Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 49 (24.6.1901)
- Date
- 1901-06-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1092 hat ein Herr, wir wollen in seinem Jntereffe seinen Namen verschweigen, im Aufträge des Herrn Steinhardt, den Versuch gemacht, diese Sache gegen den „Israelit" auszuschlachten, aber ein Rabbiner, sogar ein bekannter Gegner des „Israelit," hat auf die Verwerflichkeit derartigen Denunciantenthums hingewiesen und man hat beschämt einen diesbezüglichen Antrag fallen lasten. Wenn nun aber auch diese Sache eigentlich böchst lächerlich ist, so hat sie doch auch einen sehr ernsten Hintergrund. Wohin soll es führen, wenn eine derartige Kampesweise, die seither nur bei den Antisemiten üblich war, auch in jüdischen Kreisen Eingang findet? Was würde Herr Steinhardt sagen, wenn wir aus irgend einem Artikel in seinem Blatte, den er noch nicht einmal selbst geschrieben, irgend ein Wort herausgreifen würden und in seiner Abwesenheit es benutzen würden, um gegen ihn zu hetzen und ihn zu verdächtigen? Er würde mit Recht uns einen Mann nennen, der den vitalsten Grundsätzen der jüdischen Religion zuwider handelt. Herr Steinhardt aber hat solches uns gegenüber gethan. Wir können unmöglich glauben, daß der Vorstand des Lebrerverbandes dies Gebühren billigt; er würde sich damit ja nur in's eigene Fleisch schneiden und eine nicht so bald wieder zu verbindende Spaltung unter den Lehrern Hervorrufen. Seit seiner Gründung ist der „Israelit" für die Interessen der Lehrer nach allen Richtungen stets und ständig eingetreten; dies Zeugniß dürfen wir uns, ohne unbescheiden zu sein, ausstellen. Mir werden, trotz dieser Anfechtungen, in unseren Bemühungen fortfahren, den Stand der Lehrer zu heben und zu fördern, soweit es in unfern Kräften steht. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Mainz. In unserer jüngsten Donnerstags-Numnummer ("48) stand eine Berliner Eorrespondenz, Anschovis seien trefah. Es beruht dieses auf einem Mißverständniß; an der betreffenden Stelle ist statt Anschovis Anchovy-Paste zu lesen. In den Haushaltungen wird ein Fischpräparat, das unter dem Namen Änchovv-Paste im Handel ist, öfters an Stelle von Sardellenbutter verwendet. Diese Anchovy-Paste ist trefah, da bei ihrer Herstellung Schweineschmalz mit der Maste vermengt wird. Die Anschovis s e l b st für unerlaubt zu erklären, liegt kein Grund vor. Was Sardinen in Oel betrifft, so bedauern wir, der Hamburger Eorrespondenz über diesen Gegenstand in unserer Nummer vom vorigen Montag (47) etwas vorschnell Raum gegeben zu haben. Die Notiz in der bewußten hebräischen Zeitschrift „Hapeles", die dieser Eorrespondenz zu Grunde liegt, ist sicher viel zu allgemein gehalten. Es liegt nahe und ist auch schon lange bekannt, daß bei einzelnen minderwerthigen Fabrikaten ein "i'v'rr uw existirt. Dagegen bei Gardinen in Del aus den bekannten und bewährten Fabriken, die in Gegenden liegen, wo Olivenöl sehr billig ist, scheint eine Befürchtung ausgeschlossen. Wir werden uns bemühen, unseren Lesern auf Grund eingehender Informationen s. G. w. bald Authentisches über diesen Gegenstand mitzutheilen. Für diesbezügliche Nachrichten aus unserem Leserkreise wären wir sehr dankbar. Frankfurt a. M., im Juni. Ueber die „Wilhelm Earl von Nothschild'sche Stiftung an die Frankfurter Stadtbibliothek" bringt die „Frankfurter Zeitung" aus der Feder des Herrn Prof. Dr. Ebrard, Direktor der Stadlbibliothek, den folgenden Alifsatz: „Im Feuilleton der „Franks. Ztg.", Nr. 32 vorn 1. Februar 1.899, habe ich aus Anlaß der danials erfolgten Schenkung der Dr. A. Berliner'schen Bibliothek an die Frankfurter Stadtbibliothek das stufenweise Anwachsen ihrer heute so bedeutenden Hebraica- und Judaiea-Samnilung in den Hauptzügen skizzirt. Konnte ich dort im Einzelnen näher darlegen, wie diese durch den Hinzutritt der Brüll'schen Bibliothek (1892) zu einer Sammlung höheren Stils erhobene Abtheilung unserer Stadtbibliothek damals durch die Schenkung der Bibliothek Berliner ihren ersten systematischen Ausbau erhielt, so bin ich heute in der angenehmen Lage, über einen neuen bedeutungsvollen Zuwachs zur Hebraica-Sammlung, über die vor einigen Tagen bereits kurz ügnalisirte Wilhelm Earl von Nothschild'sche Stiftung seitens der Freifrau Mathilde von Rothschild einiges Nähere mitzutheilen. Ich verdanke die bibliographischen Daten meinem Mitarbeiter. Herrn Dr. A. Freimann, welcher mit der Bearbeitung der gesummten Hebraica und Iudaica der Stadtbibliothek betraut ist und auch die der letzteren von der Stifterin verstattete Auswahl aus der Bibliothek des verstorbenen Barons Wilhelm Earl von Rothschild bewirkt hat. Zunächst ist die stattliche Reihe von 23 hebräischen Inkunabeln zu nennen und unter diesen an erster Stelle der bibliograph. nicht verzeickmete Tur Oro.ch Chajim, ein 1495 in Leiria in Portugal gedrucktes Werk, ein wahres Prachtstück an Ausstattung und Titelornamentirung. Nach Portugal gehören auch von Inkunabeln das Ritualwerk des David Abudrahim. Listabon >489. und die Sprüche Salomonis mit dem Kommentar des David Ibn Jachja, Listabon 1491. nach Spanien der Tur Orach Ehajim, Jxar (Hijar) 1485, und der Tur Jore Dea ebenda 1.487. Ein gut erhaltener Pergamentdruck des Pentateuch, Listabon 1491, und die gleichfalls auf Pergament gedruckten Festgebete (Machsor) nach dem Ritus der römischen Gemeinden, Soncino und Casalmaggiore I486—8*1, mögen ferner genügen, um den Werth dieser Frühdrucke zu charakterisiren. Aber auch abgesehen von diesen erhält jedes einzelne Fach unserer Hebraica einen bedeutenden Zuwachs.