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Der Israelit · 1901-06-20 · Heft 48 (20.6.1901) · page 38

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 48 (20.6.1901)
Date
1901-06-20
Page
– (sequence 38)
Language
German
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Die erziehliche Thätigkeit der Alliance Israelite Universelle. Von Dr. Arnold Ascher. (II. Fortsetzung .*) (Alle die anderen ansehnlichen Giaubensgenossenschaften werden in der Welt durch Völker vertreten, deren Regierungen besonders berufen sind, sie offieiell zu vertreten, und die für sie sprechen. Israel allein entbehrt diesen bedeutsamen Vortheil, da es weder einen Staat, noch eine Gesellschaft, noch ein bestimmtes Gebiet darstellt. Dieser Name ist nichts weiter, als ein Erkennungs- und Vereinigungswort für zerstreute Individuen; diese zu vereinigen, das ist die Aufgabe.“) Und nun zum eigentlichen Gegenstände der Konferenz. Die von Erfolg begleitete Kühnheit, welche die Gründer bei der Bildung der Alliance zu einer Zeit, wo Opportunität und Nützlichkeit einer solchen Schöpfung noch vielfach discutirt wurde, entfalteten, führte sie zur Organistrung der Schulen. Ungeachtet ihrer Jugend besassen diese Männer, neben grosser Begeisterung für die Sache, gründliche Kenntnisse in Bezug auf die Bedürfnisse des Judenthums, und fanden in den Schulgründungen das einzige Mittel, welches geeignet war, die jüdischen Volksmassen dem Drucke der Verwahrlosung und der Unwissenheit der Jahrhunderte zu entreissen. Die Wohlthat der Schule war es, welche die Alliance als Mittel gewählt, das Judenthum im Orient und in Afrika zu regeneriren. Und sie begann ihre Thätigkeit in diesen beiden Erdstrichen zu entfalten, weil daselbst die moralische Noth der jüdischen Bevölkerung in der ersten Hälfte des Jahrhunderts am drückendsten war. Das geistige Niveau der dortigen Juden, bei völligem Fehlen moderner Cultur, musste jeden mit den Verhältnissen nur einigermassen Vertrauten frappiren. Kaum dass die Jugend auch nur Hebräisch lesen und schreiben lernte. Zweifelsohne waren die Juden Russlands, Rumäniens und Galiziens unglücklicher, ärmer und den Verfolgungen mehr ausgesetzt; allein die heilige Flamme der Wissenschaft war bei ihnen niemals völlig erloschen, und selbst aus der Finsterniss der Unterdrückung tauchte ihnen von Zeit zu Zeit ein hervorragender Schriftsteller auf, ein Philosoph, ein Mann der Wissenschaft, ein vorzüglicher Exeget . . . Anders bei den unter den Musel- *) S. Rr. 772. mannen zerstreuten jüdischen Gemeinden. Hier war jede Freude am Studium, ja selbst jede Erinnerung an die berühmten Rabbiner und Gelehrten. welche ehemals so viel Glanz über die orientalische und afrikanische Judenheit verbreiteten, abhanden gekommen. Auch die physischen Kräfte der Race waren, Dank den allmählichen Einwirkungen eines in engen Ghettis eingepferchten Lebens, herabgekommen. Leib und Seele geriethen in Verwahrlosung. Durch Lebensweise und hundertjähriges Vorurtheil jeder ernsten manuellen Arbeit entfremdet, waren die Juden in den muselmännischen Landen sozusagen an den Hausirhandel geschmiedet, (riv6$ au colportage) auf das jämmerlichste Gewerbe angewiesen. Zur Rettung dieser Unglücklichen gab es nur ein Mittel: Schulen. Noch vor der Bildung der Alliance waren ihre Gemeinden von dieser Wahrheit durchdrungen, und kaum dass die Alliance über einige Mittel verfügte, als sie dieselben schon der Creirung einer Schule in Tetuan in Marokko widmete. Das war im Jahre 18 62. Im Jahre 1864 erfolgte die Eröffnung einer weiteren Schule zu Tanger, ebenfalls in Marokko, und im Jahre 1865 einer solchen in Bagdad. Seither hat sieh das Schulwesen von Jahr zu Jahr auf das Beste entfaltet, so dass sich heute ein Netz von Schulen über Bulgarien, über die europäische Türkei, die asiatische Türkei, von Jaffa bis Aleppo und Bagdad, von da über Egypten, Tunis und Marokko ausbreitet. Es bat auch Boden in Rumänien gefasst und zieht sich bis nach Persien hin. Besonders rasch gingen die Schulgründungen seit dem Jahre 18 7 9 von Statten. Im Jahre 18 80 belief sich die Zahl der Schulen auf 34, im Jahre 1890 auf 5 4, im Jahre 189 9 auf 94, davon 58 für Knaben uad 36 für Mädchen mit einer Gesammtfrequenz von 25,000 Kindern. Dass sich das Erziehungswerk der Alliance so rasch entwickeln konnte, ist der Munifieenz des Baron und der Baronin Hirsch sei. And. zu verdanken. (Fortsetzung folgt.)

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