Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 49 (24.6.1901)
- Date
- 1901-06-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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42. Jahrgang. M 49 Der Israelit. Ein GenLrat-Hrgan für das orlyodore Iudenlyum. Begründet von Br. Xrffntattn in Mnitif* Montag, den 24. Juni 5661 (1661). «MMM»— Da mit dem 1. Juli 1901 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1901 eingetragen unter Nr. 3762. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. Leitender Artikel. An die jüdischen Kehrer! (Zur Abwehr.) Mainz, 23. Juni. Die Beilage zum Hamburger „Israelitischen Familienblatte," die vom „Verband der jüdischen Lehrervereine" herausgegeben wird, kämpft gegen uns mit Mitteln, die jeder anständige Mensch für in hohem Grade verwerflich erklären muß. Dieses Blatt soll, wie es scheint, unter allen Umständen auf eine grünen Zweig gebracht werden. Was ihut man da, um dies am schnellsten zu erreichen? Man sucht die unter den jüdischen Lehrern am meisten verbreitete Zeitung, den „Israelit", herunterzusetzen und zu verleumden, wo es nur irgend angeht. Vielleicht gelingt es auf diese Weise, dem „Israelit" einige Abonnenten abspenstig zu machen und sie dem „Familienblatt" zuzuführen. In der Nummer Bl dieser Blätter hat ein Herr Saly Geis an die jüdischen Lehrer einen Weckruf gerichtet, der, getragen von inniger Theilnahme an dem Stande der jüdischen Lehrer, den Seminarien den Vorwurf machte, daß sie zu wenig „Jüdisch" trieben und auf diesem Gebiete oft eine Halbbildung erzeugt würde. Herr Geis hat gleichzeitig einen Ferienkurs in Frankfurt a. M. in Aussicht gestellt, dessen Kossen und Reisespesen in Frankfurt a. M. aufgebracht werden sollen. Kein gerade denkender Mensch kann darin eine Beleidigung des jüdischen Lehrerstandes entdecken, im Gegenteil, auch die jüdischen Lehrer haben, wie uns von allen Seiten mitgetheilt wurde, darinnur einen Sporn erblickt, der zur Beseitigung des erwähnten Mangels dienen soll. Von vielen jüdischen Lehrern erhielten wir freudig zustimmende und ermunternde Zuschriften, von denen wir eine Reihe veröffentlichten, eine größere Zahl davon liegt noch in unserer Mappe. Dem Herrn Lehrer Steinhardt in Magdeburg war die wohllöbliche Absicht Vorbehalten, aus den Aeußerungen des Herrn Geis dem „Israelit" einen Strick zu drehen. Das Wort „Halbbildung" wird aus den- Zusammenhänge und aus dem Sinne herausgerissen und zum Schlagwort gegen den „Israelit" geprägt. In allen dem Verbände unterstehenden Lehrervereinen wird die Parole ausgegeben, gegen den „Israelit" vorzugehen, und Herr Steinhardt läßt sich in den Lehrerversammlungen öffentlich den Dank bekunden für die energische Abwehr, die er als Redakteur der „trefflich geleiteten" Beilage zum „Familiernblatt" dem „Israelit" auf die „schweren Angriffe gegen den jüdischen Lehrerstand" hat zu Theil werden lasten. Glücklicherweise war nun der Versuch der Stimnmngsmacherei gegen den „Israelit" und zu Gunsten der neugeschaffenen Beilage etwas zu plump arrangirt, um nicht durchschaut zu werden, und die Komödie, die Herr Steinhardt aus der „Freien Vereinigung der isr. Lehrer Oberschlesiens" und im „Verein jüd. Lebrer Weftpreußens" hat anfsühren lassen, wird in Lehrerkreisen, die Herr Steinhardt doch etwas zu niedrig eintaxirt hat, kräftig belacht. Auch in der Jahresversammlung des „Isr. Lehrervereins im Großherzogth. Hessen", die heute vor acht Tagen (16. Juni) in Frankfurt a. M. stattfand,