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Der Israelit · 1901-06-20 · Heft 48 (20.6.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 48 (20.6.1901)
Date
1901-06-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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MW m WWWW «M 1077 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 18. Juni. Als antisemitische Bade-, Kur- und Erholungsarte sind bisher bekannt geworden: Borkum, Juist, Amrum, Zinnowitz, Heiligenhafen, Sellin, Lakolk auf Nöm, Craal bei Ribuitz, Bansin, Britters Strandhotel in Swinemünde, Besitzer Wilh. Gergs und Peter Nothhafen bei Swinemünde, Insel Wilna bei Rügen, Augustusbad bei Radeberg, Müritz, Gehlberger Mühle (bei Oberhof in Thüringen), Großtabarz in Thüringen, Kurhaus Oberweiler i. Schwarzwald, Hofhaus in Schliersee, Ruhpoldig in Oberbayern, Trautheim bei Rieder-Ramstadt im Odenwald, Grendelbruch im Unterelsaß, das Pensionat am Frauenlloster um Ottilienberg, Luft- und Wafferkurort Einöd bei Friesach in Obersteiermark, Ettlingerweiler und Bruchhausen (Bad Schwarzwald), Metlisalp (Berner Oberland), St. Johann bei Heiden in Appenzell, Gaisenstein, Inner Bartholomä und Bandaus in Montavon (Boralbera), Oberandorf und Kiefersfelden a. Inn, Gasthof zur Gräfin in Kufstein, Hinterriß (Bay.) Forsthaus, Walchsee, Langhampfen, Qberbozen, Mezzolombardo (Restauration Gr'öbner), Rensch bei Bozen, Cafee Schgraifer in Bozen, Sermione am Gardasee (Hotel promasji sposi), Kitzbühel in Tirol, Hotel Schröder, gen. Billa Flora in Neuenahr, Ligau bei Dresden, Mieders im Stubbaithal. Ein eventuelle Vervollständigung respektive Berichtigung dieser Liste wäre sehr dankenswerth. Berlin, im Juni. Wie wir seiner Zeit mitgetheilt haben, hat sich in Shanghai eine „Gesellschaft zur Befreiung der eingeborenen Juden" in China gebildet, welche im vorigen Sommer durch Vermittelung eines zuverläfsgen eingeborenen Boten mit den Juden in Kaiföng-fu in der Provinz Hunan mehrere Briefe gewechselt hat. Im November v. I. hat die Gesellschaft einen „an die Brüder im Glauben" gerichteten hebräisch und chinesisch abgetaßten Brief nach Kai-föng-fu geschickt, in welchem Bildung und Zweck der Gesellschaft mitgetbeilt wurden, und in dem es weiter hieß: „Der Vorstand unserer Gesellschaft harrt ängstlich auf die Ankunft einiger Männer aus Eurer Mitte, um mit ihnen über Mittel und Wege zu berathen, wie unser Ziel erreicht werden könnte. Um die kostbare Zeit nicht zu verlieren, bitten wir Euch nomals, mit möglichst wenig Zeitverlust zwei bis drei Eurer Mitglieder nach Shanghai zu entsenden, um mit uns die Schritte zu berathen, welche zu Euerer Befreiung aus der gegenwärtigen Unkenntniß unserer Religion führen sollen." Auf dieses Schreiben kam am 5. April folgende Antwort: „Am 2H. Tage des 12. Monats. Geschrieben bei großer Kälte. An die Aeltesten derselben Raffe. Antwortlich der Briefe, welche durch die Herren Pao und In überbracht wurden, dankten wir Gott für seine große Gnade und beabsichtigten, sofort uns aufzumachen, um achtungsvoll Euere Instruktionen entgegen zu nehmen. Aber unwissende Raufbolde, welche sich die im Norden herrschenden Unruhen zu Nutzen machten, ließen das Reisen gefährlich erscheinen, und so dachtern wir, es sei besser, einstweilen nicht nach Shanghai zu gehen, sondern täglich auf bessere Zeiten zu warten. Nun aber ist Herr In mit einem zweiten Schreiben in Pien Leang (Kai-föng-fu) eingetroffen, für welches wir außerordentlich dankbar sind. Das alte Jahr geht zur Neige, und wir haben uns entschieden, mit Beginn des Frühlngs zu kommen. In Pien Leang gibt es mehrere Familien, lvie Kao, Li, Chao, Shin, Kin und Chong, die höufig die Angelegenheit gemeinsam berathen und sich entschieden haben, daß es besser sei, gemeinsam nach Shanghai zu gehen. In der Hoffnung, daß Ihr Euch wohl befindet und daß wir demnächst mit einander noch mündlich mehr sprechen werden, verbleibe ich Euer untcrthänigster Stammesbruder Li-King-Cheng." Ein Tag nach Empfang obigen Schreibens traf in Shanghai der eingeborene Bote ein und brachte den Briefschreiber Li-King-Chen und dessen Sohn mit sich. Mit ihnen kam noch ein eingeborener Christ, der den Juden von Kai-föng-fu gegenüber sich verpflichtet hat, Vater und Sohn nach kurzem Verweilen in Shanghai zurück nach Hause zu geleiten. Sie blieben drei Wochen in Shanghai und nahmen auf der Rückreise folgendes Schreiben mit: „An unsere Glaubensbrüder in Kai-föng-fu! Bezugnehmend auf unseren Brief von vor fünf Monaten empfingen wir vor etwa zwei Wochen Euere Antwort, in welcher mitgetheilt wurde, daß einige von Euch die Absicht hegen, nach Shanghai zu kommen. Diesem Briefe folgte Tags darauf die Ankunft unseres Boten in Begleitung zweier Mitglieder Eurer Gemeinde, nämlich Mr. Li-King-Sheng und seines Sohnes. Sofort nach deren Eintreffen depeschirten wir an Euch, um Euch von der glücklichen Ankunft Eurer Gemeindegenossen in Kenntniß zu setzen. Dieselben brachten bei uns das Passahfest zu und wohnten mehrere Male unserem Gottesdienste bei. Jetzt befinden sie sich bereits auf der Rückreise nach Kai-föng-fu und führen diesen Brief an Euch mit. Die Zeiten sind jetzt in China zu unruhig, um Jemand aus unserer Mitte zu Euch zu senden, damit dieser Euch Unterricht in unserer Religion ertheile. Wir bitten Euch daher, einige Männer aus Eurer Mitte, womöglich junge Leute, zu uns zu senden, welche einige Monate bei uns bleiben sollen, damit sie bei uns die Gesetze kennen lernen, welche Gott Moses gegeben hat, und die von unseren Ahnen durch Jahrtausende treu beobachtet wurden. Wir wollen versuchen, es ihnen bei uns bequem zu machen, und im Falle sie ganz bei uns bleiben wollen, werden wir uns bemühen, ihnen hier eine passende Existenz zu gründen.

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