Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 48 (20.6.1901)
- Date
- 1901-06-20
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1078 Sollten sie aber zurück nach Hause wollen, um Euch zu lehren, was sie bei uns gelernt haben, so werden wir auch dagegen nichts haben. Denn unser einziger Wunsch ist nur, Euch zu den Gesehen unserer Ahnen zurückkehren zu sehen, von denen Ihr Euch leider so weit entfernt habt." Frankfurt a. M., 13. Juni. Non dem Direktor der Stadtbibliothek, Herrn Prof. Dr. E b r a r d , erhalten wir folgende Mittheilung.- Die an Zahl und Werken überaus reiche „Hebraica- und Judaiea-Sammlung" der Frankfurter Stadtbibliothek hat durch die Liberalität der Wittwe des verstorbenen Barons Milh. Earl von Rothschild, Frau Freifrau Mathilde v. Rothschild, eine neue, höchst werthvolle Bereicherung erhalten. Es wurde dem Institut gestattet, aus der von dem Verstorbenen mit Sachkenntnis; gesammelten Bibliothek alle Werke auszuwählen, deren Besitz ihm wünschenswerth erschien. Unter den etwa 800 Werken, welche die Stadtbibliothek aus diese Weise erhielt, befindet sich eine größere Anzahl von hebräischen „Inkunabeln," worunter mehrere auf Pergament; überhaupt zählt man im Ganzen sechzehn „Pergamentdrucke." Eine große Bereicherung findet insbesondere der schon durch die Schenkung der Bibliothek Berliner bedeutende Bestand an „Ritualien," von denen einzelne Unila sind, andere sich außerdem nur noch im Britischen Museum in London befinden. Die Bibliothek isi in trefflichem Erhaltungszustand; eine Reihe „kunstvoller Einbände" wird eine Zierde der Stadtbibliothek bilden. Die Schenkung, mit welcher sich die Stifterin ein großes Verdienst um die Wissenschaft und um unsere Stadt erworben hat, ist von der Stadtbibliothek bereits übernommen und wird daselbst als „Freiherrlich Wilhelm Carl von Rothschild'sche Stiftung" zur Aufstellung gelangen. Aschaffenbnrg, 16. Juni. In einer vorhergehenden Nummer Ihres geschätzten Blattes haben Sie bereits berichtet, daß die Gattin unseres unvergeßlichen großen An ii leider vor Kurzem uns entrissen wurde. Frau Distr.-Rabbiner Adelaide Bamberger ist nach zweitägigem Krankenlager am p*3 -* verschieden, wenige Tage vor dem p'L r an dem sie vor 44 Jahren mit ihrem Gatten den Bund für's Leben schloß. Ihr Vater war der weithin bekannte, durch wahrhafte "w ivxm ausgezeichnete rpr h Tedesco in Paris, in dessen Hause rmi in herrlichster Weise vereint waren. Begeistert für Thora und Jirah, vertauschte sie gerne die elegante Großstadt mit einem kleinen Dörfchen, um mit dem Manne ihrer Wahl vereint zu werden, der damals, obwohl noch ein junger Mann, schon als Gelehrter bekannt und geschätzt war. So lebte sie 2F> Jahre lang in Fischach glücklich und zufrieden, da sie ihr höchstes Glück darin sah, für ihres Gatten Wohl zu sorgen, mit ibm zu arbeiten an der Erziehung ihrer Kinder zu wahrhaften Jehudim, sie zu begeistern für Thora und Jirah. Stets sorgte sie dafür, daß ihr Gatte sich ungestört dem „Lernen" hingeben konnte, stets suchte sie, so weit wie möglich, jede Aufregung von ihm fern zu halten und leicht ertrug er Aufreg"ng und Verdruß, die sein allgemeines und segensreiches Wirken mit sich brachten, durch das Glück, das er in feiner Familie genoß, das er in erster Linie seiner frommen Gattin verdankte, die als eine wahrhafte mp ihm zur Seite stand, llnd mit dem Tage, da ihr großer Gatte von feiner irdischen Laufbahn abberufen wurde, fehlte ihr tbatsächlich rrrnn x:bz ihr Leben war zerstört, sie sehnte sich nach der Wiedervereinigung mit ihrem Gatten. Gleich ihm verschied sie an einem Donnerstag und ging am nzw zny zur rrrje ein. Am Grabe gab der älteste Sohn, Herr Rabbiner Dr. Bamberger aus Schrimni, seinem und seiner Geschwister Schmerz Ausdruck und schilderte den herben Verlust, den die Familie und der bx-L" btz? durch den Heimgang einer solch' seltenen Arnsrx erlitten. Am Montag während des rtyzty widmete im Trauerbaufe Herr Rabbiner Dr. M. L. Bamberger aus Schildberg seiner Mutter einen tiefempfundenen Rachruf. Die allgemeine Beliebtheit der Heimgegangenen zeigte sich an der großen Betheiligung bei der sowie an der Trauer, welche die Kunde von dem Hintritt dieser rry rspnac allgemein hervorrief. Möge ibr wm und der ihres großen Gatten s. A. ihrer Familie beistehen und für diese wie für den bbv bn-iv? sie -iLw ■’&bc sein und rrtrn die Zeit beschleunigen, die uns den pix bx'i bringen wird. x"'22. Serbien. Belgrad. Dank dem freisinnigen Geiste des Königs Alexander genießen unsere Glaubensgenossen in Serbien eine sichere Ruhe. Zwar gibt es wie überall auch bei uns einige Antisemiten, aber sie sind bis jetzt noch unschädlich geblieben. Rculich richtete ein Pope eine Bitte an den Metropoliten, um den Christen zu verbieten, daß sie sich der jüdischen Geburtshelferinnen bedienen. Der hochwürdige Kirchensürst würdigte den Bittsteller nicht einmal einer Antwort. Neuenahr. Zu wiederholtem Male komme ich als Kurgast zur Saison nach dem herrlich ge'egenen Neuenahr und entbehrte ich, wie viele Jehudim mit mir eine Synagoge dort. Jetzt aber freut es mich mittheilen zu können, daß mit dem Bau eines^roO^ü.-i m begonnen worden ist und auch während der Lraison die Einweihung stattfinden soll. Am Pfingstmontag hat ein Fell stattgefunden, dessen Erträgnisse zu den Kosten des Baues der Synagoge benutzt werden sollen. Das wohlbekannte Hotel Adolf O st e r zur ..Landskron" kann ich jedem Neuenahr Besuchenden besonders emvt'ehlen, Küche und Keller sind vorzüglich, in ritueller Beziehung fehlts in diesem Hause in keiner Weise