußland. Moskau. (Auch ein Judenausweiser.) Ein schlimmer Parasit, wie er nur auf dem ungesunden Boden der Maigesetze gedeihen kann, ist am 21. Mai von dem Moskauer Kreisgericht unschädlich gemacht worden. Bor diesem Gerichte wurde nämlich der jüdische Kaufmann erster Gilde. S. Rabbinowitsch, wegen Verleumdung des Gouvernementssekretär K. L. Sckedewer verklagt. Dieser saubere Herr, welcher Herrn Rabbinonütsch nicht kannte, hielt diesen mitten auf der Straße an, gab sich für einen Polizeibeamten aus und verlangte von ihm die Vorzeigung seines Passes, resp. einer Bescheinigung, daß er das Recht habe, sich als Jude in Moskau oufzuhalten. Herr Rabbiuowitsch gab an, keine Ausweispapiere zu haben, woraus ihm der angebliche Polizeibeamte befahl, ihm aus die Wache zu solgen. Herr Rabbiuowitsch leistete auch der Aufforderung Folge und wollte unterwegs alle ziemlich deutlich gegebenen Winke, sich mit einer Kleinigkeit loszukauien, durchaus nicht verstehen. Auf der Polizeiwache legitimirte sich Sckedewcr als Gouve^nementssekretär und theilte mit, daß er einen Juden bringe, der ohne Paviere sich in Moskau aufhalte. Wie groß war aber sein Schrecken, als der angeblich Paßlose sich aus der Polizei als ein Kaufmann erster Gilde legitimirte und gleichzeitig mittheilte, daß Schedewer ein Gauner sei, der sich darauf verlege, paßlose Juden aus der Straße anzuhalten und den Geängstigten unter Androhung, sie nach der Polizeiwache abzuführen, Eins Rubel abnimmt. Es ist nun ein Beweis für die unglaubliche Frechheit des verkommenen Tschiuowniks, daß er, anstatt sich in dem Bewußtsein, bei Herrn Rabbinowitsch diesmal an den Unrechten gekommen zu sein, einfach zu drücken. Lärm machte und seinen Ankläger wegen Verleumdung verklagte. Es fand sich auch ein Richter, der Herrn Rabbinowitsch deßwegen zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilte. In der Berufungsinstanz trat jedoch eine große Reihe von Zeugen auf, welche bekundeten, daß der Kläger unter den zeitweilig in Moskau sich aufbaltenden Juden als der „Ausweiser" bekannt und gefürchtet werde. Das Gericht sprach den Angeklagten frei und erklärte den Antisemiten Schedewer für einen Gauner, der sich ein Geschäft daraus machte, Juden ans der Straßen anzuhalten, von ihnen Papiere zu fordern und unter der Androhung, sie auf die Wache mitzunehmen Geld zu erpreßen. T. Türkei. Konstantirropek. HJüdische Kolonien in K l e i n a s i e n.s Bor etwa zwei Jahren wurde von bulgarischen und rumänischen Juden der kühne Versuch gemacht, in Kleinasien vier Kolonien zu errichten. Unter dem Hinweise darauf, daß sie vor der Unabhängigkeitserklärnng Bulgariens und Rumäniens türkische Nnterthanen waren, wandten sich die Kolonisten mit einer diesbezüglichen Eingabe an den Sultan, welcher sie nicht allein von Neuem in den türkischen Unter« thanenverband ausnehmen ließ, sondern ihnen auch Ländereien schenkte und sie überdies aus seiner Privatschatulle mit ansehnlichen Geldmitteln unterstützte. Leider erwies sich die Güte des Sultans als zwecklos verschwendet, und der ganze Kolonisationsversuch ist, nachdem er wieder einmal viel jüdisches Geld, das anderswo besser hätte verwendet tverden können, verschlungen hat, als gescheitert zu betrachten. Die Schuld lag in erster Reihe an den Kolonisten selbst, welche nichts weniger als gute Ackerbauer waren. Dann aber waren die Einwanderer absolut ohne Mittel und ihre einzige große jüdische Tugend, das hartnäckige Ausbarren bei dem einmal gefaßten Beschlüße (Am ksche auref) konnte diesen Mangel aus die Dauer nicht ersetzen. Bon den vier Kolonien, die so in Kleinasten entstanden sind, mußten die beiden größeren, die von bulgarischen Juden bei Jsmid gegründete Kolonie Kefken, sowie die von rumänischen Juden gegriindete Kolonie Baylik-Ahour, aufgegeben werden. Kesten bat sehr schlechtes Land und von den Kolonisten sagte Herr Riege, Direktor der Allianceschule bei Jaffa, daß sie nicht das Zeug haben, einmal richtige Bauern zu werden. Bevlik-Abour ist mit großen, sieberschwangeren Sümpfen umgeben, welche die Gegend völlig unbewohnbar machen. Die „Alliance" sowohl, als die „I. K. A.", an welche sich die Kolonisten um Hilfe wendeten, haben daher beschlosten, die Emigranten unter schweren Geldopfern zu repotriiren, obgleich die zur Repatriiruug erforderlichen Summen wahrscheinlich hingereicht hätten, die Kolonisten an Drt und Stelle definitiv einzurichten. Daß dieses wirklich im Bereiche der Möglichkeit lag, das beweist der Fall mit den zwei anderen Kolonien Sastelar und Dabkis, mit im Ganzen vierzig Familien, welche alle Chancen haben zu reustiren, obgleich keine solche votenken Gesellschaften, wie „Alliance" und „I. K. A.", sondern ein einfacher Privatmann hinter ihnen steht. Dieser Privatmann, Herr Profeffor Warburg in

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