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Der Israelit · 1901-06-24 · Heft 49 (24.6.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 49 (24.6.1901)
Date
1901-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1093 Von Bibelausgaben und ihren Theilen erwähne ich die erste rabbinische Bibel, aus der Offizin Daniel Bömbergs in Venedig, 1516—17, hervorgegangen, die Pergamentdrncke der Hagiographen, Saloniki 1616, und der Psalmen mit den .Kommentaren des David Kimchi und Josef Ehajjun, Saloniki 1632. sowie als Unikum die Klagelieder mit dem Kommentar des Joel Ibn Schoeib, Saloniki 1621. Eine noch weit größere Vermehrung erfährt die Sammlung der Ritualien. Die Ausgabe der Festgebete der katalonischen Gemeinde in Saloniki, ebenda 1627, dürfte überhaupt nur hier zu finden sein; von den täglichen Gebeten der arragonifchen Gemeinde und den Hoschaanot der sizilischen Gemeinde, beide aus späterer Zeit, sind außer den unserigen nur die Exemplare im Londoner Britischen Museum bekannt. Das kleine Gebetbuch nach römischem Ritus, in Fano 1603 gedruckt, sucht seinesgleichen nur in der Wiener Hofbibliothel. Vom Machsor Romagna (Griechenland), Venedig 1620, dürfte gleichfalls nur noch ein einziges weiteres Exemplar existiren. Werthvolle Bereicherungen erhält auch die Abtheilung der jüdisch-deutschen Schriften durch die Legendenwerke (Maase-Bücher) in den Ausgaben von Prag und Wilhermsdorf. Als Unikum wird in dieser Abtheilung die ethische Schrift Orech Jamim des Samuel Benveniste. Venedig 1699, zu bezeichnen sein. Für die Grupve der synagogalen Musik, welche unlängst durch eine größere Schenkung des Herrn Ch. Hallgarien eine erhebliche Erweiterung erfahren hat, bildet das Notenwerk des Salomo de Rosst, Venedig 1623, das einzige hebräische aus älterer Zeit und nur in wenigen Exemplaren erhalten, einen schätzenswertsten Zuwachs. Von hervorragender Wichtigkeit sind die Ergänzungen, welche die beiden großen Abtheilungen der anonymen Werke und der Autoren erfahren. Der kleine Briefsteller, Augsburg 1634, von dem das einzige sonst noch bekannte Exemplar mit der Zunz'schen Bibliothek nach Ramsgate gekommen ist, ergänzt unsere Sammlung von Augsburger hebräischen Drucken dahin, daß ihr jetzt nur noch zwei Werke fehlen. Von den hundert Drucken aus den Jahren 1600 bis 1640, welche die Stiftung enthält, find allein 36 in Konstantinopel entstanden. Darunter ist Unikum das Werk Abkat Rachel, Konstantinovel 1616. sehr selten die Ausgaben der Mechilta und des Sifra. ebenda 1616. In das Reich der Euriosa endlich gehört die auf rothem Papier gedruckte und mit Holzschnitten geschmückte Pesach- Haggada, Prag 1717, und das auf blauem Papier mit rothen Typen gedruckte Gebetbuch nach spanischem Ritus, Amsterdam 1716. Alle Eimelien einzeln aufzuzählen, muß dem zu druckenden Verzeichniß Vorbehalten bleiben. Nur die oft kunstvollen Einbände und Buchschließen, die der Sammlung zur Zierde gereichen, seien noch besonders erwähnt. Möge das-verdienstvolle Beispiel der Stifterin weitere Nachahmung finden und die jetzt schon so bedeutende Sammlung unserer Hebraica zu immer schönerem Ausbau gelangen! Hamburg, im Juni. Ueber kunstgewerbliche Schätze in Synagogen bringt das neueste „Kunstgewerbeblatt" einige intereffante Mittheilungen, denen eine Krone aus der Synagoge zu Hamburg, das Schild einer Thorarollc und eine Thorabekrönung nach Aufnahmen von Eduard Joel beigegeben stnd. Der Verfasser erwähnt in der Einleitung der Kunstgegenstände im Tempel Salomonis und hebt als die bevorzugten Theile des Kultus die Lade hervor und den Vorhang, der besonders für Stickereien sich eigne. Auffallend reich sind in vielen Fällen die Kronen der Thorarollen, von denen diejenige der Synagoge in der Elbstraße zu Hamburg aus Silber getrieben und reich mit vergoldeten Glöckchen behängen ist. Von dem unteren, breiten, durchbrochenen Reif, der von einem barocken, den Fürstenkronen ähnlichen zehnblätterigen Kranze abgeschlossen wird, gehen vier Zweige mit Blumen und Blüthen aus, die oben an ihrer Vereinigung eine goldene Kugel tragen. Aus einer anderen Synagoge stammt eine seit 80 Jahren schon in Privatbesitz befindliche thurmartige Thorabekrönung, deren vier Seitenflächen in feinstem Silberfiligran ausgeführt sind, während in der Mitte ein freier Raum für eine kleine Glocke ausgespart ist, wie eine solche ebenfalls in die auf der Spitze angebrachte Krone eingehängt ist. Joel hat als drittes Beispiel den Schild einer Thorarolle beigegeben, der vielfach als Erinnerung an den Brustschild des Hohenpriesters cmfgefaßt wird und als Schmuck hier zwischen Säulen die Gesetzestafeln zeigt, geschützt von zwei steigenden Löwen, die eine dreizackige Krone halten. Breslau, 20. Juni. (Beim Dreschgrasen zu Hans e.) Die „Breslauer Zeitung" entwirft ein anmuthiges Bild von den Verhältnissen auf dem Gut des Graten Pückler-Klein-Tschirne, der sich berufen siihlt, die Welt aus der Judennoth zu erretten. Wenn man den Gntshof betreten will, muß man an einer für Alterthumssreunde hochinteressanten Ruine vorbei. Bei einigem Scharfblick kann man noch erkennen, daß es ehemals ein Bauernhaus war. Ein Theil der Hinteren Wand ist eingestürzt, so daß dieser Raum überhaupt nickt mehr benutzt werden kann. Dagegen ist der vordere Tbeil noch ein klein wenig besser erhalten. Dort bausen die Vasallen des edlen Grafen und bereiten sich ihr Abendmahl. Dort hört allabendlich der reichstreue Herr, der alle fremden Rassen haßt, in seinem eigenen Heim ein polnisches Konzert auf der Harmonika und volnische Nationalgesänge. Aus weiter Ferne hat der Graf die Leute herbeigesührt, obwohl ihm unter seinen eigenen Landsleuten noch Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Was hat nun wohl den Herrn Grafen dazu getrieben, seine eigenen Landsleute auf das Pflaster zu setzen? Die „Unbotmäßigkeit seiner Untergebenen?" Ende Mai

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